Ralf Möbius

Wer sind Sie, was macht ihr Profil, Ihre Qualifikation aus?

Ralf Möbius:

Ich bin seit Januar 1996 als Rechtsanwalt tätig. Seit einem Jahr habe ich meine eigene Kanzlei in Hannover.

Finanziert habe ich mein Studium und Referendariat als freier Journalist für verschiedene Zeitungen in Hannover und beim Norddeutschen Rundfunk.

Meine Auslandsstation als Referendar verbrachte ich deshalb auch in Los Angeles bei der Kanzlei Fredricks & Associates, Attorneys at Law, die auf Medien- und Unterhaltungsrecht spezialisiert sind.

Die langen Aufenthalte in diesen Ländern haben in mir das Bedürfnis nach globaler Information und Kommunikation geweckt, weshalb ich das Internet in kurzer Zeit schätzen lernte.

Als Jurist kam ich nicht umhin, mich mit den rechtlichen Grundlagen des Netzes vertraut zu machen. Je intensiver ich mich mit den technischen Möglichkeiten der Seitengestaltung vertraut machte, desto spannender waren auch die damit verbundenen rechtlichen Fragen. Dies fing im Domainrecht an und endete bei einfachen Fragen zum Vertragsschluß per E-Mail. Dank eines Zufalls konnte ich auch mehr und mehr beratend in Fragen des Internetrechts tätig werden.

Was bedeutet die Icann-Kandidatur für Sie? Warum haben Sie sich dazu entschlossen?

Möbius: Wer sich intensiv mit Fragen des Internets auseinandersetzt, wird zu der Erkenntnis gelangen, dass die Möglichkeiten des Netzes unser Leben in einigen Punkten stark verändern werden. Meiner Ansicht nach befinden wir uns in einer Phase des Aufbruchs, an der ein großer Teil der Menschheit aus geographischer als auch demographischer Perspektive nicht teil hat. Dies wird sich bald ändern. Alle Generationen werden weltweit zu Nutzern des Internets. Mit dieser Zukunftsperspektive verbunden ist die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Netzes für verschiedene Interessengruppen.
Die Icann darf als zentrale Organisation für die Setzung von Standards im Internet nicht zum Spielball wirtschaftlicher Interessen werden. Die Unabhängigkeit der Icann muss im Sinne der wachsenden Anzahl von Internetnutzern erhalten bleiben. Die bloße Verweisung kommender Generationen auf einen bereits verteilten Kuchen muss durch rechtliche Instrumente weitestgehend verhindert werden.
Ich habe die Diskussion über die Kompetenzen der Icann - insbesondere im Zusammenhang mit der Uniform Domain Name Dispute Resolution Policy ("UDRP"), die für die TLD`s com.,net. und org. am 1.1.2000 in Kraft getreten ist, verfolgt und bin wegen der zentralen Bedeutung derzeitiger Entwicklungen an einer Mitarbeit über technische und rechtliche Standards im Internet sehr interessiert.
Weil mein Freundes- und Bekanntenkreis am Internet generell recht desinteressiert ist und ich jedenfalls nicht über eine Lobby verfüge, die bereit und in der Lage gewesen ist, sich dem Registrierungsprozess einer Icann-Mitgliedschaft zu unterwerfen, bekomme ich keine einzige Stimme "geschenkt" und bilde mir keine großen Erfolgsaussichten für diese Wahl ein. Da ich das Internet als eine große Zukunftschance für die Menschheit begreife, konnte ich es mir aber nicht nehmen lassen, an der ersten weltweiten Wahl überhaupt als Kandidat teilzunehmen. Schließlich betrachte ich meine hier zum Ausdruck gebrachte Auffassung als eine gut wählbare Position. Im übrigen möchte ich im Falle eines Fehlschlagens meiner Kandidatur nach der Vorausscheidungsphase mit meiner Stimme über die Zusammensetzung des Direktoriums mitentscheiden.

Warum glauben Sie, dass Sie im Icann-Direktorium sitzen sollten?

Möbius: Kernbereiche meiner Tätigkeitsschwerpunkte Arbeitsrecht und Strafrecht haben den Schutz des Einzelnen vor wirtschaftlicher oder staatlicher Macht zum Ziel. Als Rechtsanwalt und Strafverteidiger ist es regelmäßig meine Aufgabe, die Interessen meines Mandanten gegen eine Übermacht auf der Gegenseite durchzusetzen. Ich bin der Ansicht, daß es der Durchsetzungsfähigkeit und Unabhängigkeit eines Strafverteidigers bedarf, um sich in einem Direktorium behaupten zu können, welches unter lobbyistischen Gesichtspunkten zusammengesetzt wurde. Nicht vergessen werden darf, daß die weitaus größte Gruppe der Nutzer - als Teilnehmer an dieser Wahl - im künftigen Direktorium jedenfalls unterrepräsentiert sein wird. Ich traue mir die unabhängige Interessenvertretung der Internetnutzer im zukünftigen Direktorium wegen meiner Berufserfahrung und Sprachfertigkeit zu.

Was können Sie beitragen zu einer konstruktiven Weiterentwicklung von Icann?

Möbius: Ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung der Icann wird die Installation eines demokratischen Konzeptes zur Legitimation sein müssen, um eine weltweite Akzeptanz dieser zentralen Institution zu erreichen. Nur durch konsequente Transparenz und Demokratisierung wird die Einheitlichkeit und damit Funktionsfähigkeit des Netzes und damit weltweiter und zensurfreier Kommunikation gewährleistet sein. Die Standards des Netzes müssen sämtlichen Interessen gerecht werden. Wichtig ist daher, ein Regelwerk zu schaffen und zu verfeinern, welches weltweit Anerkennung findet. Dies muß nicht nur für die Domainvergabe sondern auch für Fragen der Verantwortlichkeit von Inhalten und für Sicherheitsfragen im Netz gelten. Ich sehe mich in der Lage, derartige Grundlagen weiter zu entwickeln.

Wen vertreten Sie?

Möbius: Ich vertrete Ideale wie die freien Meinungsäußerung, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und die Gleichheit vor dem Gesetz und sehe die Nutzung des Internets als eine Chance, langfristig diese Ideale nicht nur weltweit zu transportieren sondern auch umzusetzen.

Werden Sie von irgend jemandem "gestützt", ideell oder finanziell?

Möbius: Nein.

Wo sehen Sie die Hauptprobleme und -Aufgaben der Icann?

Möbius: An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass der Anspruch der Icann, weltweite Maßstäbe setzen zu dürfen, nur aufrechterhalten werden kann, wenn die Icann sich demselben Wandel unterwirft, dem das Internet selbst unterworfen ist. Je internationale die Netznutzung wird, umso offener und repräsentativer muß auch die Icann besetzt sein. Insoweit muß auch die derzeit noch bestehende Sprachbarriere abgebaut werden, die schon jetzt große Gruppen von Internetnutzern von der Teilhabe an dieser Wahl ausschließt.

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