Schnelles Urteil Baidu soll MP3-Suche einstellen

Nur wenige Tage nachdem die letzte Klage gegen Chinas größte Suchmaschine Baidu eingereicht wurde, fiel schon das Urteil: Ein Gericht in Peking verfügte die Einstellung der MP3-Suche. Baidu will in Berufung gehen.

Die Mühlen chinesischer Gerichte mahlen schnell: In Peking endete die erste Verhandlung gegen Chinas größte Suchmaschine Baidu bereits wenige Tage, nachdem die letzte Klage eingereicht worden war. Die vier weltgrößten Musikfirmen EMI, Sony BMG, Universal und Warner hatten Baidu wegen vielfacher Copyrightverletzung mit einzeln eingereichten Klagen eingedeckt.

Das Gericht verfügte nun die Einstellung der beanstandeten MP3-Suche und brummte der Suchmaschinenfirma eine Geldstrafe von 68.000 Renminbi Yuan (circa 6930 Euro) auf. Die dürfte das Unternehmen aus der Portokasse bezahlen: Ihr Börsengang Anfang August spülte über 100 Millionen Dollar in ihre Kassen.

Baidu kündigte direkt an, in Berufung gehen zu wollen. Das Urteil, argumentierten die Anwälte des Unternehmens, beruhe auf einem Missverständnis seitens des Gerichtes: Baidu biete durchaus keine urheberrechtlich geschützten Werke unter Verletzung derer Copyrights an, sondern nur einen Suchservice für das Web.

Aus Perspektive der Musikindustrie ist das Urteil gerade darum erfreulich. Erstmals gingen die Anwälte der Entertainment-Unternehmen damit gegen den Betreiber eines reinen Suchdienstes vor. Ihnen kommt es gerade darauf an, einen Präzedenzfall zu setzen, der Suchmaschinen in Haftung nimmt für die Zugänglichmachung von aus Sicht der Industrie illegalen Angeboten.

Dass dieser erste Versuch ausgerechnet in China unternommen wurde, dürfte kaum zufällig sein. China ist für die Industrie ein besonderes Problem, weil hier außergewöhnlich viele Raubkopien entstehen und vertrieben werden, die Täter aber weniger leicht verantwortlich zu machen sind als etwa in Amerika oder USA. Neben zahlreichen Privatpersonen bieten von China aus auch einige halbseidene Unternehmen raubkopierte digitale Waren an.

Für ein schnelles Urteil in diesem Verfahren dürfte auch die Rückendeckung seitens der Politik gesorgt haben: Letzten Dienstag versprach Chinas Präsident Hu Jintao dem amerikanischen Präsidenten Georg W. Bush, dass China besten Willens sei, die fortlaufende Verletzung von Urheberrechten zu verhindern.

Baidus MP3-Suchdienst ist hoch populär. Rund 30 Prozent aller Suchanfragen bei dem chinesischen Suchdienst sollen auf die Musikdateisuche entfallen. Für das börsennotierte Baidu ist dieses Feature äußerst wichtig: Experten gehen davon aus, dass gerade die MP3-Suche Baidu in China zum Marktführer noch vor Google und anderen westlichen Firmen machte. Baidus MP3-Suche verweist direkt auf downloadbare Musikdateien, von denen in China außergewöhnlich viele direkt auf Webservern abgelegt sind.

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