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28. September 2011, 18:29 Uhr

Relaunch von StudiVZ

Mehr auf sich selbst schauen

Bringt ein Relaunch die Rettung? Ein Klick soll genügen, damit sich die VZ-Netzwerke in neuem Gewand präsentieren. Doch es bleibt die Frage, wie viele Menschen das überhaupt noch mitbekommen. Viele Nutzer sind mittlerweile zu Facebook abgewandert.

Hamburg - Es ist eine der aufregenderen Nächte in der Geschichte der VZ-Netzwerke: In den Navigationsleisten der Mitglieder soll in den nächsten Stunden ein Button auftauchen, der per Klick zu überarbeiteten Versionen von SchülerVZ, MeinVZ oder StudiVZ führt. Ein Link in die Zukunft der zuletzt oft totgesagten Plattformen. Aber wie viele Menschen bekommen den Relaunch überhaupt noch mit?

Besonders wegen Facebook hat das Chatten und Gruscheln für viele Nutzer in den vergangenen Monaten an Reiz verloren. Schließlich ist die Kommunikation dort am spannendsten, wo die meisten Freunde und Bekannten erreichbar sind. Und das dürfte in der Regel auf Facebook der Fall sein, der Plattform, die außer mit 20 Millionen aktiven deutschen Nutzern auch mit Internationalität punkten kann.

Die drei VZ-Netzwerke, einst deutscher Marktführer, schmücken sich zwar immer noch mit 16 Millionen Nutzern - von denen sind allerdings nur 9,8 Millionen aktiv. Die Verzeichnisse bestehen also zu einem Drittel aus Karteileichen. So ist der VZ-Relaunch einerseits ein Versuch, passive Mitglieder wachzurütteln, anderseits soll er verhindern, dass noch mehr Menschen zu Konkurrenzplattformen abwandern - mittlerweile gibt es ja zum Beispiel auch Google+.

Darüber, dass eine Rückkehr zur alten Marktposition fast unmöglich ist, scheint man sich bei den VZ-Netzwerken im Klaren zu sein. "Alle unsere Nutzer sind bei Facebook", wird VZ-Geschäftsführer Clemens Riedl etwa auf Netzwertig.com zitiert. Im Gespräch mit dem Blog BasicThinking sagt er: "Wir glauben nicht, dass die Nutzer von Facebook zurückkommen. Wir müssen uns auf die konzentrieren, die noch da sind." Das erinnert an Fußballtrainer, die verkünden, man müsse jetzt auf sich selbst schauen - und nicht auf die davoneilende Konkurrenz.

Neue Farben und Namen für die Gruppen

Man darf gespannt sein, wie die verbliebenen Mitglieder auf den Relaunch reagieren. Denn die Neuerungen in den VZ-Netzwerken sind zwar optisch auffällig, aber inhaltlich nur selten grundlegend. So wird im SchülerVZ die Farbe Pink durch Blaugrün ersetzt. Das klingt nur bedingt nach Revolution. Eine weitere Änderung: MeinVZ heißt jetzt FreundeVZ.

Immerhin wird es auf allen drei Plattformen neue Funktionen geben, StudiVZ bekommt zum Beispiel "Meine Lehrveranstaltung", MeinVZ/FreundeVZ "Mein Nachtleben" und SchülerVZ "Meine Klasse", geschützte Bereiche, in denen man Partys planen kann oder Hausaufgaben tauschen. Die "Gruppen" heißen nun "Themen".

Die neuen Netzwerkvarianten werden als Testversionen bezeichnet, der Probelauf für optische wie inhaltliche Änderungen soll sechs bis neun Monate dauern. Mittels eines Fünf-Sterne-Systems haben Nutzer die Möglichkeit, alle Änderungen zu bewerten. Man wolle mit den Nutzern ein konsequent auf ihre Bedürfnisse ausgerichtetes Angebot entwickeln, sagt VZ-Chef Riedl.

Zu diesem Statement passt die Ankündigung, dass die neuen und alten Versionen des Netzwerkes bis Mitte 2012 parallel laufen sollen. Bis dahin kann also jedes Mitglied die Version benutzen, die ihm besser gefällt. So ist zumindest sichergestellt, dass das neue Design keine neuen Austrittswellen auslöst.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es fälschlich, in ihrer Pressemitteilung hätten die VZ-Netzwerke hervorgehoben, dass "in diversen VZ-Gruppen" die Farbe Pink durch Blaugrün ersetzt wurde. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

mbö

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