Sexting US-Teeniereport nennt Sex-MMS moderne Beziehungswährung

Pew Research gehört zu Amerikas ersten Adressen, wenn es um die Erfassung sozialer Implikationen von neuen Technologien geht. In einer neuen Studie schaute Pew Teenies beim sogenannten Sexting über die Schulter - dem immer weiter verbreiteten Versenden anzüglicher Selbstporträts.
Handy-Kurznachricht: Bei US-Teenies oft mit Sexbildern verbunden

Handy-Kurznachricht: Bei US-Teenies oft mit Sexbildern verbunden

Foto: LEE JAE-WON/ REUTERS

Das Phänomen ist nicht neu und den meisten Erwachsenen doch so verborgen wie unheimlich: Immer mehr Teenager werben um Zuneigung oder pflegen ihre Beziehungen, indem sie intime Bilder von sich per Mobilfunk versenden. "Sexting" heißt das im Englischen und ist auch deshalb ideales Futter für die Boulevardpresse: Die stürzt sich mit Begeisterung auf jeden der seit circa zwei Jahren fast regelmäßig losbrechenden Skandale, wenn wieder irgendwelche Gören ihre Brustansichten an den Schulverteiler geschickt oder falsche Freunde ihre Bilder in alle Welt versendet haben.

Teenager selbst halten das Ganze dagegen für keine große Sache, fand Pew Research in einer angeblich repräsentativen Studie in den USA heraus . Für viele ist Sexting eine Form des virtuellen Pettings, eine Art Preludium, bevor Beziehungen irgendwann in körperliche Kontakte übergehen - eine Möglichkeit, Intimität zu erleben, ohne sich schon auf eine körperlich intime Beziehung einzulassen. Manche Mädchen nehmen allerdings am Sexting teil, weil sie einen wachsenden sozialen Druck spüren, dies zu tun. Doch für viele von ihnen ist Sexting ein "ja, und?"-Thema: Teil des normalen kommunikativen Verhaltens.

Und das, obwohl in Wahrheit nur eine Minderheit aktiv involviert ist. Gerade einmal vier Prozent der befragten Teenager im Alter von 12 bis 17 Jahren gaben an, schon nackte oder sexuell anzügliche Bilder von sich verschickt zu haben. Dagegen gibt es 15 Prozent, die solche Bilder schon empfangen haben. Das liegt nicht daran, dass die Nacktversender ihr Sexting als eine Art Rundfunk betreiben: Für sie, meistens sind es Mädchen, ist es eine durchaus intime Handlung, bei der die Bilder als eine Art Beziehungswährung eingebracht werden, um einen Jungen zu gewinnen oder zu halten. Die allerdings scheinen die Bilder des öfteren als Teil des Cliquen-Entertainments weiterzufunken - so findet im Schnitt jede Sexting-Message drei Empfänger.

Sexting ist eine juristische Tretmine

Das Verhalten ist umso häufiger, je älter die Jugendlichen sind. Bei den 17-Jährigen tritt es doppelt so oft auf wie im statistischen Durchschnitt - natürlich, möchte man sagen: Dass 17-Jährige sexuell aktiv sind, dürfte um einiges häufiger der Fall sein als bei 12-Jährigen. Wie bei solchen Studien üblich, produziert auch diese einige statistische Binsenweisheiten: So ist die Zahl der empfangenen Sexbilder bei häufigen Handy-Nutzern größer als bei Mobilfunk-Abstinenzlern. Wer seine Rechnung selbst zahlt, wagt häufiger den Versand anzüglichen Materials als Kids, deren Rechnung von Mama und Papa gesehen und bezahlt wird.

Erwähnenswert sind dagegen einige andere Aspekte. Experten warnen vor den psychologischen und juristischen Risiken: das reicht vom Erpressungspotential, von frustrierten Ex-Partnern weltweit bloßgestellt zu werden, bis zur Tatsache, dass es hier um das Versenden und den Empfang sexuell anzüglicher Bilder von Minderjährigen geht. Die Grenze zwischen Sexting in der Kommunikation zwischen intimen Partnern und dem Vertrieb von Kinderpornografie ist da mitunter fließend, spätestens wenn es zur Bildweitergabe kommt.

In den USA arbeiten mehrere Bundesstaaten an Gesetzen gegen Sexting. Eine klare Regulierung scheint bitter nötig: Im Laufe dieses Jahres kam es in etlichen US-Bundesstaaten zu Klagen wegen der Verbreitung von Kinderpornografie gegen Minderjährige, die ihre eigenen Bilder verbreitet hatten (siehe Linkverzeichnis). In einem Fall in Florida wurde ein 18-Jähriger als Sexualstraftäter vorbestraft und für 25 Jahre registriert, weil er Bilder seiner 16-jährigen Freundin verschickt hatte.

Bei den Gesetzesvorhaben, berichtet Pew, gehe es also nicht zuletzt darum, eine höchst gefährliche Lage zu entschärfen. So definierten 2009 die US-Bundesstaaten Vermont und Utah das Sexting von einem Straftatbestand zu einer Ordnungswidrigkeit um, mehrere andere Staaten planen Ähnliches.

Die Ergebnisse der aktuellen Pew-Studie  reihen sich ein in ähnliche Untersuchungen der letzten zwei Jahre, die zu vergleichbaren Ergebnissen kamen (siehe Linkverzeichnis in der linken Spalte). Mehrere Studien, unter anderem von einer nationalen Kampagne zur Verhinderung ungewollter Teenager-Schwangerschaften, US-Jugendschutzorganisationen, von MTV und der Nachrichtenagentur AP bestätigten in den letzten Monaten die Existenz und relativ weite Verbreitung von Sexting.

pat
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