Raubkopierer-Studie Filme landen zuerst im Internet

Im Durchschnitt kann man Filme bereits fast vier Tage vor deren Kinostart aus dem Netz laden - illegal natürlich. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie. Die Zahl der Strafverfahren gegen Raubkopierer ist dagegen rückläufig.


Berlin - Raubkopierer machen der Kinobranche weiter das Leben schwer. 61 Prozent aller aktuellen Filme könnten illegal aus dem Netz heruntergeladen werden, sagte der Geschäftsführer der Zukunft Kino Marketing GmbH, Jan Oesterlin, am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung der Studie "Available for Download" (AFD). Die Filmindustrie erleide dadurch jedes Jahr einen Schaden von schätzungsweise mehreren hundert Millionen Euro. "Wir reden hier über keine Kleinigkeit", betonte Oesterlin. Die Zahl der eingeleiteten Strafverfahren gegen die Verantwortlichen war derweil nach Angaben der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) in 2006 rückläufig.

Kampagne gegen Raubkopierer: Bisher offenbar wirkungslos. Viele Filme sind online verfügbar, noch bevor sie im Kino anlaufen
DDP

Kampagne gegen Raubkopierer: Bisher offenbar wirkungslos. Viele Filme sind online verfügbar, noch bevor sie im Kino anlaufen

Der AFD-Studie zufolge sind Filme mit 50.000 oder mehr Besuchern am Eröffnungswochenende zu 93 Prozent online verfügbar, Filme mit 10.000 bis 50.000 Zuschauern zu 89 Prozent. Im Durchschnitt werden aktuelle Filme sogar 3,7 Tage vor dem offiziellen Start bereits im Internet veröffentlicht. Osterlin sagte, Dani Levys Hitler-Parodie "Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" sei 30 Tage nach dem Kinostart bereits rund 400.000 Mal illegal heruntergeladen worden.

Thriller und Animationsfilme sind zu 100 Prozent im Internet zu haben, Actionfilme zu 95 Prozent, Horrorfilme zu 92 Prozent und Komödien zu 82 Prozent. Weniger stark sind Dramen mit 52 Prozent und Dokumentarfilme mit 12 Prozent vertreten. Die häufigsten Bildquellen sind DVD-Ripps mit 43 Prozent sowie Abfilmungen aus Kinos mit 33 Prozent. Beides stammt meist aus den USA, der deutsche Ton wird in Kinos in Deutschland aufgenommen. Die Qualität der Filme ist schwankend. Oesterlin betonte jedoch: "Wer die Filme illegal und schnell sehen will, akzeptiert auch eine mindere Qualität."

Der Geschäftsführer der GVU, Roland Schäfer, sagte, zwar sei die Zahl der eingeleiteten Verfahren gegen Raubkopierer rückläufig. Dies bedeute aber nicht, dass das Problem abgenommen habe. 2006 wurden durch die Arbeit der GVU 1843 Verfahren eingeleitet, 2005 waren es 2549 gewesen. Die Zahl der Verfahren, die mit einer Verurteilung abgeschlossen wurden, sei indes um rund 20 Prozent gestiegen.

Schäfer sagte, es gelinge "großen Fischen", in der Vielzahl der Verfahren unterzutauchen. Es sei unrealistisch, "neben jeden Downloader einen Ermittler stellen zu wollen". Zum Täterprofil sagte er, diese seien in der Regel technisch hoch ausgebildet. Zudem gebe es durch "undichte Stellen" offenbar Kontakte in die Industrie. Für die Motivation der Raubkopierer habe er jedoch "keine vernünftige Erklärung". Weniger als der Gelderwerb stehe seiner Einschätzung nach der "sportliche Ehrgeiz" im Vordergrund.

Für die AFD-Studie der Firma P4M - Die InternetAgenten wurden alle 383 Kinofilme, die zwischen 1. April 2006 und 28. Februar 2007 in den deutschen Kinos liefen, untersucht. Zur Erfassung aller Raubkopien wurden sämtliche Internetforen und -portale durchforstet.

Nadine Emmerich/ddp



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