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SPIEGEL

Martin U. Müller

Smarte Toilette Hightech für den Hintern

Martin U. Müller
Ein Netzwelt-Newsletter von Martin U. Müller
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Liebe Leserin, lieber Leser,

was nicht alles smart werden soll, im und am Haus der Zukunft: Mülltonnen sollen erkennen, wenn sie voll sind und abgeholt werden müssen. Die Wasserstrahlen eines Duschkopfes können separat gesteuert werden. Und die Haustür erkennt den Wohnungsbewohner und gibt den Weg automatisch frei. Auch eine Toilette mit medizinischen Diagnosefähigkeiten war immer wieder Gegenstand von Beschreibungen smarter Visionen.

Nun haben Forscher von der US-Universität Stanford ein solches System entwickelt. Und es klingt, als könnte es funktionieren und sogar bei ganz gewöhnlichen Toiletten nachgerüstet werden. Es soll, nun ja, die Exkremente analysieren können. Ziel ist es, so schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature Biomedical Engineering" , die Gesundheit eines Menschen über einen langen Zeitraum hinweg zu überwachen. Die Messdaten werden von der Toilette in eine Cloud übertragen.

Die "intelligente" Toilette hat Druck- und Bewegungssensoren sowie Hochgeschwindigkeitskameras und analysiert etwa den Urin ihres Benutzers. Dafür werden Bilder von Urinanalyse-Teststreifen aufgezeichnet, wie sie beispielsweise für die Messung von Blutzuckerwerten verwendet werden. Dabei sollen die Messwerte der Streifen genauso gespeichert werden wie die Flussrate und das Volumen des Urins.

Selbst der Stuhl kann klassifiziert werden, dafür wird Deep Learning eingesetzt. Die Leistung der Maschine sei mit jener von medizinisch geschultem Personal vergleichbar, sagen die Wissenschaftler. Bleibt die Frage, wie eine solche Hightech-Toilette verschiedene Nutzer unterscheiden soll.

Aber auch dafür haben Forscher eine Lösung gefunden. Zum einen könnte man dafür einen Fingerabdruckscanner verwenden, wie beim Smartphone. Zum anderen aber könnte der Toilettengänger auch mittels seines Anoderms identifiziert werden. Eine Kamera würde dazu den Darmausgang scannen und sich dessen Aussehen merken, fast so wie bei einer Gesichtserkennung.

Seltsame Digitalwelt: die Datenspende-freudigen Deutschen

In der Coronavirus-Krise wollen viele Deutsche helfen. Auch mithilfe von Dingen, die vielen hierzulande heilig sind: der Spende ihrer digitalisierten Gesundheitsdaten – etwa Pulsdaten, Informationen zur körperlichen Aktivität oder der Schlafdauer. Deutschland ist schneller und erfolgreicher als die USA beim Thema; die Datenspende-App des Robert Koch-Instituts (RKI)  hat mehr Nutzer in kürzerer Zeit  erreicht, als die vergleichbare "Detect Study"  aus dem kalifornischen La Jolla.

Doch so euphorisch die Deutschen offenbar spenden wollen, so schnell kann man sie auch verstimmen. Und aus Euphorie wurde am Osterwochenende Wut. Zunächst zeigte die RKI-App nicht immer die Zahl der gespendeten Tage an, bei vielen Nutzern blieb der Zähler bei null stehen, dabei hatten sie doch schon seit Tagen den Zugriff auf ihre von Fitnesstrackern und Smartwatches gesammelten Gesundheitsdaten erlaubt. Mancher drohte bei Twitter, die App zu löschen, andere warfen dem RKI digitales Komplettversagen vor.

Doch mittlerweile scheint der Fehler für viele Nutzer behoben zu sein. Und auch an anderer Stelle zeigen sich die Deutschen nach wie vor datenspendefreudig. Auf der Webplattform www.fasterthancorona.org  gehen pro Stunde rund 500 Datensätze von Menschen ein. Sie schildern ihre Symptome, geben Auskünfte über Medikamente, die sie einnehmen oder wie oft sie sich die Hände waschen. Die Universitätsklinik Freiburg veröffentlichte gerade ebenfalls eine App , die auf Grundlage täglicher Fragebögen Hinweise zum besseren Verständnis der Coronavirus-Erkrankung gewinnen will.

App der Woche: Sky - Children of the Light

Foto: thatgamecompany

Die Entwickler von thatgamecompany wurden unter Spielern weltweit mit "Journey" bekannt. Sie schafften es, einen neuen Blickwinkel auf das Medium zu ermöglichen und zeigten, dass es nicht immer Action und klare Ziele braucht, um Spieler zu begeistern. Gleiches gilt auch für "Sky – Children of the Light". Auch hier stehen keine Bossgegner oder andere Hindernisse im Weg. Vielmehr geht es um die Erkundung einer fantastischen Spielwelt, die technisch beeindruckend für das Smartphone umgesetzt wurde. So trifft man auch andere Spieler, die gerade auf Entdeckungstour sind. Interaktionen bleiben dabei nicht aus und sorgen so für einzigartige Momente. Natürlich sind in "Sky – Children of the Light" auch einige Geheimnisse versteckt. Im Vordergrund steht aber klar die Welt und ein erfrischend entschleunigtes Erlebnis. 

 Gratis, von thatgamecompany, mit In-App-Käufen: iOS , Android 

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

"State of California Approves Nuro’s Self-Driving Delivery Vehicles for Public Road Operations"  (Englisch, drei Leseminuten). Kalifornien genehmigt selbstfahrenden Fahrzeugen von Nuro den Betrieb auf öffentlichen Straßen ohne menschlichen Fahrer am Steuer. Wird diese Technologie in Zeiten der Selbstdistanzierung an Fahrt gewinnen?

"In vielen Ländern trifft Corona die Frauen und Mädchen am schlimmsten – so könnt Ihr helfen"  (Deutsch, fünf Leseminuten). Die Diplom-Psychologin Felicitas Heyne versorgt in der Coronakrise über WhatsApp Menschen in armen Ländern mit Wissen über das Virus. Das geschieht über professionell übersetzte und eingesprochene Infos, die dann als Sprachnachrichten verschickt werden. Hier beantwortet sie Fragen dazu.

"The Virus Changed the Way We Internet"  (Englisch, drei Leseminuten).
Facebook, Netflix, YouTube, Houseparty-App, Medienwebseiten: Der Traffic steigt, steigt und steigt.

Kommen Sie mit Abstand durch die Woche!

Ihr Martin U. Müller