Bei hohen Schadstoffwerten Alarm-App warnt Bürger vor schlechter Luft

Mit einer neuen App warnt das Umweltbundesamt die Bürger, wenn die Luft zum Gesundheitsrisiko wird. Die Smartphone-Anwendung sieht schick aus - die Ergebnisse müssen jedoch mit Vorsicht interpretiert werden.

Umweltbundesamt

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Dicke Luft am Freitagmorgen in der Sternschanze: Die Stickstoffdioxid-Balken ragen weit nach oben, der Anteil des Schadstoffs in der Luft ist dreimal so hoch wie der erlaubte Grenzwert. Die App leuchtet rot auf, schickt Warnmeldungen an die Bürger des beliebten Hamburger Stadtteils und empfiehlt empfindlichen Menschen: besser keinen Sport im Freien treiben.

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"Luftqualität": So funktioniert die Luftqualitäts-App des Umweltbundesamts

So macht es seit wenigen Tagen das Umweltbundesamt. Die Behörde will künftig nicht mehr nur Wetter-Apps mit Schadstoffwerten speisen. Mit der App "Luftqualität" bereitet sie die Messwerte nun selbst grafisch auf. Bürger sollen selbst nachschauen können, ob es stickig wird in der Nachbarschaft und Tempolimits und Fahrverbote eine Wirkung erzielen. Dafür sammelt das Amt die Daten von mehr als 400 Wetterstationen in Deutschland, die stündlich aktualisiert werden. Die App beschränkt sich auf drei Schadstoffe in der Luft:

  • Feinstaub: Autos, Feuerwerke und Traktoren schleudern die winzigen Partikel in die Luft. Die flüssigen Teilchen sind so klein, dass sie über die Lunge in den Blutkreislauf gelangen und die Atemwege sowie das Herz-Kreislauf-System schädigen können.
  • Ozon: Das giftige Gas entsteht unter anderem im Straßenverkehr und in Kraftwerken. Ozon bildet sich vor allem im Sommer bei viel Sonnenschein als Folge von chemischen Schadstoff-Reaktionen. Es kann die Lungenfunktion beeinträchtigen und Atemwegsbeschwerden hervorrufen.
  • Stickstoffdioxid: Das Gas ist ebenfalls giftig und erhöht die Reizwirkung von Ozon sowie Feinstaub. Stickstoffdioxid findet sich unter anderem in Autoabgasen und ist einer der Richtwerte für Fahrverbots-Forderungen in deutschen Städten. Laut Umweltbundesamt kann Stickstoffdioxid zu Entzündungen der Atemwege und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Für einen schnellen Überblick in der App mischt das Umweltbundesamt aus diesen drei Giftstoffen den sogenannten Luftqualitätsindex (LQI). Auf einer Skala von "sehr gut" bis "sehr schlecht" zeigt die Anwendung an, ob man bedenkenlos eine Runde durch die Stadt laufen kann. Bewegen sich alle drei Schadstoffwerte unterhalb der Grenzwerte, bleibt der Index im grünen Bereich. Sobald jedoch ein Wert die Schwelle überschreitet, schaltet die Ampel auf Gelb oder Rot.

Auf Platz eins der Gesundheits-Apps

Die Luft-App scheint gut anzukommen. Bereits kurz nach dem Start steht das kostenlose und werbefreie Tool bei Apple auf Platz eins der Kategorie "Gesundheit und Fitness". Die Nutzer des Google Play Stores haben die Anwendung mehr als fünftausend Mal heruntergeladen. Die Bewertungen bewegen sich zwischen 3,3 Sternen bei Google und 4,4 Sternen bei Apple. Viele Kommentatoren loben die übersichtliche Darstellung, kritisieren aber, dass die App nicht im Querformat angezeigt wird.

Design und Bedienung sind den Entwicklern gut gelungen. Die App ist nicht überfrachtet mit Messwerten, sondern zeigt lediglich die wichtigsten Daten an. Mit einem Tipp auf die Standorte öffnen sich Stationskacheln auf einer Karte, die aktuelle Werte und den Luftindex anzeigen. Die Kacheln lassen sich mit einfachen Wischbewegungen anordnen und in einer Favoritenliste speichern.

Ein Blick ins Archiv

Wer tiefer in die Statistik einsteigen will, kann im Archiv wühlen und in den Aufzeichnungen bis ins Jahr 2016 zurückspringen. Am Tagesverlauf lässt sich dann etwa ablesen, dass die Werte in der Nähe von Straßen mit Berufsverkehr häufig ansteigen und am Wochenende meist zurückgehen.

Doch sollte man vorsichtig mit den Werten umgehen. 400 Stationen sind nicht besonders viel, bezogen auf die Fläche ganz Deutschlands. Nicht immer lässt sich die Luftqualität von einer Station auf die komplette Nachbarschaft übertragen. Die Angaben sollten daher lediglich als Richtwerte interpretiert werden.

Darauf weist auch das Umweltbundesamt hin und teilt die Stationen in die Kategorien städtisch, verkehrsnah, industrienah und ländlich ein. Während die Messwerte von Messanlagen auf dem Land mitunter auch für hundert Kilometer entfernte Orte gelten könnten, schreibt die Behörde, könnten die Werte von verkehrsnahen Stationen "nur auf wenige hundert Meter entlang der Straße übertragen werden".



insgesamt 12 Beiträge
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märz123 26.08.2019
1. Die größte Feinstaub und Gift Quelle vergessen
Der Holzofen als dreckigste Methode Wärme zu erzeugen wird gar nicht erwähnt in diesem Artikel, fragen sie mal den kachelmann dazu.
Susi Sorglos 26.08.2019
2. Sehr dumm
Wir haben "Katwarn" und "Nina", die uns vor wer-weiß-was warnen könnten -beide melden derzeit nur Panik wegen Landregens. Nun noch sowas ? Haben wir bald 16 * x Apps, weil jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht ? Was soll das , liebe Steuerverbrenner ?
der_rookie 27.08.2019
3. Hm
An sich eine gute Sache. Ich persönlich nutze seit Jahren eine AQI (Air Quality Index) App für genau solche Zwecke. Aber man sollte schon zwei Nachrichten der letzten Monate im Hinterkopf haben: (1) Laut Leupoldia ist Feinstaub viel Gesundheitskritischer als NOx. Ich persönlich schaue seitdem immer auf den Feinstaub-Einzelindex, nicht auf den Gesamtindex. (2) Laut einer Studie aus München sind die Messwerte aus städtischen Messstationen nicht geeignet um einen Durchschnittswert für die Stadt zu ermitteln. Ich muss also wissen wo ich mich bewegen möchte und wo die Messstation steht: Wenn ich in einem Park joggen gehe will, dann werde ich deutlich bessere Luft atmen als eine Messstation an einer Hauptstraße in der Nähe anzeigt - natürlich gilt auch dass ein Joggingweg an Strassen viel schlechtere Luft verspricht als eine Messstation in einem Grünviertel anzeigt
5b- 27.08.2019
4. Ausprobiert
Habe die Applikation kurz ausprobiert. Sie bereitet öffentlich zugängliche Informationen auf, die auf das Bundesgebiet beschränkt sind. So weit, so banal. Das World Air Quality Project hat eine Webseite (aqicn.org) die weltweit alle öffentlich zugänglichen Luftqualitätsdaten aufbereitet. Interessanterweise scheint diese dieselben Daten leicht anders zu interpretieren. Zum Testzeitpunkt war Reutlingen im gelben moderaten Bereich wobei die LBA App eine grünen anzeigte. Da sich die App nur auf das Bundesgebiet beschränkt, hat man keinerlei Vergleich mit anderen Ländern. Wenn man auf der oben genannten Webseite aber weltweit vergleicht, ist es interessant wie es in Städten wie Neu Delhi oder Peking aussieht. Man merkt sofort, dass die Messtationen meist in der Nähe von gefährdeten Gebieten aufgestellt sind. Die meisten Messwerte sind also wirklich nur für Städter im Einzugsgebiet der Messtationen aussagekräftig. Die Stationen sind bestimmt kostspielig im Unterhalt. Man würde aber dennoch ein Vielfaches mehr benötigen um wirklich abschätzen zu können wie die tatsächliche Lage ist. So wird in Stuttgart nah an der Straße gemessen. Da muss man sich schon fragen warum. Wo lebt man denn? Man müsste ebenfalls in angrenzenden Wohngebieten messen und dann sogar innerhalb von Wohnungen. Wenn man das nicht tut wird man den Zusammenhang von schlechter Luft an der Straße mit der in angrenzenden Wohngebieten und in Wohnungen nicht bestimmen können. Wer wirklich besorgt ist, muss sich Messgeräte besorgen und selber messen. Allein ein Partikelmessgerät kostet um die 100€. Geht natürlich auch etwas billiger, die Geräte sind dann aber nicht gut bewertet.
Hans-Dampf 27.08.2019
5.
Dass die App informativ sein soll, mag ich nicht bewerten oder beurteilen. Was ist dann aber die Konsequenz aus der Info? Ich kann ja das Atmen nicht vermeiden.
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