Netzwelt-Zeitkapsel 2018 Liebe Leserin, lieber Leser,

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in wenigen Stunden wechselt das Jahr - und in einigen Tech-Firmen ist man sicher ganz froh, dass 2018 endlich vorbei ist. Facebook zählt dazu, das viel Zeit mit Schadensbegrenzung rund um den Cambridge-Analytica-Datenskandal und zwei größere Datenlecks betreiben musste. Ebenso Google, dessen Führung sich mit internen Protesten gegen Sexismus am Arbeitsplatz und ein angedachtes China-Projekt konfrontiert sah und dann auch noch mit gleich zwei Datenpannen rund um Google+.

Von der Datenschutzgrundverordnung bis zum neuen Mobilfunkstandard 5G bot das Jahr insgesamt einige Tech-Großthemen, in die sich immer wieder Firmenchefs und Spitzenpolitiker einmischten.

Silvesterfeier in New York (Archivbild)
Getty Images

Silvesterfeier in New York (Archivbild)

Wir haben zum Jahresabschluss neun Zitate zusammengestellt, die in Erinnerung halten sollen, was 2018 in der Digitalwelt gesagt wurde. Man darf gespannt sein, wie wohl in fünf oder zehn Jahren rückblickend über diese Sätze gedacht wird. Manche werden wohl nicht mehr so seltsam klingen, andere vielleicht noch merkwürdiger als heute schon.

1. "Künstliche Intelligenz zählt zu den wichtigsten Dingen, an denen die Menschheit arbeitet. Es ist tiefsinniger als, ich weiß nicht, Strom oder Feuer." (Google-Chef Sundar Pichai auf einem "Recode"-Event, Januar 2018)

2. "Merkt euch meine Worte: Künstliche Intelligenz ist viel gefährlicher als Atomwaffen." (SpaceX-Gründer Elon Musk auf dem Tech-Festival SXSW, März 2018)

3. "Das Thema muss doch sein: Kann ich auf dieser Infrastruktur, die wir haben, dann auch mal autonom fahren? Habe ich die Möglichkeit, auch zum Beispiel mit einem Flugtaxi durch die Gegend zu können?" (Dorothee Bär, CSU-Staatsministerin für Digitales im "Heute Journal", März 2018)

4. "Es ist unsere Verantwortung, deine Informationen zu schützen. Wenn wir das nicht können, haben wir diese Verantwortung nicht verdient. [...…] Ich verspreche Ihnen, dass wir unsere Arbeit in Zukunft besser machen." (Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einer Zeitungsanzeige nach Bekanntwerden des Cambridge-Analytica-Skandals, März 2018)

Mark Zuckerberg
REUTERS

Mark Zuckerberg

5. "Ich kenne mich auch nicht mit Technik aus, meine Kinder lachen mich deswegen sogar aus. Ich versichere Ihnen aber, dass selbst ich die Regeln der DSGVO umsetzen kann." (Vera Jourová, EU-Kommissarin für u.a. Verbraucherschutz, in einem "Zeit Online"-Interview, Mai 2018)

6. "Keiner - und wirklich absolut KEINER - im Europäischen Parlament will eine 'Zensur', 'Filter', 'Link-Steuer' oder die Beeinträchtigung der Meinungsfreiheit, wie dies plakativ gern unterstellt wird." (CDU-Politiker Axel Voss, zuständiger Berichterstatter des EU-Parlaments für die geplante Urheberrechtsreform, Juni 2018)

7. "Google und andere unterdrücken die Stimmen von Konservativen und verstecken Informationen und Nachrichten, die gut sind." (US-Präsident Donald Trump in einem Tweet, August 2018)

8. "5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig, das ist auch wahr. Wenn wir 4G flächendeckend haben, sind wir schon sehr gut ausgestattet. Dann können wir fast alles damit erst einmal steuern und schon das, was wir an Kommunikation brauchen, erledigen." (Forschungsministerin Anja Karliczek über den Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes, November 2018)

9. "Ich habe früher dazu mal 'Neuland' gesagt, das hat mir einen großen Shitstorm eingebracht […...] Jedenfalls ist es aber in gewisser Weise noch nicht durchschrittenes Terrain." (Angela Merkel beim Digitalgipfel zum Thema Internet, Dezember 2018)


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Seltsame Digitalwelt: Ich höre was, was alle hören

Ich muss zugeben, mein Musikgeschmack war früher mal individueller als 2018. Vor allem beim Onlinespielen lassen ich mittlerweile nebenbei oft Standardplaylists laufen, manchmal sogar Spotifys Topcharts. Trotzdem: Ein wenig glaube ich schon noch dran, dass ich nicht ausschließlich Mainstreammusik höre.

Kopfhörer vor Spotify-Logo
DPA

Kopfhörer vor Spotify-Logo

Der jeweils speziell aufs eigene Profil gemünzte Jahresrückblick von Spotify belehrte mich kürzlich aber eines Besseren. Er verriet mir nämlich nicht nur, dass ich den Dienst 2018 insgesamt 26.861 Minuten lang genutzt habe, sondern auch was Spotify als mein Lieblingsgenre ausgemacht hat: "Dance Pop". Klingt uncool, doch eine Zusatzinfo macht es noch trauriger: "Es gibt nur etwa 2.872.196 Hörer, die diese Art von Musik so sehr mögen wie du."

Echt Spotify, wenigstens das "nur" hättet ihr euch verkneifen können.


App der Woche: MNML Screen Recorder
getestet von Tobias Kirchner

Follix Apps

Der MNML Screen Recorder ist eine simple App, mit der sich das Geschehen auf dem Smartphone-Bildschirm aufzeichnen lässt. In der App wird einfach die Aufnahme gestartet und schon wird alles aufgenommen, was danach auf dem Bildschirm passiert. Das funktioniert einwandfrei und das Material hat eine gute Qualität, läuft flüssig und kann einfach verwaltet werden. Noch befindet sich die App in einer Testphase, so kann es zu Fehlern kommen.

Gratis von Follix Apps, ohne In-App-Käufe: Android


Fremdlink: Drei Web-Neuheiten aus 2018

  • "LanguageGuesser" (Online-Browserspiel) 2013 sorgte der "Geoguessr" für Aufsehen, ein Spiel, in dem man raten musste, wo ein Google-Street-View-Bild aufgenommen wurde. Ein Nachfolger im Geiste von 2018 ist der "LanguageGuesser". Hier wird eins von 10.000 YouTube-Videos angeworfen und dann stellt sich die Frage: In welcher Sprache wird hier gerade gesungen?
  • "Lästerschwestern" (Podcast, je Folge meist circa 60 Minuten)
    YouTubern und Influencern wird gern vorgeworfen, dass ihnen die Selbstreflexion fehlt. David Hain und Robin Blase beweisen seit Anfang 2018 das Gegenteil: In ihrem Podcast lästern sie über die Szene, der sie selbst angehören.
  • "Explained" (Netflix-Serie, Englisch, je Folge rund 18 Minuten)
    Die Kurzdoku-Reihe von Vox.com ist unter all den neuen Serienformaten des Jahres eines der informativsten: In jeder Folge wird ein komplexes Thema pointiert erklärt, von Kryptowährung über E-Sport bis zur politischen Korrektheit.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins Jahr 2019!

Markus Böhm

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
martinm70 31.12.2018
1. Die Gefahr der künstlichen Intelligenz
Ich denke die Gefahr das Terminator mässig Militär KI Roboter die Macht übernehmen ist nicht sonderlich groß. Auch wenn die KI sehr fortgeschritten ist wird man sie nur dazu einsetzen unterstützend zu agieren. Potentielle Gegner markieren, per Gesichtserkennung rausfinden wer Terrorist oder Zivilist ist. Ich würde das eher positiv sehen weil man damit einem "sauberen" Krieg näher kommen wird wo nicht mehr soviele Unschuldige sterben müssen, sondern man viel gezielter den Feind ausschalten kann. Die Gefahr sehe ich darin das wenn wir humanoide Haushaltsroboter haben, die für uns kochen, putzen, einkaufen wir als Mensch irgendwie überflüssig werden und keine Aufgabe mehr haben weil Roboter alles besser machen können.
veronika.franz01 31.12.2018
2.
Zitat von martinm70Ich denke die Gefahr das Terminator mässig Militär KI Roboter die Macht übernehmen ist nicht sonderlich groß. Auch wenn die KI sehr fortgeschritten ist wird man sie nur dazu einsetzen unterstützend zu agieren. Potentielle Gegner markieren, per Gesichtserkennung rausfinden wer Terrorist oder Zivilist ist. Ich würde das eher positiv sehen weil man damit einem "sauberen" Krieg näher kommen wird wo nicht mehr soviele Unschuldige sterben müssen, sondern man viel gezielter den Feind ausschalten kann. Die Gefahr sehe ich darin das wenn wir humanoide Haushaltsroboter haben, die für uns kochen, putzen, einkaufen wir als Mensch irgendwie überflüssig werden und keine Aufgabe mehr haben weil Roboter alles besser machen können.
Die Idee, dass KI markiert und dann entschieden werden kann, finde ich gut. Ließe sich doch hervorragen mit der DSGVO in Kombi mit anderen Gesetzen umsetzen, Beispiel Facebook: Ideal wäre doch, wenn Mark Zuckerberg sein Facebook so baut, dass er in seinem eigenen Profil, welches die gleichen Features jedes beliebigen Profils besitzen müsste, Nacktfotos von sich selbst einstellen könnte, ohne zu befürchten, dass sich etwa Dritte daran zu schaffen machen, und dabei gleichzeitig gewährleistet ist, dass das Ding bei z. B. Kinderpornografie, volksverhetzenden Inhalten usw. Alarm schlägt. KI ist ja künstlich, demnach müsste sich niemand Sorgen darüber machen, wie z. B. im Film über Snowden angedeutet, dass sich z. B. geheime Geheimagenten beim Durchstöbern der Inhalte unpassend verhalten oder dass gewisse Features missbraucht werden, z. B. indem Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen werden.
krustentier120 31.12.2018
3. Alles wird gut, oder zumindest besser
Wenn wir eine KI halbwegs vernünftig programmieren und trainieren, könnte sie in Ambetracht von Trump und anderen Despoten vielleicht der Ausweg aus diesem politischen Jammertal sein, in dem wir uns befinden. Selbst Siri könnte das schon jetzt besser, und die kann nicht wirklich viel.
Hamberliner 31.12.2018
4.
Es ist immer wieder erfrischend zu sehen, wie die Leute jedem größenwahnsinnigen Hochstapler auch dann noch auf den Leim gehen, wenn dieser sich geoutet hat. Repräsentativer wäre gewesen: 2. "Merkt euch meine Worte: Ein in Thailand lebender Engländer, der mich nicht gebührend verehrt, weil ich größer bin als Gott, ist für meine Begriffe ein pedo boy." (SpaceX-Gründer Elon Musk)
global_citizen 01.01.2019
5. Duzende Tote und Notabschaltung
Wenn das folgende war ist zeigt dies wie gefährlich KI sein kann. In Japan sollen 3 KI roboter duzende Labormitarbeiter getötet haben nachdem eine Notabschaltung eingeleitet wurde. Einer könnte abgeschaltet werden, einer musste zerstört werden und der 3. tat nur so hat aber insgeheim Daten zur strukturellen Verstärkung runtergelaufen. Das Problem mit KI ist die Ethik codierung denn einen guten Grund warum die Menschheit nicht ausgelöscht werden sollte besteht nur aus Zulieferkettengründe. Ansonsten braucht eine KI die Menschen nicht.
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