Roboter-Ausstellung Tokio Zwischen Trash und Hightech

Der prestigebewusste Japaner, sagt man, schätzt bunte Karpfen und Roboter. Bei der International Robot Exhibition in Tokio gibt es neben Mikro-Hubschraubern, künstlichen Frauen und tanzenden Robotern auch kybernetische Karpfen. Was will man mehr?

Besonders motiviert guckt Actroid heute nicht aus der Wäsche, und das obwohl ihr heute die Weltpresse die Aufwartung macht. Sie blinzelt in die Kamera, lächelt und zeigt, was sie an Mimik drauf hat, während ein PR-Agent den Presseleuten diktiert, der weibliche Robot Actroid sei "die Zukunft", eine "elektronische Schauspielerin".

Das kommt drauf an, wo man sie einsetzt: Für ein "Aktenzeichen XY ungelöst" der guten alten Ede-Zimmermann-Zeit würde es wohl jetzt schon reichen, als Klitschko-Ersatz in der Milchschnitten-Werbung vielleicht auch, aber einen Oscar wird Actroid so schnell nicht gewinnen.

Aber darum geht es ja auch nicht. Alle zwei Jahre laufen die Entwickler von Robotern jeder Couleur in Tokio auf, um sie auf der International Robot Exhibition zu präsentieren. Eine bessere Bühne gibt es nicht, ein besseres Publikum für so ein Event ebensowenig: Die Japaner gelten als Technik-affin und Robot-verrückt. Dass digital beseelte Hunde und erste humanoide "Diener" aus Nippon kommen und hier einen ersten Markt finden, ist kein Zufall.

Die Robot Exhibition ist das Schaulaufen der Entwickler, die hier nach öffentlicher Aufmerksamkeit und oft auch nach Investoren suchen. Actroid wird so schnell keine Rolle bekommen, aber sie ist ein humanoider Roboter mit Mimik, immerhin. Die kybernetischen Karpfen im Fischtank im Foyer sind hübsch anzusehen, stellen ansonsten die Robustheit ihrer Technik unter Beweis. Die neueste Generation der humanoiden Roboter von Sony tanzt, bringt das Publikum zum Johlen - und demonstriert dabei den technischen Fortschritt bei der Entwicklung von digitaler Sensorik.

Der eigentliche Star der diesjährigen Show aber wiegt gerade einmal 10 Gramm: Seiko stellte den kleinsten Hubschrauber der Welt vor.

Der hat seine Stärken und seine Macken: Dereinst könnten solche Hummeln im Rettungsdienst in Erdbebengebieten nach Opfern suchen - oder in Kriegsgebieten nach Gegnern. Doch bis dahin muss noch was passieren, denn bisher schwirrt der Robot-Schrauber noch am Draht. Nicht wegen seiner Steuerung, sondern vor allem wegen seiner Energiequelle. "Genau deshalb sind wir hier", sagt dazu Seiko-Manager Junji Ajioka, "wir hoffen, die Aufmerksamkeit eines Batterieentwicklers zu erregen, der uns eine sehr leichte Batterie herstellt".

Typisch für die Robot-Exhibition, dieser Drahtseilakt zwischen Forschung und Wissenschaft auf der einen und Popkultur auf der anderen Seiten: Actroid etwa, angeblich "elektronische Schauspielerin", ist eine Entwicklung von Kokoro Dreams. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Produktion von beweglichen Gummidinosauriern und Rieseninsekten zum Einsatz in Zoos, auf Jahrmärkten und in Museen. Der nächste Verwandte von Actroid dürfte also ein T-Rex sein, kein humanoider Sony-Roboter.

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