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Google Reader: Schluss mit nützlich

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Reader-Einstellung Google macht sich unbeliebt

Hunderttausende nutzen den Google Reader - das Unternehmen begräbt den nützlichen Dienst trotzdem. Nun gibt es Petitionen, alternative Dienste bringen sich in Stellung. Suchkonzern Google bringt mit weiteren Entscheidungen Nutzer gegen sich auf.

Sag, wie hältst Du es mit dem offenen Web? Weil Google beschlossen hat, seinen RSS-Reader zu schließen, steht der Suchkonzern nun in der Kritik.

Der Google Reader ist ein Webdienst, mit dem sich Websites abonnieren lassen. Erscheinen auf den abonnierten Seiten neue Artikel, landen die im Reader. Das sieht so ähnlich aus wie ein E-Mail-Programm und funktioniert mit Hilfe des Datenformats RSS: Die Betreiber von Websites können bestimmen, ob sie ganze Einträge oder nur kurze Anrisse über RSS verbreiten.

Statt den offenen RSS-Standard weiterhin zu nutzen, setzt Google nun offenbar auf eigene, geschlossene Angebote wie Google+ oder seine Nachrichtenapp Google Currents. Womöglich sieht Google bei diesen neuen Diensten mehr Potential - loyale Anhänger hat aber vor allem der Reader. Die müsse sich nun Alternativen suchen.

Neben Kritik wird auch die Hoffnung geäußert, dass es nach dem Aus des praktischen Google-Tools nun zu einer Renaissance von RSS-Diensten kommen könnte. Die Reader-Nachrichten im Überblick:

Petition für den Reader-Erhalt: Auf der Kampagnen-Plattform change.org wird für den Erhalt der East Side Gallery getrommelt, für ZDFkultur und E-Zigaretten - und den Google Reader. Mehrere Petitionen gibt es auf der Seite, die größte hat bereits mehr als 125.000 Unterstützer . Viel Hoffnung gibt es allerdings nicht: Google weiß sehr genau, wie viele Nutzer der Dienst hat - und hat sich gerade deswegen entschlossen, den Stecker zu ziehen.

Mehr als 500.000 neue Nutzer: Die Reader-Alternative Feedly meldet nun  einen Besucheransturm. Wir haben Feedly bereits vorgestellt, unser Fazit: "Für die breite Masse der Reader-Nutzer die am einfachsten zu bedienende Alternative. Man braucht keinen Webspace, muss aber darauf hoffen, dass die Entwickler mit ihrem Kostenlos-Geschäftsmodell durchhalten."

Mehr Besucher über Google Reader als über Google+: Die erfolgreiche Katzen- und Nachrichtenseite "BuzzFeed" hat sich angeschaut , wie viele Nutzer über Links auf Google Reader auf Seiten des Netzwerks kommen - und wie viele über das soziale Netzwerk Google+. Das Ergebnis: kaum grafisch darstellbar. Über Google+ kommt kaum jemand, über den Google Reader im vergangenen Monat 25 Millionen Besucher.

Google stellt auch Kalender-Schnittstelle ein: Neuen Unmut gibt es für eine weitere Entscheidung des Suchkonzerns. Bisher können Entwickler über den offenen Standard CalDAV auf den Google Calender zugreifen. Künftig soll das nur noch in angemeldeten Ausnahmefällen möglich sein - stattdessen sollen Entwickler eine von Google entwickelte Schnittstelle nutzen .

Chatte nicht mit Fremden: Für seinen Chatdienst Google Talk setzt Google auf den offenen Standard Jabber. Das heißt, das auch Nutzer anderer Jabber-Dienste mit Google-Nutzern chatten konnten. Doch nun hat Google offenbar die Einladungsfunktion abgestellt, mit der Nutzer anderer Jabber-Dienste Google-Nutzer zum Chatten einladen können. Mit dem nicht weiter angekündigten Schritt will Google Spam bekämpfen - die "Free Software Foundation" fordert nun, diese Änderung zurückzunehmen .

Digg will eigenen Reader bauen: Die Nachrichtenseite Digg war einst wichtige Anlaufstellte für Netz-News. Die Seite dümpelte dahin, bis sie im vergangenen Sommer von der Firma Betaworks aufgekauft und renoviert wurde. Nun wittern die neuen Betreiber eine Chance: Sie wollen den Google Reader nachbauen - und noch besser machen. Erfahrung bringt Betaworks mit: Die Firma hat mit News.me einen Nachrichtenaggregator entwickelt, der den eigenen Twitterfeed nach Nachrichten abgrast und häufig genannte Artikel verlinkt.

RSS-Erfinder nicht traurig: Dave Winer, maßgeblicher Entwickler des RSS-Standards, weint dem Google Reader keine Träne nach. "Ich werde ihn nicht vermissen. Habe das verdammte Ding nie benutzt", zitiert ihn "PCMag" . Und er rät allen Nutzern: Für nützliche Dienste, auf die man sich verlassen können will, sollte man einen fairen Preis zahlen.

Ein Countdown  zählt die verbleibende Zeit herunter: Noch 104 Tage gibt es den Google Reader.