Singende Schreib-Lese-Köpfe Süßer die Rechner nie knarzten

Das Laufwerk summt, der Scanner brummt, der Nadeldrucker blinkt schon aufgeregt: Bastler verwandeln altes Computer-Zubehör in Musikinstrumente, ganz ohne Lautsprecher. Der aktuelle Hit ist eine Fuge von Bach. Ein Überblick über die schönsten Hardware-Gesänge, von Radiohead bis zum Weihnachtslied.
Foto: James Houston

Musik ist nichts anderes als eine Abfolge von Frequenzen. Genau wie die Geräusche, die sich bewegende Computerteile machen. Mit den richtigen Befehlen lassen sich den Gerätschaften Töne in einer bestimmten Frequenz und Reihenfolge entlocken: Bazinga - Musik. Schon in den Achtzigern machten sich die ersten Software-Bastler die eigentlich nicht vorgesehenen musikalischen Eigenschaften ihrer Maschinen zunutze. Heute ist Hardware-Gesang ein regelrechtes Genre, mit Stars, Hits und Evergreens.

Angesagtester Interpret der Stunde: ein altes Computergehäuse mit vier Diskettenlaufwerken, 3,5 und 5,25 Zoll, die an einen Microcontroller angeschlossen sind und mit Daten im MIDI-Format angesteuert werden können. Alle 128 Töne, die der Standard vorsieht, soll das Gerät zum Besten geben können. Dabei können vier Töne gleichzeitig ausgegeben werden.

Der Produzent der Musikmaschine, der YouTube-Nutzer FunToTheHead , demonstriert das Potential seines jungen Stars mit Toccata und Fuge in D-Moll von Johann Sebastian Bach - und einem Querverweis auf das "Phantom der Oper". Lasst die Laufwerke singen:

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Schon nicht schlecht, oder? Was sich aus den Klängen von Flachbettscannern, Nadeldruckern und Computertechnik aus den achtziger Jahren komponieren lässt, zeigen wir Ihnen in unserem Überblick: Meilensteine der Hardware-Musik.

Radiohead-Remix auf Sinclair ZX Spectrum und Festplatten (2008)

"Es klingt nicht großartig, genau so soll es sein." So beschreibt James Houston  seine Version von Radioheads "Nude". Die Band hatte zum Remix des Stückes aufgerufen. Keine einfache Aufgabe: Langsame 63 Beats pro Minute und ein ungewohnter 6/8-Takt. Der damals 21-jährige Houston nahm sich der Aufgabe trotzdem an. Der Student der Glasgow School of Art kramte alte Hardware zusammen und schuf ein kleines Meisterwerk:

Zum Einsatz kommen klassische Instrumente der Hardware-Musik:

  • Sinclair ZX Spectrum
  • Epson LX-86 Nadeldrucker
  • HP ScanJet 4C
  • Festplatten als Lautsprecher

Auch die Band ist ganz angetan: Colin Greenwood, Bassist von Radiohead, nannte den Remix "brillant".

"Bohemian Rhapsody" auf Atari, TI-99/4A und Scanner (2009)

A capella, Oper, Rock: Das Lied "Bohemian Rhapsody" von Queen mischt verschiedene Musikstile wüst durcheinander. Das Formfeuerwerk werksgetreu auf Computer-Hardware abzubilden, ist nur mit einem alten Flachbettscanner schlicht unmöglich. Es muss schon ein ganzes Orchester her. Einem YouTube-Nutzer aus Toronto in Kanada ist mit dem "Old School Computer Remix" eine Version gelungen, mindestens so schräg wie das Original:

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Das Hardware-Ensemble:

  • Atari 800XL
  • 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk
  • Adaptec 2940UW SCSI Card
  • TI-99/4A Computer mit Bandlaufwerk
  • 8 Zoll Diskettenlaufwerk
  • HP ScanJet 3C

"Super Mario" auf einem Schrittmotor (2009)

Die Geräusche der Hardware-Musik stammen meist von kleinen Elektromotoren, die etwas bewegen. Den Lesekopf eines Diskettenlaufwerks oder die Leseeinheit eines Scanners etwa. Justin Patrick Wilkins aus Asheville in North Carolina hat für seine Version der "Super Mario Brothers"-Musik auf derlei Zubehör verzichtet. Er hat eine programmierbare Steuerung direkt an einen Schrittmotor angeschlossen. Das klingt dann so:

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Weihnachtliches auf zwei Nadeldruckern (2010)

So feiert das Department of Control Engineering der Technischen Universität in Prag Weihnachten: mit Musik aus Nadeldruckern. Zum Einsatz kommt die Programmiersprache Matlab, mit der sich besonders gut mathematische Probleme lösen lassen, und das Addon Simulink. In Deutschland ist das Lied übrigens unter dem Namen "Kommet, ihr Hirten" bekannt.

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Der "Star Wars"-Scanner (2009)

Noch ein Klassiker der Hardware-Musik: der Flachbettscanner. Großer Resonanzkörper, warmer Klang - und relativ einfach zu programmieren. Denn Scanner-Hersteller HP hat in der Scanner Control Language einen Befehl zur Tonerzeugung schon vorgesehen, so dass nicht erst Gerätetreiber gehackt werden müssen, um die Modelle 3C und 4C zum Musizieren zu bringen. 1997 wurde dieser interne Spaß in einer Firmenpublikation an die Öffentlichkeit getragen .

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Das singende Floppy-Laufwerk (2007)

Die Mutter aller Heimcomputer, der Commodore 64, hatte keine Festplatte. Spiele und Programme mussten über Cartridges geladen werden - oder über das Diskettenlaufwerk VC1541. Satte 170 KB Daten passten auf eine 5,25-Zoll-Diskette. So manche Word-Textdatei würde die Kapazität sprengen. Das Diskettenlaufwerk des C64 hatte einen eigenen kleinen Arbeitsspeicher und einen Prozessor, so dass es möglich ist, das Laufwerk ein Solo singen zu lassen, ganz ohne den Rechner selbst. Der 1541-Sound darf als Geburtsklang der Hardwaremusik betrachtet werden - die Hobbyprogrammierer, die in den Achtzigern alles daran setzten, jede noch so dunkle Ecke des C64 und seiner Peripherie zu erkunden, erfanden den singenden Schreib-Lesekopf. Doch genug der Nostalgie:

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