Schadsoftware Iran macht USA für Stuxnet-Attacke verantwortlich

Irans Atomprogramm ist durch den Computerwurm Stuxnet schwer getroffen worden - Schuld seien die USA, erklärte jetzt der iranische Atomunterhändler in einem TV-Interview, das hätten Ermittlungen ergeben. Zugleich versuchte er, das Ausmaß der Schäden herunterzuspielen.

Iranische Atomanreicherungsanlage: Sabotiert durch Schadsoftware
REUTERS/ Presidential official website

Iranische Atomanreicherungsanlage: Sabotiert durch Schadsoftware


Washington - Die Fronten sind geklärt: In einem Interview, das der amerikanische Fernsehsender NBC News am Montag ausstrahlte, machte der iranische Atomunterhändler Said Dschalili die USA für die Cyber-Attacke auf das Nuklearprogramm seines Landes verantwortlich. Dschalili erklärte den Reportern, dies hätten iranische Ermittlungen ergeben.

Dschalili spezifizierte damit Vorwürfe gegen "unsere verzweifelten, geschwächten Feinde", die er zuvor in einem Interview mit dem SPIEGEL geäußert hatte: "Ein Feind", sagte Dschalili in dem Gespräch, "der unsere Wissenschaftler tötet, hat auch keine Hemmungen, das Netz mit Schädlingen zu infizieren." Iranische Experten hätten den Angriff aber "längst abgewehrt. (...) Machen Sie sich keine Sorgen um unsere Zentrifugen."

Zuvor hatte die "New York Times" am Wochenende berichtet, der Computerwurm Stuxnet sei gemeinsam von Israel und den USA entwickelt worden, um das iranische Atomprogramm zu sabotieren. Der Computerwurm soll bis November ein Fünftel der iranischen Uran-Zentrifugen lahmgelegt haben.

Dschalili bekräftigte, dass es sich beim iranischen Nuklearprogramm um ein Programm zur Energieproduktion handle und nicht um ein Waffenprogramm. Zudem habe die Cyber-Attacke nicht so viel Schaden angerichtet, wie die Medien berichtet hätten. Dagegen hatten die USA und Israel kürzlich erklärt, das iranische Nuklearprogramm sei durch den Computerangriff um einige Jahre zurückgeworfen worden.

Nachdem Stuxnet im Juli 2010 entdeckt wurde, kursierten zunächst unterschiedlichste Vermutungen und Gerüchte über Ziel und Herkunft des digitalen Schädlings. Erst nachdem Virenforscher die Software ausführlich untersucht hatten wurde langsam klar, dass die Software offenbar mit großem Aufwand dazu entwickelt worden war, die iranische Urananreicherungstechnik auf ausgesprochen subtile Weise zu sabotieren - was offenbar auch im großen Stil gelungen ist.

Dennoch zeigte sich Dschalili optimistisch, dass die bevorstehenden Gespräche der fünf Vetomächte des Uno-Sicherheitsrats und Deutschlands mit Teheran erfolgreich sein werden. Die Gespräche über das iranische Atomprogramm gehen ab Freitag in Istanbul in eine neue Runde. Am Wochenende hatte der Iran den Besuch seiner Atomanlagen in Arak und Natans durch ausländische Diplomaten erlaubt. An dem Besuch nahmen Vertreter der blockfreien Staaten teil. China, Russland und die EU hatten dagegen eine Teilnahme abgelehnt. Iran wird verdächtigt, unter dem Vorwand der zivilen Nutzung der Atomenergie heimlich an einer Atombombe zu bauen. Teheran weist den Verdacht von sich.

 mak/AFP

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Seite 1
systemfeind 18.01.2011
1. in Persien ...
Zitat von sysopIrans Atomprogramm ist durch den Computerwurm Stuxnet schwer getroffen worden - Schuld seien die USA, erklärte jetzt der iranische Atomunterhändler in einem TV-Interview, das hätten*Ermittlungen ergeben. Zugleich versuchte er, das Ausmaß der Schäden herunterzuspielen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,740064,00.html
... soll es auch Informatiker geben , hab`ich mal in der Zeitung gelesen ... also bitte nicht wundern wenn plötzlich der Strom ausfällt oder indymedia nicht mehr erreichbar ist .
pwbaumann 18.01.2011
2. allwissende spon-schreiblerlinge
Zitat von sysopIrans Atomprogramm ist durch den Computerwurm Stuxnet schwer getroffen worden - Schuld seien die USA, erklärte jetzt der iranische Atomunterhändler in einem TV-Interview, das hätten*Ermittlungen ergeben. Zugleich versuchte er, das Ausmaß der Schäden herunterzuspielen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,740064,00.html
der verfasser kennt das "ausmaß der schäden" besser? respekt, da hat "spon" bessere informationen als der rest der welt. die zweifelt nämlich noch, ob es überhaupt schäden gab, die über eine gestörte bk hinausgehen.
Roßtäuscher 18.01.2011
3. Der Iran und seine Witz-Regierung
Zitat von sysopIrans Atomprogramm ist durch den Computerwurm Stuxnet schwer getroffen worden - Schuld seien die USA, erklärte jetzt der iranische Atomunterhändler in einem TV-Interview, das hätten*Ermittlungen ergeben. Zugleich versuchte er, das Ausmaß der Schäden herunterzuspielen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,740064,00.html
Genaue Untersuchungen über den Stuxnet-Schaden hätten die USA als Verursacher identifiziert. Wo vor Tagen die New-York-Times detailliert das Vorgehen und die Funktionstests der Israeli und USA beschreibt. Verwunderlich ist dennoch, wie trotz eines umfangreichen Embargos, die Zentrifugen und die Überwachungsrechner von Siemens in den Iran gelangten. Hat sich wieder eine Deutsche Firma nebenbei an einem zweifelhaften Export bereichert? War es wieder eine Firma aus dem Allgäu, die dem Westen eins auswischte?
grafheini2 18.01.2011
4. das wären dann ein gerechtfertigter Kriegsgrund
Zitat von systemfeind... soll es auch Informatiker geben , hab`ich mal in der Zeitung gelesen ... also bitte nicht wundern wenn plötzlich der Strom ausfällt oder indymedia nicht mehr erreichbar ist .
im Gegensatz zu Iran haben wir (bzw. unsere Verbündeten) ja die notwendigen Transportflugzeuge, Flugzeugträger, Landungsboote etc.
nurmeinsenf 18.01.2011
5. Eine elegante Waffe...
...verglichen mit plumpen Methoden wie einem nächtlichen Angriff mit Kampfbombern. Nur schade, daß in unserer heutigen sicherheitsorientierten Welt nichts mehr dauerhaft unbemerkt bleibt. Von mir aus hätten die iranischen Zentrifugen noch eine ganze Weile eiern können. Kernwaffenfähiges Material gehört nicht in Hände von gefährlichen Wirrköpfen wie Ahmadinedschad. Ich bin kein Diplomat, ich darf das so sagen.
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