"Share-Online.biz" Ermittler schalten größten deutschen Filehoster ab

Über Share-Online.biz wurden illegale Kopien von Kinofilmen und Serien verbreitet - ein Geschäft mit Millionenumsätzen. Jetzt gingen Ermittler gegen die mutmaßlichen Betreiber vor. Auch Nutzern droht Ärger.

Plattform Share-Online.biz: Seit Kurzem ist die Seite offline
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Plattform Share-Online.biz: Seit Kurzem ist die Seite offline

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Share-Online.biz, die angeblich größte in Deutschland betriebene Filehosting-Plattform, ist seit Mittwoch offline. Ermittlern, unter anderem aus Köln und Aachen, ist bei Durchsuchungen in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich ein Schlag gegen die mutmaßlichen Betreiber des Dienstes gelungen.

Über das Angebot wurden seit Jahren im großen Stil urheberrechtlich geschützte Werke unerlaubt zum Download angeboten, darunter Kinofilme, Serien, Pornos und Musikstücke. Bei Durchsuchungen mehrerer Wohn- und Geschäftsobjekte in den drei Ländern wurden am Mittwoch umfangreiche Beweismittel gesichert, wie die Ermittler am Donnerstag mitteilten.

Die Ermittler selbst nennen den Namen des Angebots nicht. Dass es um Share-Online.biz geht, zeigt aber unter anderem eine Pressemitteilung der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). Darin heißt es, GVU-Mitarbeiter hätten 2017 Strafantrag gegen die mutmaßlichen Betreiber des Dienstes gestellt.

Laut GVU verzeichnete Share-Online.biz zwischen sechs und zehn Millionen Aufrufe pro Monat. Es heißt, "einschlägig bekannte Portale wie DDL-Warez.to, Serienjunkies.org oder Canna.to" gehörten zu den Seiten, die am häufigsten auf die Seite verlinkten. Der Firmensitz von Share-Online.biz soll offiziell in Belize gelegen haben.

Verdächtige in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen-Anhalt

Nach Angaben der bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelten Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) NRW und der Polizei Aachen richteten sich die Ermittlungen gegen drei Tatverdächtige im Alter von 40, 48 und 54 Jahren mit Wohnsitzen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen-Anhalt. Von dem Trio genutzte Server hätten zudem in den Niederlanden und in Frankreich gestanden. Der 54-Jährige sei der Hauptverdächtige und lebe im Raum Aachen, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Festnahmen gab es keine. Auf SPIEGEL-Nachfrage heißt es, es hätten keine Haftgründe vorgelegen. Den Männern wird vorgeworfen, durch den Betrieb ihrer Plattform in einer Vielzahl von Fällen Beihilfe zur gewerbsmäßigen unerlaubten Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke begangen zu haben.

"Unfassbare Datenmengen"

"Das von den Beschuldigten betriebene Onlineportal stellt nach gegenwärtigen Erkenntnissen den größten in Deutschland betriebenen Filehoster dar", teilten die Ermittler mit. Die Rede ist von "unfassbaren Datenmengen": Nach aktuellem Ermittlungsstand mietete der Hauptbeschuldigte für den Betrieb der Plattform spätestens seit 2010 bei einem niederländischen Provider stetig anwachsende Serverkapazitäten an, zuletzt im zweistelligen Petabyte-Bereich.

Durch den Betrieb der Plattform sollen die drei Tatverdächtigen laut Staatsanwaltschaft von April 2008 bis Oktober 2017 einen Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro gemacht haben.

Beschreibung des Punktesystems von Share-Online.biz
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Beschreibung des Punktesystems von Share-Online.biz

Die illegalen Kopien wurden im Fall von Share-Online.biz durch registrierte Nutzer hochgeladen. Sie wurden von den Beschuldigten auf Basis eines Punktesystems vergütet, bei dem die Dateigröße hochgeladener Inhalte und die Download-Zahlen - also das Interesse anderer Nutzer an den Uploads - eine Rolle spielten.

Nach Auskunft des Kölner Staatsanwalts Christoph Hebbecker richtet sich das Verfahren bislang nur gegen die mutmaßlichen Betreiber von Share-Online.biz. Hebbecker rechnet aber mit weiteren Ermittlungsverfahren. "Wir werden schauen, ob wir auch Uploader und möglicherweise auch Downloader identifizieren können", sagte er dem SPIEGEL. "Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Top-Uploadern." Im Fall von Share-Online.biz seien "im Regelfall" sowohl Up-, als auch Downloads von Nutzern Straftaten.

Nutzer konnten Share-Online.biz auf Wunsch mit kostenpflichtigen Premium-Accounts nutzen. Letztere waren durchaus nicht billig: Für 28 Tage Premium-Zugang etwa wurden im Oktober 10 Euro fällig, für sechs Monate 40 Euro. 30 Monate gab es zuletzt zum Vorzugspreis von 100 Euro.

mit Material von dpa und AFP

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insgesamt 56 Beiträge
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M.steitz 17.10.2019
1. Ein Weckruf
Die Szene ist aufgeschreckt. Zum einen fehlt jetzt in Deutschland der wichtigste Hoster von Warez und ganze Bibliotheken sind jetzt nutzlos geworden. Andererseits spüren auch die "kleinen" Downloader Gegenwind, viele machen sich Sorgen über eine mögliche rechtliche Verfolgung. Bisher galt in der Szene das Laden von Filehostern als unbedenklich, und dürfte auch jetzt noch schwer vor Gericht illegal betrachtet werden. Doch die GVU würde liebend gerne auch die kleinen Fische als Abschreckung zur Rechenschaft ziehen. Share-online war im internationalen Geschäft eher eine kleine Nummer, eine Handvoll Nachfolger stehen schon bereit das Geschäft zu übernehmen. Spannend für was sich die großen Uploader in Deutschland entscheiden. Bisher verwöhnt von den großzügigen Verdienstmöglichkeiten bei Share-online, müssen sie wohl in der nächsten Zeit den Gürtel enger schnallen. Ein Weckruf für die Warez-Szene nicht alles auf eine Karte zu setzen.
freakacid 17.10.2019
2. Download Straftat!? Nach welchem Gesetz denn bitte?
Nach welchem Gesetz soll denn der Download einer Datei eine straftat sein (wenn es nicht was komplett illegales ist, wie Waffenanleitungen und schlimmeres?). Gut man könnte vom Rechteinhaber möglicherweise auf Schadenersatz verklagt werden (1 Kinokarte?), aber wieso Straftat? Mir ist kein Fall bekannt nach dem das so wäre.
martink66 17.10.2019
3. nicht billig?
"Letztere waren durchaus nicht billig: Für 28 Tage Premium-Zugang etwa wurden im Oktober 10 Euro fällig, für sechs Monate 40 Euro. 30 Monate gab es zuletzt zum Vorzugspreis von 100 Euro." Nun, nehmen wir mal den Preis fuer sechs Monate, 6,66EUR pro Monat. Dafuer haette ich dann Zugriff auf Serien und Filme, die es bei Netflix, Amazon Prime UND anderen Anbietern gibt. Ich haette sie mir runterladen und fuer immer speichern und nutzen koennen. Das Abo fuer Netflix alleine in HD kostet soweit meine 10sekuendige Googlerecherche korrekt ist 11,99EUR pro Monat. Abgesehen davon dass es komplett illegal ist, fuer Nutzer waren die Preise mehr als OK. Warum 3-4 verschiedene Anbieter nutzen und das 5fache zahlen wenn ich allen Content und vor allem auch Inhalte, die es bei keinem der bekannten Anbieter gibt, fuer 6,66EUR im Monat bekomme.. bei 30Monatsabo sogar fuer 3,33. Jaja, die boesen Raubkopierer.. solange Urheberrechtsinhaber ihre Kunden mit ueberhoehten Preisen und anderen Gaengeleien (DRM, Raubmordkopierereinblendungen etc.) drangsalieren wird es immer einen Markt fuer illegale Anbieter geben. Natuerlich wuerde ich sowas nie nutzen, ich lade mir die Dinger lieber komplett kostenlos ueber Torrents.
powerbernd 17.10.2019
4.
Na toll, d.h. ich kann jetzt nicht mehr auf meine Urlaubsvideos zugreifen? :( Wird auf jeden Fall ein interessanter Test für die Wirksamkeit von VPN Anbietern, wenn die Behörden wirklich meinen, Top-Uploader ausfindig machen zu wollen.
erzengel1987 17.10.2019
5. Wieso soll der Download illegal sein?
Es hört sich wie eine seriöse Seite an. Da bietet jemand Software, oder einen Film an. Ich zahle ja einen Beitrag. Also kann ich doch erwarten, dass es legal ist. Denn im Internet ist es als Anwender teilweise undurchsichtig was nun legal ist und was illegal. Youtube ist legal. Alternative Streamingdienste müssten somit ebenfalls legal sein. Wie kann der Download generell illegal sein??? Allein der Uploader hat dafür zu sorgen, dass er die Rechte hat. Als Nutzer hat man doch keine Chance zu urteilen, handelt der Uploader illegal oder ist es ein tolles Gratisgeschenk. Es gibt soviele Freie Software und soviele freie Filme... da ist es wirklich undurchsichtig. Daher absolute Straffreiheit für Downloader.
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