Kritik an GroKo und AfD YouTube-Stars unterstützen Rezo mit weiterem Video

Gut 90 bekannte deutsche YouTuber raten ihren Fans in einem neuen Video, bei der Europawahl weder für die Union, noch für SPD oder AfD zu stimmen. Der Clip hat innerhalb von Minuten Hunderttausende erreicht.

YouTuberin Anni the Duck
Youtube

YouTuberin Anni the Duck


Der YouTuber Rezo legt nach - zusammen mit vielen anderen deutschen Netzberühmtheiten. Am Freitag um 15 Uhr veröffentlichten sie ein gemeinsames Statement auf der Videoplattform, in dem sie ihren Fans nahelegen, am Sonntag an der Europawahl teilzunehmen. Ihr Rat lautet: "Wählt nicht die CDU/CSU, wählt nicht die SPD. Und wählt schon gar nicht die AfD."

Die gewaltige Reichweite der YouTuber sorgt dafür, dass das zweieinhalbminütige Video nach nur einer Stunde schon etwa 250.000 Aufrufe und mehr als 7500 Kommentare verzeichnet.

Die YouTuber, unter ihnen viele der bekanntesten des Landes, wie etwa LeFloid, DagiBee und Julien Bam, kritisieren die Koalitionsparteien für ihre "drastisch falsche" Klimapolitik und die AfD für die Leugnung des menschengemachten Klimawandels: "Die potenzielle Zerstörung des Planeten" habe "die höchste Priorität. Jedes andere Thema muss sich hinten anstellen." Das Video lässt sich auch als Verlängerung der "Fridays for Future"-Demonstrationen ins Internet verstehen.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sieht der erneuten Kritik gelassen entgegen. "Es ist eine Meinungsäußerung in den letzten Tagen des Wahlkampfes wie andere Meinungsäußerungen auch", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben unsere Dinge zum Klimaschutz gesagt." In einem Antwortschreiben hatte die CDU auf die verschiedenen Kritikpunkte von Rezo geantwortet.

"Ich sage ganz klar: Ob auf YouTube oder sonstwo - wir alle wollen die Klimaschutzziele einhalten", sagte Kramp-Karrenbauer. Gleichzeitig wolle die Union Arbeitsplätze erhalten und schaffen und sozial ausgewogen sein. "Wir sind auch überzeugt, dass das alles zusammengeht. Dafür kämpfen wir."

Webstars bemängeln fehlenden Willen der Parteien

Die YouTuber forderten in ihrem Video, wer "wie die aktuelle Regierung" nicht nach dem wissenschaftlichen Konsens zur Erderwärmung und ihren Folgen handele, habe "nichts in der Führung eines aufgeklärten Landes zu suchen." Unerwähnt bleibt dabei, dass es bei den Europawahlen nicht um die Führung eines Landes, sondern um die Zusammensetzung des Europaparlaments und nachfolgend der EU-Kommission geht.

Stimmenfang #99 - Europawahl: So funktioniert's und das ist wirklich wichtig

Mit ihrem als "offenen Brief" bezeichneten Aufruf wollen die Videomacher "dafür sorgen, dass Parteien einen Anreiz haben, im Sinne der Wissenschaft zu handeln. Und der offensichtliche Anreiz, den wir schaffen können, ist, dass sie bei den Wahlen Stimmen verlieren. Denn nur dann hätten sie einen Grund, ihr Verhalten zu verändern".

Die Webstars bemängeln den fehlenden Willen der Parteien, sich inhaltlich mit ihnen auseinanderzusetzen: "Natürlich habt ihr jetzt die Möglichkeit, uns wieder zu diskreditieren. Ihr könnt uns vorwerfen, dass wir ja sowieso keinen Plan haben, wovon wir reden. Dass wir lügen. Dass wir an Fake-Kampagnen teilnehmen. Instrumentalisiert sind. Dass wir gekauft und bezahlt sind und so weiter." Das hätten Politiker schließlich alles schon behauptet, heißt es - in der Reaktion auf Rezos vorheriges Video "Die Zerstörung der CDU" sowie zuvor in der Debatte über die EU-Urheberrechtsreform.

Hinweis: Das Video war zunächst von mehr als 70 YouTubern unterstützt worden, mittlerweile - Stand: Samstag - sind es mehr als 90. Die Zahl der Abrufe liegt bei knapp zwei Millionen. Der Artikel wurde entsprechend aktualisiert.

pbe/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 576 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
götzvonberlichingen_2 24.05.2019
1. Wahlalter
...und genau deswegen will die Union das Wahlalter auf keinen Fall senken. Es sind einfach zu viele politikinteressierte Jugendliche da draußen, die nicht CDU/CSU wählen würden.
Phleon 24.05.2019
2.
Diese jungen Menschen haben meine vollste Solidarität.
Phil2302 24.05.2019
3. Schwierig
Ich kann den Aufruf schon verstehen, sehe aber keinen Grund, die anderen Parteien von der Kritik auszuschließen. Die Grünen haben einfach absolut keine Kompetenz, was den Klimawandel angeht (wer wollte denn aus der Atomkraft raus? Wer möchte einfach Autos in Städten verbieten (Berlin), und denkt absolut gar nicht über die Folgen nach?) und die Linke sind seltsamerweise immer bei den Leuten beliebt, die ihr Leben noch nicht gearbeitet haben. Kaum haben die Leute nämlich ein MINT Fach studiert und fangen an zu arbeiten, merken sie, dass sie die Positionen der Linken gar nicht mehr teilen. Habe ich bei vielen Freunden nach dem Studium erlebt. Bleibt die FDP. Da kann man genauso viele Punkte finden wenn man will. Letztlich wählt man ja nicht die Partei, die man am besten findet, sondern die, die am wenigsten schlecht ist. Ach ja: "Die Partei" kann ich nach ihrem Wahlwerbespot auch nicht empfehlen. Ein bisschen Freund von Recht und Ordnung bin ich dann doch.
SenYek 24.05.2019
4. Bitte nicht die Kernaussage von Rezo aus den Augen verlieren!
Das Rezo-Video kann man nach meiner Einschätzung an vielen Stellen berechtigt kritisieren. Aber man sollte das Augenmerk auf die Schlüsselaussage richten: Die ERGEBNISSE der Politik der herrschenden Parteien in den letzten 30 Jahren werden von den Wissenschaft einheitlich vernichtend beurteilt: "Nicht ausreichend, um die Klimakatastrophe zu verhindern". Da kann man noch so viel von "Diskussionskultur" und "sozial abgefedert" und "demokratischer Prozess" sprechen. Fakt ist: Das Klima (=der Planet) geht kaputt, und unsere Regierung unternimmt nicht genug, um das zu verhindern. Mehr ist nicht zu sagen
cofrap 24.05.2019
5. Die Generation Internet wacht auf....
Und sie merken das sie Einfluss haben. Und das ist gut, wir, also ich und meine Generation, wir haben versagt. Das ist so einfach wie beschämend. Es wird Zeit das wir uns das eingestehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.