Rätselhaft Geheimdienst testet Bewerber im Web

Der BND schaltet Stellenanzeigen in Tageszeitungen, die CIA Werbebanner auf Websites, über die sie Hacker finden wollen und der Geheimdienst ihrer Majestät lädt zu einem gepflegten Online-Spielchen. Die Welt der Geheimdienste ist einfach nicht mehr, was sie einmal war. Gefragt sind Menschen mit der Lizenz zum Surfen.

Mit einem ungewöhnlichen Bewerbertest will der britische Geheimdienst GCHQ neue Agenten anlocken. Die Behörde stellte ein fünfteiliges Worträtsel ins Internet , das Computerspezialisten und Linguisten einen Vorgeschmack auf ihre mögliche künftige Tätigkeit liefert. Bislang gelang es 15 Kandidaten, den Code zu knacken; der schnellste von ihnen brauchte 48 Stunden.

Wer so etwas in 48 Stunden schafft, ist wahrlich reif für eine Karriere beim Secret Service: Zur Lösung des Rätsels müssen die Bewerber mehrere, auf der Internetseite versteckte Hinweise entschlüsseln und in der richtigen Reihenfolge anordnen. Das aber kann man nur, wenn man die Inhalte der Website von vorn bis hinten durchkämmt, aufmerksam liest und in jeder Zeile nach Code sucht. Das Prinzip ist aus vielen Online-Gewinnspielen bekannt. Spötter vermuten da vorschnell eine moderne Form der Hirnwäsche.

Eine überzogene Furcht: Der Geheimdienst nennt sein Spielchen die "GCHQ-Herausforderung" und verspricht nicht nur, dass die Lösung des Rätsels die Bewerbungsaussichten eines Kandidaten verbessern könne, sondern weist ja auch ausdrücklich darauf hin, dass das Spiel einen "Vorgeschmack" auf spätere Tätigkeiten biete.

Das ist allerdings eine knallharte Kandidatenauswahl: Wer es schafft, sich 48 Stunden lang mit stocklangweiliger, jubilierender Geheimdienst-PR zu beschäftigen, der dürfte auch fit sein, so etwas für den Rest seines Lebens zu tun. Klar, dass die Webdesigner des Secret Service auch für erschwerte Bedingungen gesorgt haben. So leseunfreundlich wie möglich flimmert strahlendweiß die Schrift auf tiefschwarzem Grund und brennt sich tief in Iris und Hirn. Wer einen Job will, der muss auch Kopfschmerzen ertragen können. Logisch.

Logisch sei auch die Lösung, sagt ein natürlich namentlich nicht genannter Sprecher des Geheimdienstes: "Ein logischer Satz, so dass man sofort merkt, wann man die Lösung gefunden hat". Zwar akzeptiere der Geheimdienst auch Bewerbungen von Kandidaten, die das Rätsel nicht lösen konnten, heißt es auf der Seite. Wer seinen Unterlagen jedoch den Lösungssatz hinzufüge, könne mit Sicherheit mit dem Interesse der Behörde rechnen. Wer nun allerdings den besseren Job angeboten bekommt - derjenige, der sich auf so etwas einläßt, oder alle anderen - geht aus den Verlautbarungen des Dienstes nicht hervor.

Frank Patalong

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