Rob Glaser, RealNetworks "Wir beweisen, dass Pay-Content funktioniert"

2. Teil: Als Online-Musik-Vertriebsplattform gewinnt Real an Wichtigkeit, doch im Stammmarkt der Player-Software fährt Microsoft zunehmend die Krallen aus. Glaser weicht kreativ aus - und plant schon Real-Mobildienste. Weiter…


Glaser: "Microsoft ist kein Problem"

Glaser: "Microsoft ist kein Problem"

SPIEGEL ONLINE: Sie unterhalten für den "SuperPass" in den USA verschiedene Partnerschaften mit Inhalteanbietern wie CNN, ABC oder dem Fox SportsNet. Verhandeln Sie in Deutschland über ähnliche Kooperationen?

Glaser: Wir sprechen mit vielen potenziellen Partnern, natürlich auch in Deutschland. So finden wir heraus, welche Programme und Services dort Sinn machen. In den nächsten Monaten sehen wir da einige Fortschritte.

SPIEGEL ONLINE: Vor allem die Sportübertragungen gelten als Erfolgsrezept des "SuperPass". Wann werden Sie internationale Top-Events wie die Olympiade oder die Fußball-WM im Online-Programm haben?

Glaser: Von Prestige-Gesichtspunkten aus wäre es klasse, solche Ereignisse online übertragen zu können. Unsere Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass die Leute auf tagesaktueller Basis die Sportarten bevorzugen, die in ihrem eigenen Land stattfinden und deren Stars sie kennen. Außerdem gibt es Probleme wegen der internationalen Verwertungsrechte.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Anfang des Jahres Partnerschaften mit verschiedenen Mobilfunkunternehmen geschlossen. Wann wird es denn nun möglich sein, unterwegs online Radio zu hören oder Videos anzuschauen?

Glaser: Ich denke, wir sehen hier dieselbe Entwicklung wie beim PC. Mitte der neunziger Jahre sind wir mit Voice-Audio gestartet, dann haben wir Musik online übertragen, später Videos. Es gab einen ziemlich großen Hype um die Mobilfunkdienste der dritten Generation. Da mittlerweile aber klar ist, dass die Einführung von 3G noch eine Weile dauert, wird es zunächst wohl noch verschiedene interessante "2,5G"-Services geben. Mit GPRS kann man bereits Audiofiles in annehmbarer Qualität empfangen. Und immer mehr mobile Geräte werden mit RealPlayern ausgestattet, so etwa auch Handys von Nokia. Im kommenden Jahr werden weitere mobile "Gadgets" mit Media-Playern auf den Markt kommen. Gleichzeitig werden ja auch die Netzwerke stark aufgerüstet - bis dann UMTS Videoübertragungen möglich machen wird.

SPIEGEL ONLINE: Sie pflegen auch eine Kooperation mit Sony - der RealPlayer soll auch auf die PlayStation 2. Schmieden Sie noch weitere Allianzen und wird es andere Unterhaltungselektronik-Geräte, man denke etwa an TV-Set-top-Boxen, mit Real-Software geben?

Glaser: Mit Sicherheit. Aus diesem Grund haben wir auch die Open-Source-Initiative mit unserer Serversoftware Helix gestartet. Sehr viele Firmen haben Interesse an der Technologie bekundet, deshalb stellen wir den Entwicklern demnächst Teile des Quellcodes zur Verfügung.

SPIEGEL ONLINE: Der neue RealPlayer kann erstmals auch Windows Media-Files abspielen. Wie reagierte denn Ihr einstiger Arbeitgeber Microsoft auf diese "feindliche Integration"?

Glaser: Die haben sich gar nicht gerührt. Ich denke, es gibt da kein Problem.

SPIEGEL ONLINE: Droht nicht aber dennoch das übermächtige Gates-Imperium Ihren RealPlayer im "Media-Player-Krieg" mit dem Windows Media Player vom Markt zu drücken, wie das einst bei Netscape im viel zitierten "Browser War" der Fall war?

Glaser: Die Leute fragen mich das seit acht Jahren. Und wir hatten früher darauf stets eine Antwort: Der ganze Content da draußen ist nur in unserem Format verfügbar. Nach wie vor ist es so, dass es viel mehr Inhalte im Real-Format gibt als in anderen Formaten - einschließlich dem von Microsoft. Mit dem RealOne Player 2.0, der als einzige Software alle Medienformate abspielen kann, liefern wir nun die zweite Antwort auf die Frage.
Außerdem erzählt Microsoft den Gerichten ja schon seit Jahren, dass die Bemühungen in diesem Bereich nicht mehr sind als Erweiterungen des Betriebssystems. Entsprechend nehmen wir die Redmonder da beim Wort.

SPIEGEL ONLINE: Wie sieht denn Ihre wirtschaftliche Situation aus? Sie sagten Anfang des Jahres, "das Schlimmste" wäre vorbei, mussten im August aber dennoch zehn Prozent Ihrer Belegschaft entlassen. Das Servergeschäft gilt Analysten zufolge als ziemlich schwach...

Glaser: Das Content-Geschäft dagegen läuft besser als erwartet. Die Situation auf dem Telekommunikations- und Internet-Markt ist in den USA derzeit genauso problematisch wie in Europa. Dabei ist die Entwicklung schon ziemlich grotesk: Die Online-Mediennutzung nimmt stetig zu, noch nie hatten wir so viele Breitband-Anschlüssen, und es gibt mehr Content denn je zuvor. Mit den Entlassungen haben wir schließlich Maßnahmen ergriffen, um unser Geschäft neu zu organisieren und uns für die Zukunft zu rüsten.

Die Fragen stellte Jochen A. Siegle, San Francisco

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