Reaktionen auf Merger Blogger spotten über "Microhoo"

Die geplante Übernahme von Yahoo durch Microsoft stößt in der Blogosphäre auf Skepsis. Die Geschäftsfelder würden sich zu stark überlappen, heißt es, auch wenn der Merger durchaus Vorteile habe. Mit einer ernsthaften Konkurrenz für Google rechnet kaum jemand.


Die Aktienhändler waren von der Nachricht entzückt: Microsoft will Yahoo schlucken, sofort stiegen die Yahoo-Werte. Blogger zeigten sich von der möglicherweise stattfindenden Fusion der zwei Internetgiganten freilich weniger begeistert - und zwar nicht allein deshalb, weil Microsoft in der Blogospäre nicht gerade den besten Ruf hat.

Microsoft habe eine lange Historie von Akquisitionen, schreibt Long Zheng unter der Überschrift "Microsoft + Yahoo = Big Mess?". Es gebe seines Wissens aber nur wenige Übernahmen, die tatsächlich zu einem Erfolg geworden wären. Zheng zeigt in seinem Blog eine Tabelle aller möglichen Produkte und Dienste, die die beiden Unternehmen nun zusammenführen könnten. "Das ist eine verblüffende Zahl von Überlappungen", schreibt er. In der Tat würde sich Microsoft eine Menge Sachen kaufen, die es bereits hat, sieht man einmal vom Fotoblogportal Flickr ab.

Man solle sich nur einmal vorstellen, so Zheng, man müsse entscheiden, welcher Dienst von Yahoo künftig eingestellt, weitergeführt oder mit einem Microsoft-Angebot zusammengeführt werde. "Ich denke, da werden sich die Entwickler einige Nächte lang die Köpfe zerbrechen müssen." Es gehe schließlich darum, zwei monolithische Systeme zusammenzubringen. Zhengs abschließender Wunsch: "Was auch immer sie machen, sie sollten bloß nicht Flickr ruinieren".

Whitney Hoffman schreibt im Blog "Parent’s Eye View", Microsoft und Yahoo zusammen gingen Dinge vielleicht unterschiedlich an. Aber was die bisherigen Firmenkulturen angehe, rechnet er mit Mittelmaß und "mehr des gleichen" statt neuen Ideen. "Gut-genug-Produkte, aber nichts, das überrascht oder begeistert", fürchtet Hoffman.

"In den Augen der meisten Anwender kommen von Microsoft und Yahoo nur zweitklassige Produkte", schreibt Martin Gordon in seinem Blog. Im Internet seien MSN und die Microsoft-Web-2.0-Plattform Spaces im Verhältnis zu Yahoo das, was Yahoo zu Google sei. "Aus der Perspektive des Wettbewerbs erscheint mir der Deal sinnvoll", erklärt Gordon, "aber gilt das auch intern?" Könne man zwei derartige Internetgiganten zu einer starken Einheit zusammenführen? "Oder werden die internen Dinge sie so sehr ablenken, dass Google sich noch weiter von Microhoo absetzt?"

Wenig Verständnis für die Übernahme zeigt auch James Robertson. Er sieht unter anderem einen Konflikt der Firmenkulturen. "Wird Microsoft alle möglichen Yahoo-Dienste auf Microsoft-Technologie umstellen?", fragt er. Alles, was bisher unter Linux laufe, müsse dann für viel Geld konvertiert werden. "Ich habe eine bessere Idee für Microsoft", erklärt Robertson: "Feuert alle Leute, die die Idee hatten, Yahoo zu übernehmen". Die Abfindungen würden das Unternehmen weniger Geld kosten als weitere schlechte Ideen dieser Menschen.

hda



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