Schritt für Schritt So funktionieren die neuen Facebook-Einstellungen

Alles ganz einfach, verspricht Facebook seinen Hunderten Millionen Nutzern: Neue Datenschutz-Einstellungen sollen die Mitglieder nicht mehr verwirren. Doch viele Informationen sind standardmäßig komplett freigegeben. SPIEGEL ONLINE zeigt, wie sie Ihr Profil abschotten.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Teilen nur mit Freunden, gefunden werden von allen?

Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Teilen nur mit Freunden, gefunden werden von allen?

Foto: GABRIEL BOUYS/ AFP

Nach und nach versorgt Facebook derzeit alle seine Mitglieder mit neuen Optionen für den Datenschutz. Damit reagiert das Netzwerk auf die harsche Kritik von Politikern und Datenschützern. In den vergangenen Monaten war Facebook um immer neue Funktionen und Schnittstellen erweitert worden. Auch die möglichen Optionen zum Schutz der eigenen Daten wuchsen dadurch immer weiter an -schließlich gab es mehrere Dutzend Optionen auf vielen verschiedenen Seiten.

Das sorgte für Empörung: Facebook wolle es seinen Nutzern möglichst schwer machen, Daten privat zu halten, so die Kritik. Mark Zuckerberg, der Chef persönlich, trat deswegen vor die Presse und stellte längst überfällige Änderungen vor: Mit wenigen Klicks lassen sich die zahlreichen Einstellungen alle auf einmal bearbeiten. Bis die mehr als 400 Millionen Mitglieder versorgt sind, können noch einige Tage vergehen - wenn es so weit ist, erscheint über den aktuellen Meldungen eine hellblau unterlegte Box mit einem Hinweis auf die neuen Optionen.

Es lohnt sich, genau hinzuschauen: Viele Informationen sind nach wie vor standardmäßig freigegen. Facebook-Manager Richard Allen verteidigt die Offenheit im Interview mit SPIEGEL ONLINE: "Die Nützlichkeit für Nutzer steht im Mittelpunkt. Facebook ist sozial, viele Menschen suchen Gleichgesinnte, die dieselbe Band oder denselben Film gut finden, die an derselben Universität waren. Weil das so ist, empfehlen wir, diese Informationen zu veröffentlichen. Wer mehr oder weniger Öffentlichkeit will, kann das sehr einfach einstellen."

Profilinfos, Anwendungen und Drittanbieter - SPIEGEL ONLINE erklärt, wie Sie ihre Daten bei Facebook kontrollieren:

Freizügige Standardeinstellungen ändern

Facebook rät zur Offenherzigkeit: Standardmäßig dürfen "alle", gemeint sind damit alle Internetnutzer inklusive Suchmaschinen, den eigenen Status, Fotos, Beiträge und die Informationen zu "Familie und Beziehungen" einsehen. Wer nicht will, dass hochgeladene Fotos von der Privatfeier öffentlich sind, sollte hier Hand anlegen - und die Einstellungen nachträglich verschärfen:

Das geschieht auf der Seite mit den "Privatsphäre-Einstellungen", zu erreichen über das Menü rechts oben in der dunkelblauen Facebook-Leiste, im Abschnitt "Inhalte auf Facebook teilen". Um alle Daten nur noch den eigenen Freunden oder noch zusätzlich deren Freunden zu zeigen, genügt ein Klick auf den Eintrag im hellblau hinterlegten Feld. Dann noch die Einstellungen mit dem blauen Button rechts unten mit einem Klick auf "Einstellungen übernehmen" speichern - und alle Daten bleiben privat. Diese Funktion gilt praktischerweise auch rückwirkend für alle Texte und Dateien, die man jemals auf Facebook gestellt hat.

Allgemeine Informationen anpassen

Alles nur für enge Freunde? Weitaus freizügiger ist Facebook mit den "Allgemeinen Informationen", also Name, Profilfoto, Freundesliste, Wohnort, Arbeitsplatz und so weiter. Standardmäßig wird hier möglichst vielen Menschen möglichst viel verraten - schließlich soll man als Facebook-Nutzer, so sagt es jedenfalls Netzwerk-Chef Mark Zuckerberg, ja auch gefunden werden. Und zwar nicht nur von anderen Facebook-Mitgliedern, sondern auch von Suchmaschinen wie Google.

Wer nicht der ganzen Welt mitteilen will, wo er jeden Tag zur Arbeit geht oder Nachrichten von allen möglichen Nutzern empfangen möchte, muss hier die Einstellungen anpassen. Zur Auswahl stehen die üblichen drei Kategorien: Entweder man macht etwas Freunden zugänglich, Freunden von Freunden oder wirklich allen.

Anwendungen aussperren

Links unten auf der Privatsphäre-Seite verbergen sich wichtige neue Einstellungsmöglichkeiten: Unter "Anwendungen und Webseiten" lässt sich auswählen, welche Erweiterungen auf persönliche Daten zugreifen können. Auch Programme, die auf das eigenen Facebook-Profil zum Beispiel vom Handy aus zugreifen, sind hier aufgelistet. Mit einem Klick lässt sich der Zugriff sperren - und nervige Nachrichten hören auf.

Hier lässt sich auch eine Funktion abschalten, die vielen Facebook-Nutzern bisher nicht bewusst war: Anwendungen können die Daten von Freunden lesen und nutzen. Wer das nicht will, kann das unterbinden:

Datenweitergabe durch Freunde verbieten

Eine Standardeinstellung bei Facebook erlaubt es Programmen von Drittanbietern, auf persönliche Daten zuzugreifen, auch wenn man diese Anwendungen selber gar nicht installiert hat. Es genügt, wenn ein Facebook-Kontakt eine Erweiterung nutzt - vielen Facebook-Nutzern ist das unbekannt. Nun wird deutlicher nachgefragt.

Auch die Standardeinstellung kann man nachträglich widerrufen: Dazu muss man in den Datenschutzeinstellungen den Link unten links ("Bearbeite deine Einstellungen für Anwendungen, Spiele und Webseiten") anklicken und dann in dem Menüpunkt "Informationen, die durch deine Freunde zugänglich sind" die Einstellungen ändern.

Personalisierung von Drittseiten abschalten

Eine der neuesten und umstrittensten Funktionen von Facebook ist die "umgehende Personalisierung", auf Englisch "instant personalization". Damit können andere, von Facebook ausgewählte Websites erkennen, welche Facebook-Mitglieder gerade bei ihnen vorbeisurfen. So können diese Websites Nutzerprofile anlegen, ihre Besucher mit Namen grüßen oder anzeigen, was die Facebook-Freunde dort zuletzt interessant fanden.

Im Netz gibt es unterschiedliche Angaben darüber, ob diese Einstellung für Nutzer aus Deutschland standardmäßig eingeschaltet ist - wie für die Nutzer in den USA -oder ob man Facebook die Datenweitergabe erst explizit erlauben muss. Also besser nachsehen: Die Einstellungen findet sich bei den "Privatsphäre-Einstellungen" unter dem Punkt "Anwendungen, Spiele und Webseiten".

Hochgeladene E-Mail-Adressbücher löschen

Mitglieder können bei Facebook ihre iPhone- und E-Mail-Adressbücher hochladen, um mögliche Kontakte zu finden. Facebook speichert Informationen über Dritte aus diesen Adressbüchern, nämlich die E-Mail-Adresse und den Namen.

Wer seine E-Mail-Kontakte bei Facebook abgleicht, kann beim Hochladen von Adressbüchern die Langzeitspeicherung nicht deaktivieren. Die Kontakte können nur nachträglich aus der Datenbank gelöscht werden - dieser Punkt findet sich aber nicht in den neuen Datenschutzeinstellungen, sondern hier auf dieser Seite .

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