Rekord-Cyber-Angriff Hacker attackieren Dutzende Regierungen und Firmen

Laut Anti-Virus-Firma McAfee ist es die bisher größte bekannte Serie von Cyber-Angriffen: Hacker sollen über Jahre in die Datenbanken von insgesamt 72 Regierungen, Firmen und Organisationen eingedrungen sein - darunter die USA, Indien, Kanada und die Uno. Der Angreifer soll ein Staat sein.
Kontrollzentrum gegen Cyber-Angriffe (beim US-Konzern Lockheed Martin): Verdacht fällt auf China

Kontrollzentrum gegen Cyber-Angriffe (beim US-Konzern Lockheed Martin): Verdacht fällt auf China

Foto: Reuters

Boston - Wenn alles so stimmt, wie es die Virus-Jäger von McAfee mitteilen, dann war es eine Angriffswelle im großen Stil, durchgeführt über mehrere Jahre: Hacker haben nach Angaben des US-Software-Unternehmens sensible Daten von 72 Regierungen, Organisationen und Firmen erbeutet.

Betroffen seien unter anderem die Regierungen der USA, von Taiwan, Indien, Südkorea und Vietnam sowie der Verband Südostasiatischer Nationen (Asean), die Vereinten Nationen und das Internationale Olympische Komitee. Auch ein Ziel in Deutschland soll ausgespäht worden sein. Zu den Opfern würden außerdem Hightech-Unternehmen zählen, darunter auch Rüstungsunternehmen. So heißt es in einem 14-seitigen Bericht , den McAfee am Mittwoch vorlegte. Identifizieren wollte McAfee die betroffenen Organisationen in den meisten Fällen allerdings nicht.

"Der Angriff ist nicht neu", teilte McAfee mit. Die meisten der betroffenen Rechnernetze seien von den Schadprogrammen, die eine Hintertür für die Hacker bereitstellten, längst befreit worden. Es sei aber unklar, ob dabei einfach nur die Infektion beseitigt wurde oder überprüft wurde, welche Daten wohin kopiert werden konnten.

Die Angriffe erfolgten McAfee zufolge in den vergangenen fünf Jahren, das Software-Unternehmen entdeckte die Hackerkampagne im März. Die Hacker hätten für die sogenannte Operation Shady RAT immer wieder dieselben Server verwendet. Hunderte sollen es sein, gesteuert offenbar über einen Rechner in einem westlichen Land. Auf diesem habe man Log-Dateien gefunden, mit denen sich die Angriffe bis 2006 zurückverfolgen ließen.

Im Fall der Vereinten Nationen drangen die Hacker in das Computersystem des Büros in Genf ein - es ist nach New York der zweite Hauptsitz der Vereinten Nationen. McAfee zufolge erfolgte die Attacke in Genf schon im Jahr 2008. Offenbar stöberten die Angreifer zwei Jahre lang unbemerkt in den Daten der Uno. Zu den Opfern gehören offenbar auch die Büros der Nachrichtenagentur Associated Press in New York und Hongkong. Das berichtet die "Washington Post" .

Wer hinter dem illegalen Zugriff auf sensible Daten steckt, teilte die Firma nicht mit. Es sei aber davon auszugehen, dass es sich um ein Land handele. Aus Sicherheitskreisen der Firma verlautete, die Beweise deuteten auf China hin.

hen/ore/Reuters
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