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17. Oktober 2019, 12:00 Uhr

"Share-Online.biz"

Ermittler schalten größten deutschen Filehoster ab

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Über Share-Online.biz wurden illegale Kopien von Kinofilmen und Serien verbreitet - ein Geschäft mit Millionenumsätzen. Jetzt gingen Ermittler gegen die mutmaßlichen Betreiber vor. Auch Nutzern droht Ärger.

Share-Online.biz, die angeblich größte in Deutschland betriebene Filehosting-Plattform, ist seit Mittwoch offline. Ermittlern, unter anderem aus Köln und Aachen, ist bei Durchsuchungen in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich ein Schlag gegen die mutmaßlichen Betreiber des Dienstes gelungen.

Über das Angebot wurden seit Jahren im großen Stil urheberrechtlich geschützte Werke unerlaubt zum Download angeboten, darunter Kinofilme, Serien, Pornos und Musikstücke. Bei Durchsuchungen mehrerer Wohn- und Geschäftsobjekte in den drei Ländern wurden am Mittwoch umfangreiche Beweismittel gesichert, wie die Ermittler am Donnerstag mitteilten.

Die Ermittler selbst nennen den Namen des Angebots nicht. Dass es um Share-Online.biz geht, zeigt aber unter anderem eine Pressemitteilung der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Darin heißt es, GVU-Mitarbeiter hätten 2017 Strafantrag gegen die mutmaßlichen Betreiber des Dienstes gestellt.

Laut GVU verzeichnete Share-Online.biz zwischen sechs und zehn Millionen Aufrufe pro Monat. Es heißt, "einschlägig bekannte Portale wie DDL-Warez.to, Serienjunkies.org oder Canna.to" gehörten zu den Seiten, die am häufigsten auf die Seite verlinkten. Der Firmensitz von Share-Online.biz soll offiziell in Belize gelegen haben.

Verdächtige in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen-Anhalt

Nach Angaben der bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelten Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) NRW und der Polizei Aachen richteten sich die Ermittlungen gegen drei Tatverdächtige im Alter von 40, 48 und 54 Jahren mit Wohnsitzen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen-Anhalt. Von dem Trio genutzte Server hätten zudem in den Niederlanden und in Frankreich gestanden. Der 54-Jährige sei der Hauptverdächtige und lebe im Raum Aachen, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Festnahmen gab es keine. Auf SPIEGEL-Nachfrage heißt es, es hätten keine Haftgründe vorgelegen. Den Männern wird vorgeworfen, durch den Betrieb ihrer Plattform in einer Vielzahl von Fällen Beihilfe zur gewerbsmäßigen unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke begangen zu haben.

"Unfassbare Datenmengen"

"Das von den Beschuldigten betriebene Onlineportal stellt nach gegenwärtigen Erkenntnissen den größten in Deutschland betriebenen Filehoster dar", teilten die Ermittler mit. Die Rede ist von "unfassbaren Datenmengen": Nach aktuellem Ermittlungsstand mietete der Hauptbeschuldigte für den Betrieb der Plattform spätestens seit 2010 bei einem niederländischen Provider stetig anwachsende Serverkapazitäten an, zuletzt im zweistelligen Petabyte-Bereich.

Durch den Betrieb der Plattform sollen die drei Tatverdächtigen laut Staatsanwaltschaft von April 2008 bis Oktober 2017 einen Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro gemacht haben.

Die illegalen Kopien wurden im Fall von Share-Online.biz durch registrierte Nutzer hochgeladen. Sie wurden von den Beschuldigten auf Basis eines Punktesystems vergütet, bei dem die Dateigröße hochgeladener Inhalte und die Download-Zahlen - also das Interesse anderer Nutzer an den Uploads - eine Rolle spielten.

Nach Auskunft des Kölner Staatsanwalts Christoph Hebbecker richtet sich das Verfahren bislang nur gegen die mutmaßlichen Betreiber von Share-Online.biz. Hebbecker rechnet aber mit weiteren Ermittlungsverfahren. "Wir werden schauen, ob wir auch Uploader und möglicherweise auch Downloader identifizieren können", sagte er dem SPIEGEL. "Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Top-Uploadern." Im Fall von Share-Online.biz seien "im Regelfall" sowohl Up-, als auch Downloads von Nutzern Straftaten.

Nutzer konnten Share-Online.biz auf Wunsch mit kostenpflichtigen Premium-Accounts nutzen. Letztere waren durchaus nicht billig: Für 28 Tage Premium-Zugang etwa wurden im Oktober 10 Euro fällig, für sechs Monate 40 Euro. 30 Monate gab es zuletzt zum Vorzugspreis von 100 Euro.

mit Material von dpa und AFP

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