Schneller, räumlicher, bequemer Google Earth wird runderneuert

Google hat seiner populären Earth-Software ein Face-Lifting gegönnt: Mit dem Programm-Update 4.3 verändert sich nicht viel - das aber zum Vorteil. SPIEGEL ONLINE hat sich das aufgefrischte Angebot angesehen.

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Seit nunmehr vier Jahren kennen wir alle die Dächer unserer Häuser von oben. Mit Hilfe des populären Programms Google Earth zoomen wir aus dem Weltall hinab in die uns vertraute Lebenswelt, erkunden von dort aus den Globus. Eine mittlerweile riesige Gemeinde von Erd-Fans versorgt uns dabei mit immer neuen Koordinaten, die uns zu den Sehenswürdigkeiten der Welt führen. Und natürlich erkundet so mancher seinen Urlaubsort aus der Vogelperspektive, bevor er eine Reise bucht: Eine wachsende Zahl von Informationsebenen mit Webseiten, Foto-Shows und Hintergrundinformationen verleiht dem Angebot immer mehr Tiefe.

An der Software selbst, die nun in der Version 4.3 vorliegt, hat Google seit 2004 eher vorsichtig geschraubt. Die grundlegenden Funktionen haben sich kaum verändert, auch die Navigation ist längst in Fleisch und Blut übergegangen. Man zoomt per Schieber oder Doppelklick, ein rechter Mausklick befördert uns in die Höhe. Man zieht die Welt zu sich heran und geht so in den horizontalen Flug über, über Steuerelemente am rechten Seitenkopf verändert man seine Perspektive, eine Suchmaske für Orte oder Koordinaten führt einen ohne Umwege zum Ziel.

All das hat sich funktional auch in der neuen Version nicht geändert - es kommt nur schicker daher und ist leichter zu bedienen. In Version 4.3 tritt an die Stelle des "Kompass" am rechten oberen Bildrand ein "Auge": Weniger filigran, aber klarer strukturiert und intuitiver zu bedienen. Freude kommt auf, wenn man diese Bedienelemente benutzt. Viel schneller als in Version 4.2 fliegt man nun über die Landschaft, auch die Bilder bauen sich schneller auf und gewinnen an Klarheit.

Vielleicht verzichtet Google deshalb nun auf die prozentuale Fortschrittsanzeige am unteren Bildrand, die ja vor allem eine Trost-Funktion hatte, um uns bei der Stange zu halten: Ja, signalisierte die, Du siehst zwar nur Wischiwaschi, aber das liegt daran, dass das Bild erst zu 10 Prozent aufgebaut ist - 11, 12, 13, 14...

Solche Geduldsspiele werden uns nun erspart. Merklich schneller stabilisiert und klärt sich das Bild. Die berüchtigten Ruckler bei Bewegungen und Perspektivänderungen kommen zwar noch vor, sind aber deutlich seltener und vergehen auch schneller. Getunt wurde also auch unter der Motorhaube, was einen echten Qualitätszuwachs bringt. Zugute kommt das natürlich nur Nutzern, die über einen hinreichend schnellen PC und eine DSL-Leitung verfügen: Letztlich entscheidet sich die Performance des Programms nach wie vor an der Geschwindigkeit der CPU, Kapazität der Grafikkarte und der Netzwerkgeschwindigkeit.

Weltall und Bauklotz-Städte

Google selbst nennt hier keine Mindestanforderungen, und tatsächlich läuft das Programm schon mit einer 500-MHz-CPU und über eine ISDN-Leitung - dann allerdings in einem kaum erträglichen Zeitlupentempo. Realistisch ist der Einsatz ab DSL 1 Mbit, besser 6 MBit und auf Rechnern mit einer CPU ab 1 GHz. Damit kommt allerdings inzwischen die Mehrzahl der Nutzer in Deutschland in den Genuss der virtuellen Welt- und Weltenreisen.

Denn bereits seit August 2007 (Programmversion 4.2) kann man per Google Earth, das sich dann Google Sky nennt, auch hinaus in Weiten, die kaum ein Mensch zuvor gesehen hat. Noch weit schneller als weiland Captain Kirk zappt man mit vielfacher Warp-Geschwindigkeit durchs All. Qualitativ hochwertige Nasa-Fotos zeigen nicht nur unsere unmittelbare Nachbarnschaft, sondern - Hubble sei Dank - auch Objekte hart am Rand der visuellen Erreichbarkeit. Spätestens hier wird Google Earth/Sky zum nützlichen Bildungsprogramm - einmal ganz davon abgesehen, dass diese virtuellen Reisen schlicht schön sind.

Schöner am Boden

Schöner soll es sukzessive auch am Boden werden - und vor allem räumlicher. Neben Hamburg - dessen Innenstadtbezirke man vollständig in 3D bewundern, erkunden und durchfliegen kann - sind nun auch Berlin, München, Potsdam und Wiesbaden weniger platt als zuvor. Den 3D-Level des Programms muss man allerdings erst aktivieren (Menüeintrag im linken Fenster), und das ist auch gut so: Zum einen brauchen die dicken 3D-Daten breitere Netzwerkverbindungen und überfordern langsamere Rechner, die mit dem Grundprogramm gut zurecht kommen. Zum anderen, man muss auch das mal sagen, ist nicht alles gut, was räumlich ist.

Während Hamburg in der 3D-Version schon halbwegs überzeugen kann, stehen in anderen Städten gerade einmal erste Bauklotz-Häuschen in der ansonsten flachen Stadt-Pampa. So oder so: Alle 3D-Visualisierungen sind letztlich weniger lebensecht als die zweidimensionalen Satellitenfotos, die man alternativ betrachten kann. Da ahnt man die Menschen auf den Straßen, sieht geparkte Autos, die echte Schatten werfen. Die Visualisierungen wirken da im Vergleich bestenfalls wie gut gemachte Videospiel-Kulissen.

Spaß macht es trotzdem, zumal Google Earth auch diesen Bauklotz-Städten nun Licht und Schatten gönnt. Zu den weiteren Neuerungen gehört ein Schieberegler am oberen Bildrand, über den man die Tageszeit beeinflussen kann. Dann scheint das Sonnenlicht aus dem stets richtigen Winkel - oder gar nicht, wie das nachts so üblich ist: Eine letztlich überflüssige Option, denn dann sieht man halt gar nichts. Aber dass die Programmierer bei Google Humor haben, ist ja bekannt.

Fazit: Eine vorsichtige, aber gelungene Generalüberholung eines populären Programms. Der wichtigste Pluspunkt ist dabei die Verbesserung der Performance, die Bewegungen schneller und flüssiger macht, und die grafisch klarere Gestaltung der Navigationselemente. Die erhöhte Geschwindigkeit bietet Freunden der Achterbahnfahrt zudem einen neuen Kick: Den Sturzflug aus dem All bis hinunter auf Straßenebene. Probieren Sie es aus - am besten an einem möglichst großen Bildschirm in einem verdunkelten Büro.



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