Sexismus im Alltag 100 dumme Sprüche in zehn Stunden
Videoclip "10 Hours of Walking in NYC as a Woman": Dokument des alltäglichen Sexismus
Foto: youtube / Street HarassmentVideo/ robblisscreative.com"Wie geht's, Hübsche?", "Gott segne dich, Mami", "Nett!" Das sind nur drei der mehr als hundert Sprüche, die sich die Schauspielerin Shoshana Roberts von Männern anhören musste, als sie durch New York spazierte. Pfiffe, anzügliche Blicke und Gesten nicht mitgerechnet.
Die 24-Jährige wurde dabei die ganze Zeit von ihrem Freund mit versteckter Kamera gefilmt. Sie war weder besonders auffällig gekleidet - schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt, Turnschuhe - noch erwiderte sie die Annäherungsversuche in irgendeiner Weise. Ein besonders penetranter Großstädter lief trotzdem quälend lange fünf Minuten neben Roberts her und begaffte ihren Körper.
Die Aufnahmen, die an mehreren Tagen im September gedreht wurden, verarbeitete Roberts zu einem Zwei-Minuten-Clip, der bislang mehr als eine Million Mal angeklickt worden ist.
Hinter der PR-Aktion steckt die Organisation "Hollaback", was sehr frei mit "Widersprechen" übersetzt werden kann. Ziel von Hollaback ist es, Geld für den Kampf gegen Alltagssexismus zu sammeln. Die Direktorin der Organisation, Emily May, sagte der "New York Post": "Wir hoffen, damit Verständnis dafür zu schaffen, wie sich das anfühlt." Auf ihrer Webseite schreiben die Verantwortlichen, dass es sich bei dieser Form der Belästigung keinesfalls um ein New Yorker oder ein kulturelles Phänomen handele. Kulturell bedingt sei derartiges Verhalten nur in dem Sinne, dass es von einer "Kultur des Sexismus" begünstigt werde.
Für Shoshana Roberts war die Erfahrung übrigens nicht neu. "Es vergeht kein Tag, an dem ich das nicht erlebe", schreibt sie in einer Pressemitteilung. Es gebe auch keine Lösung für das Problem. Sie könne lächeln oder grimmig schauen, das Verhalten der Männer bleibe gleich - und zwar egal, ob es Weiße, Schwarze oder Latinos seien.
Hollaback versteht sich als internationales Netzwerk und hat auch Verbindungen nach Deutschland. Nach eigenen Angaben gibt es Ableger in Berlin, Chemnitz und Dresden. In Kooperation mit der sozialwissenschaftlichen Fakultät der New Yorker Cornell University wurde im Oktober eine Online-Umfrage zum Thema Alltagssexismus durchgeführt. Dass sich auch hierzulande Frauen sehr oft im Alltag belästigt fühlen, beweisen von "Hollaback" gesammelte Erfahrungsberichte aus Deutschland. Oder eben der Hashtag #Aufschrei.