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Relaunch Leckerer, junger, witziger Spam

Fleisch in Dosen erfreute sich in Zeiten ohne Kühlschrank und Supermarkt großer Beliebtheit - seitdem kann man das so nicht mehr sagen. Allein "Spam", die archetypische blechverpackte Fleischpampe, feiert im Kielwasser ihres eigenen Namensmissbrauchs Erfolge: Das Zeug gilt als cool.

Ist Spam lecker?

Eine objektive Antwort auf eine solche Frage kann es nicht geben: sowas ist Geschmackssache. Die Gäste, die Bedienung und die Wikinger in Monty Pythons lengendärem "Spam"-Sketch von 1970 jedenfalls waren hundertprozentig davon überzeugt. "Lovely spam! Wonderful spam!", sangen darin die Wikinger als Kommunikationskiller, "Spam spa-a-a-a-a-am spam spa-a-a-a-a-am spam. Lovely spam! Lovely spam! Lovely spam! Lovely spam! Lovely spam! Spam spam spam spam!"

Die Verulkung des Dosenfleisches machte den Markennamen zum geflügelten Wort. Später diente er darum für das Phänomen massenhafter unerwünschter Postings im Usenet, die die Kommunikation erschwerten - und schließlich als Bezeichnung für die Internet-Geißel der Werbemüll-Welle.

Mehrere Jahre hatte Hormel Foods, der US-Hersteller der fleischigen Blöcke, mit dem so entstandenen Negativ-Image mächtig zu kämpfen. Dann aber stiegen die Verkaufszahlen von T-Shirts mit Spam-Dosen-Aufdrucken - und schließlich auch wieder der Absatz der Fleischdosen.

Auch in Großbritannien entwickelt sich der Spam-Markterfolg gegen jeden Trend. Während generell der Absatz von Dosenfleisch sinkt, stieg er bei Spam im letzten Jahr um fette 9,7 Prozent.

Hormel greift die Gelegenheit beim Schopf und begann in dieser Woche mit einer auf fünf Wochen angelegten TV-Werbekampagne, die sich der Konzern satte zwei Millionen Pfund kosten ließ. Ziel ist es, das in Dänemark verhackstückte Blockfleisch der US-Marke als originär englisches Produkt in den Köpfen der Briten zu verankern.

Für Hormel ist das ein "Relaunch" der Marke, der die haltbaren Mahlzeiten weg vom "Oma-hat-da-noch-was-im-Schrank" hin zu einem frischeren, jugendlichen Image führen soll.

Hormel setzt darauf, dass der kräftige Retrotrend, der auch in Deutschland Marken wie "Creme 21" wieder aus der Versenkung auftauchen ließ, sich für die Wiederbelebung des Fleischklotz-Absatzes nutzen lässt.

"Mit der neuen Werbekampagne wollen wir Konsumenten, die uns lange nicht gekauft haben, an den delikaten Geschmack von Spam erinnern und die Aufmerksamkeit neuer Konsumenten erregen", erklärt Marianne Pollock von Spam. "Die Werbung feiert alle möglichen typisch britischen Dinge vom Camping bis hin zur weihnachtlichen Pantomime."

Allein Monty Python, Keimzelle von Krise wie Ruhm der Dosenmarke, fehlt im Aufgebot, obwohl die Komikertruppe doch letztlich die ideale Werbebotschaft vorgelegt hatte: "Lovely spam! Lovely spam! Spam spam spam spam!"

Frank Patalong

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