Schach-Duell Kramnik trotzt Deep Fritz ein Remis ab

Die Experten hatten ihm nur wenig Chancen gegeben. Doch im ersten von sechs Duellen zwischen Mensch und Maschine konnte Schach-Weltmeister Wladimir Kramnik gegen "Deep Fritz 10" mithalten. Der favorisierte Computer musste sich mit einem Remis begnügen.


Bonn - Nach 47 Zügen war die Partie beendet. Kramnik wählte mit Weiß eine katalanische Eröffnung, die als sehr strategisch gilt, und spielte von Beginn an auf Vereinfachung, um den Computer aus dem Konzept zu bringen. Während der Russe keinerlei Stellungsprobleme hatte, stand Deep Fritz einige Male unter Druck, weil er offenbar nicht merkte, welche Gefahren vom einfachen Spiel des Gegners ausgingen.

Weltmeister Kramnik: Stellungsvorteile mit Weiß
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Weltmeister Kramnik: Stellungsvorteile mit Weiß

Mit einer ungewöhnlichen Zugumstellung warf Kramnik den Rechner mit seinem Zug 7.Dd3 vorübergehend aus dem Buch, dieser fand später aber wieder dahin zurück. Mit 19.Se1 halbierte Kramnik das schwarze Läuferpaar, um mit einem stärkeren Springer gegen einen hier schwächeren Läufer zu spielen.

Nach etwa zwei Stunden Spielzeit hat Kramnik das von ihm angestrebte Leichtfigurenendspiel erreicht, in dem sein Springer besser ist als der Läufer von Deep Fritz. Anscheinend spielt Kramnik eine weit vorbereitete Eröffnungsvariante, in der es mehr auf die langfristige Strategie statt auf Taktik ankommt. Gift für den Rechner. Kramnik hatte einen deutlichen Vorteil, aber es sollte nicht zum Gewinn reichen.

Im Endspiel hatte Weiß zwar die bessere Stellung, konnte aber keinen klaren Weg zum Sieg finden. Einmal keimte bei Kramnik nach einem scheinbar ungenauen Zug des Computers noch Hoffnung auf, doch schließlich einigten sich beide auf ein umkämpftes Remis.

Kramnik war mit der ersten Partie zufrieden, es sei dem Verlauf nach ein logisches Ergebnis gewesen. Das Duell zwischen ihm und Deep Fritz ist auf insgesamt sechs Partien angesetzt. Sollte Kramnik am Ende gegen den Computer gewinnen, winkt ihm eine Verdoppelung des Startgeldes von 500.000 US-Dollar. Das zweite Match ist für Montag angesetzt.

bri/dpa



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