Rob Glaser, RealNetworks "Wir beweisen, dass Pay-Content funktioniert"

P2P, Piraterie, Pay-Content und neue Player: Rob Glaser, Chef von Real, hat Antworten auf aktuelle Fragen. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt der Streaming-Pionier, wie er künftig auf dem vielleicht heftigst umkämpften Web-Markt überleben will.


Rob Glaser: Will Real vom Player-Entwickler zum Content-Distributor machen

Rob Glaser: Will Real vom Player-Entwickler zum Content-Distributor machen

SPIEGEL ONLINE:

285 Millionen Menschen weltweit nutzen den RealPlayer, um Multimedia-Dateien zu streamen, Web-Radio zu hören, Online-Videos anzuschauen oder einfach am Rechner CDs abzuspielen. Heute startet nun die neueste Version in deutscher Sprache. Was ist daran neu?

Rob Glaser: Im Vergleich zu den Vorgängern ist die Version 2.0 geradezu eine dramatische Transformation. Mit dem neuen RealOne Player präsentieren wir erstmals ein Programm, das jedes digitale Medienformat verarbeiten kann. Außerdem lassen sich nun auch DVDs abspielen und CDs brennen. Und dieser Grad an Integration ist ein entscheidender Schritt nach vorne.

SPIEGEL ONLINE: Warum starten Sie bei der Gelegenheit nicht auch den Online-Musikservice "MusicPass" oder den in den USA ja recht erfolgreichen "SuperPass"-Mediendienst in Deutschland?

Glaser: Da der neue Player mit all seinen Features einen so großen Sprung bedeutet, haben wir uns entschieden, ihn allein zu launchen. Zudem arbeiten wir nach wie vor intensiv mit der Musikindustrie zusammen, um noch mehr Online-Rechte für Musiktitel zu sichern.

SPIEGEL ONLINE: Was ein ziemlich mühseliges Unterfangen ist ...

Glaser: Ja, aber wir machen Fortschritte mit dem MusicNet-Joint-Venture. Sobald wir auch in Deutschland und anderen Ländern genügend Content anbieten können, starten wir auch dort Premium-Dienste.

SPIEGEL ONLINE: Also, wann geht's los in Deutschland?

Glaser: Aller Voraussicht nach in den nächsten Monaten. Wir bieten ja aber auch jetzt schon diversen Content über unsere deutsche Seite an.

SPIEGEL ONLINE: Aufgrund der so lückenhaften Titelkataloge und verschiedener technischer Restriktionen konnte sich die Online-Gemeinde bislang kaum für die Abo-Musikportale begeistern.

Glaser: Die Musikindustrie hat bislang leider keinen so erfolgreichen Weg eingeschlagen wie etwa die Nachrichten-, Sport- oder Radiobranche, um die Internet-Nutzer von ihren Diensten zu überzeugen.

SPIEGEL ONLINE: Die P2P-Tauschbörsen haben da weniger Probleme: Dort sind praktisch alle Songs kostenlos zu finden und die Musikstücke können problemlos auf CD gebrannt und auf portable Digi-Abspielgeräte geladen werden.

Glaser: Es ist uns noch nicht gelungen, den Konsumenten begreiflich zu machen, dass es bei uns ein besseres Produkt gibt als das, das man im Netz stehlen kann. Wir arbeiten daher weiter daran, das Unterhaltungserlebnis auszubauen - auch bezüglich der CD-Brennmöglichkeiten und der Portabilität auf mobile Geräte. Wir müssen einfach bequemer, verlässlicher und besser organisiert sein als die Piraten-Netzwerke.

SPIEGEL ONLINE: Reicht das im Kampf gegen die Millionen von P2P-Pop-Piraten?

Glaser: Der juristische Kampf gegen die Raubkopie-Netzwerke ist natürlich ebenfalls sehr wichtig. Die Unterhaltungsindustrie hat Napster in die Knie gezwungen und wird nun keine Ruhe geben, bis auch Services wie KaZaa oder Morpheus offline sind. Obwohl die Labels nachweisen können, dass diese Angebote illegal sind, wird das jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Daher muss nun unbedingt die kommerziell verfügbare Content-Palette erweitert werden.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange wird es wohl noch dauern, bis die Plattenfirmen im Netz dieselbe Titelfülle bereitstellen wie die Piratendienste?

Glaser: Die Gespräche verlaufen positiv. Ich bin daher optimistisch, dass wir dieses Level im kommenden Jahr erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Studien zufolge nimmt zudem die Akzeptanz von Pay-Content zu.

Glaser: Ja, das ist sehr positiv und zeigt, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Das liegt insbesondere auch an der steigenden Zahl der Breitband-Surfer, denn die verbringen gut zweimal so viel Zeit bei kostenpflichtigen Angeboten als Web-User mit langsameren Anbindungen. Und daraus ergibt sich ein positiver Kreislauf: Die Bandbreiten wachsen, gleichzeitig ist mehr Content verfügbar und immer mehr Konsumenten akzeptieren Pay-Angebote. Unser "SuperPass" beweist ja mit einem Content-Mix aus Musik, News, Sportübertragungen und verschiedenen TV-Formaten, dass kommerzielle Dienste funktionieren können. Wir zählen mittlerweile 750.000 Abonnenten.



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