Ratzingers Golf Verkäufer ist mit Erlös "mehr als zufrieden"

Das alte Auto des neuen Papstes ist weg - ein Online-Casino aus den USA bekam den Zuschlag. Der Verkäufer scheint sich inzwischen mit dem Ende der Auktion abgefunden zu haben, sein Freund und Berater dagegen hatte am Morgen noch laut über rechtliche Schritte nachgedacht. Unklar ist, ob der Erlös versteuert werden muss.

Das Online-Kasino GoldenPalace.com, das schon mehrfach durch bizarre Einkäufe auf sich aufmerksam machte, wird den Ratzinger-Golf wohl tatsächlich bekommen. Auf der Webseite des Kasinos gibt es schon ein digital bearbeitetes Foto von dem Auto zu sehen, mit dem Logo des Casinos und einem Bild des neuen Papstes.

Der Chef des Online-Kasinos sagte: "GoldenPalace.com ist glücklich, dieses heilige Gefährt zu besitzen. Wir haben eine Sammlung von Dingen angelegt, die viele für heilige Gegenstände halten. Es scheint nur natürlich, ein gesegnetes Fahrzeug zu besorgen, um diese Gegenstände zu transportieren. Wir planen, unsere Erwerbungen auf Rundreise zu schicken und auszustellen, um den Menschen zu gestatten, die Erfahrung zu machen, in einem göttlichen Auto zu sitzen." Damit wolle man so viel Geld wie möglich für wohltätige Zwecke sammeln.

GoldenPalace-Sprecher Drew Black sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE man sei sehr glücklich über den Kauf, habe aber bis jetzt noch keinen direkten Kontakt mit dem Besitzer herstellen können. Ziel sei es, eine Art rollendes Museum mit anderen Gegenständen aus der Kuriositäten-Sammlung von GoldenPalace.com zusammenzustellen.

Wolfgang Menne, Berater und Freund des bisherigen Besitzers Benjamin Halbe hatte heute im ARD-"Morgenmagazin" noch gesagt, man werde den Ausgang der Auktion "nicht akzeptieren". Gegenwärtig würden rechtliche Schritte geprüft, um den Zuschlag an GoldenPalace.com zu prüfen. Deutsche Bieter seien "maßlos enttäuscht" und fühlten sich "hintergangen", behauptet Menne.

Einer der verhinderten Bieter, der Manager der Kastelruther Spatzen, Helmut Brossmann, sagte, er habe am Donnerstag vergeblich versucht, auf die Ebay-Seite zu gelangen. "Ich war und bin durchaus bereit, 200 000 Euro für den Ratzinger-Golf zu bieten." Ein Fernsehteam habe dies bei ihm in den Firmenräumen live mitgefilmt und könne "beweisen, dass zwischen 18.30 Uhr und dem Auktionsende 19.30 Uhr kein europäischer Bieter mehr auf die fragliche Website gekommen ist." Ebay habe vertraglich "eine störungsfreie Plattform zugesichert. Das ist nicht der Fall gewesen. Die Auktion ist damit null und nichtig", sagte Brossmann.

Ebay weist Verantwortung für Pannen zurück

Ebay Deutschland wies am Freitag jede Verantwortung für technische Pannen zurück. "Der Höchstbieter ist Golden Palace und hat sein Gebot eine Minute vor Auktionsende gültig eingestellt", betonte Unternehmenssprecher Nerses Chopurian. "Es kann passieren, dass bei Online-Auktion nicht alle zum Zuge kommen", so der Sprecher weiter. Aber: "Es hat nach unserem Wissen keinen Systemabsturz in Deutschland gegeben." Falls sich der Anbieter jedoch anders mit den Bietern und "Golden Palace" einige, könne dieser die Auktion durchaus wiederholen.

Benjamin Halbe selbst sagte in einem Interview mit dem Radiosender Bayern 3: "Nein, ich bin mehr als zufrieden". 188.938 Euro und 88 Cent hatte der Wagen eingebracht. Er habe nur kritisiert, dass nicht alle Bieter zum Zuge gekommen seien. Er weiß auch schon, was er mit dem Geld machen will: ein neues Auto kaufen. "Vielleicht einen Golf, auf jeden Fall etwas Gebrauchtes." Im Sommer plant er einen großen Urlaub, den Rest des Geldes will er auf seinem Sparkonto unterbringen.

Halbe rechnet aber auch noch mit dem Finanzamt. "Es kann sein, dass ich das versteuern muss", sagte der Zivildienstleistende. Gewinne aus Gebrauchtwagen-Verkäufen brauchen nach Auskunft des zuständigen Olper Finanzamtes aber normalerweise nicht versteuert werden. Privat-Pkw würden als "Wirtschaftsgut des täglichen Lebens", nicht als Spekulationsgeschäfte wie Immobilien- oder Wertpapierverkäufe gewertet, sagte der stellvertretende Chef der Behörde, Helmut Schnell. Es könne aber Ausnahmen geben. Grundsätzlich würden alle Fälle, in denen Gewinne bekannt würden, auf ihre steuerliche Relevanz geprüft. Daher wollte er sich noch nicht abschließend dazu äußern, ob der Papst-Golf auch für den Finanzminister ein himmlisches Geschäft war.

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