Rätsel des Alltags Toast auf Katze

Warum landen Toastscheiben immer mit der geschmierten Seite nach unten? Und was passiert, wenn man eine Katze in den Versuchsaufbau integriert? Die Antwort auf diese Fragen lässt sich im Internet finden.
Von Angelika Unger

Es war wieder einer dieser Tage. Morgens im Bad Zahnpasta auf die Bluse gekleckert, die Haare eine einzige Katastrophe und dann auch noch das: Beim Frühstück klingelt das Telefon, ich springe vom Küchentisch auf und zack, landet mein mit Himbeermarmelade bestrichenes Toastbrot auf dem Fußboden. Warum, warum nur landen Marmeladenbrote immer auf der Marmeladenseite, wenn sie herunterfallen?

Eine kurze Umfrage im Freundeskreis bestätigt zweierlei: Erstens, das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf meine Marmeladenbrote. Zweitens, es scheint sich hier um eines jener Alltagsprobleme zu handeln, zu denen jeder eine Meinung hat. Geradezu zwangsweise wird in der Diskussion früher oder später Murphys Gesetz zitiert ("Wenn etwas schief gehen kann, wird es schief gehen") über die Gewichtsunterschiede von Brotseite und Marmeladenseite philosophiert und einer oder mehrere gut gemeinte Ratschläge geäußert (Setz dich doch zum Essen auf den Boden!").

Irgendwann kommt, was kommen muss: In zutiefst philosophischer Runde, die großen Fragen des Lebens sind bereits erschöpfend erörtert, stellt mir nach mehreren Glas Rotwein ein guter Freund die Frage: Was landet eigentlich unten, wenn man einer Katze ein Marmeladenbrot auf den Rücken schnallt?

Puh. Gute Frage. Wie jeder Katzenbesitzer weiß, fallen Katzen immer auf die Füße. Und dass Marmeladenbrote immer auf die Marmeladenseite fallen, hat die unfreiwillige empirische Forschung in meiner Küche hinreichend bewiesen.

Weltraumantrieb dank Katze, Brot und Tomatensauce

Bekanntlich ist irgendwo im Internet die Antwort auf jede Frage dieser Welt zu finden. Das ist eine Tatsache, genau so unumstößlich wie die, dass es in Deutschland zu jedem noch so abwegigen Thema einen Verband gibt. Meine persönlichen Favoriten sind der Zentralverband Naturdarm und die Schweißelektroden-Vereinigung. Aber ich schweife ab, hier soll von Katzen und Marmeladenbroten die Rede sein.

Ein Ausflug ins Web bestätigt meine Vermutung, dass sich noch andere Menschen mit der Frage konfrontiert sahen - wahrscheinlich ebenfalls nach dem Genuss erheblicher Mengen alkoholischer Getränke. Es gibt sogar eine eigene Webseite, die sich ausschließlich mit einer Abart des Themas beschäftigt, nämlich nicht mit dem Marmeladen- sondern mit dem Butterbrot. Auf katze-oder-butter.de  wird unter anderem darüber philosophiert, ob die Katze möglicherweise einen Meter über dem Boden schweben wird oder aber explodiert und ein schwarzes Loch erzeugt. Hobbybastler erhalten Hinweise zum Versuchsaufbau .

Der Comiczeichner Joscha Sauer hat dem Thema einen seiner Cartoons  gewidmet, und bei KC Logic  erhält der geneigte Katzenbesitzer eine Anleitung, mit Hilfe des Haustiers und eines Butterbrotes Strom zu erzeugen. Im Aufsatz "Of Cats, Toast and Gravity"  wird ein Weg aufgezeigt, um mit Hilfe von Katze und Toast ein Raumschiff zum Fliegen zu bringen. Allerdings benötigt man hierfür zusätzlich weiße Hemden und Tomatensauce.

Drei junge Forscher gehen der Frage auf den Grund

Das alles ist aber nichts als schnöde Theorie. Hat denn niemand den Mut, die Gedankenexperimente in die Tat umzusetzen? Doch: Drei mutige junge Herren von der Institution zur Erforschung total interessanter Tatsachen, kurz I.Z.E.T.I.T., die mit bewunderswertem Forscherdrang "Mysterien auf den Grund gehen, über die sich wegen ihrer Trivialität noch niemand Gedanken gemacht hat".

Ihr Experiment "Katzen- und Toastbrotphysik"  ist zwar politisch nicht korrekt ("Wir verwenden dazu die laboreigene Katze, und zwar ohne ihr Einverständnis"), aber wissenschaftlich präzise mit vielen Fotos dokumentiert und kommt zu einem interessanten Ergebnis: Ist der Brotaufstrich dick genug, kann die Katze fliegen.

Franz, Jan und Alex, so die Namen der unermüdlichen Forscher, gehen nicht nur der Katzen-Toast-Frage nach. Sie geben auch Antwort auf die Fragen, wie viele Din-A-4-Blätter man mit einem Wasserfarbkasten anmalen kann  (die Antwort: 420 Stück, das macht rund 26 Quadratmeter und "ist immerhin die Fläche, die ein ausgewachsenes Wombat zum artgerechten Leben benötigt") und wie hoch der Haut- bzw. Fahrzeuganteil eines Playboys ist  (Antwort: 0,2115 Quadratmeter Autoschnipsel verglichen mit 0,415 Quadratmetern Schnipsel nackter Frauen).

Gespannt warte ich auf die nächsten Forschungen zu Fragen wie "Warum ist die Banane krumm?" und "Wieviele Ziffern hat ein Telefonbuch?" und habe über den vielen neuen Erkenntnissen die Trauer über meinen heruntergefallenen Marmeladentoast beinahe vergessen. Vielleicht werde ich mir demnächst eine Katze zulegen, um den Versuch zuhause nachzuvollziehen.

Ach ja, eine Erklärung für das Toastphänomen habe ich übrigens auch gefunden . Es liegt am Tisch: Da alle Tische etwa gleich hoch sind, schafft das Toastbrot nur eine halbe Drehung, ehe es auf dem Boden landet. Aber das ist eigentlich nicht mal halb so faszinierend wie alles, was es über Katzen und Marmeladenbrote zu sagen gibt.