Smartphone-Geld Google kündigt Bezahldienst an - und wird verklagt

Google prescht vor: Mit seinem Handy-Bezahlsystem Wallet will der Konzern den Geldbeutel überflüssig machen. Die Vorstellung wird überschattet von einer Klage des Wettbewerbers Paypal - der Geheimnisklau wittert.

AP

New York - Die Reaktion kam prompt: Der Online-Bezahldienst Paypal hat Google Chart zeigen verklagt, kurz nachdem der Suchmaschinengigant ein Bezahlsystem für Android-Smartphones vorgestellt hatte. Am Donnerstag reichte Paypal seine Klage bei einem kalifornischen Gericht ein. Google habe Paypal-Manager Osama Bedier Anfang des Jahres abgeworben, um an Geschäftsgeheimnisse zu kommen, heißt es in der 28-seitigen Klageschrift. Diese würden jetzt für das neue Bezahlsystem Google Wallet genutzt.

Der Paypal-Manager soll vor vier Monaten die Seiten gewechselt haben, berichtet Fox News. Die Personalie sei dem damaligen Google-Chef Eric Schmidt und dem Google-Gründer Larry Page so wichtig gewesen, dass sie sich schon im vergangenen Jahr persönlich mit Bedier getroffen hätten.

Bedier ist derzeit bei Google als Vice President für Bezahlsysteme zuständig und war am Donnerstag bei der Vorstellung von Google Wallet in New York dabei. Nach langer Wartezeit hatte Google seinen Online-Gelddienst offiziell vorgestellt. Das Prinzip: Kunden an der Kasse brauchen lediglich ihr Handy vor ein Terminal zu halten, um ihren Einkauf zu bezahlen. "Ihr Handy wird zum Portemonnaie", versprach die zuständige Managerin Stephanie Tilenius am Donnerstag in New York. Auch Tilenius wird in der Klageschrift erwähnt: Sie wechselte vom Paypal-Mutterkonzern Ebay Chart zeigen im Jahr 2009 zu Google.

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Androidenfrühling: Samsung Nexus S
Bei der Google-Präsentation am Donnerstag stellte die Managerin außerdem den Dienst Google Offers erstmals im Detail vor. Damit will der Internetkonzern das boomende Schnäppchenportal Groupon angreifen. Nutzer bekommen Sonderangebote direkt in ihr E-Mail-Postfach. Google Offers startet im Sommer in den US-Städten New York, San Francisco und Portland und soll dann weiter ausgebaut werden.

Das Bezahlsystem Google Wallet wird zunächst im Rahmen eines Feldtests in New York und San Francisco eingeführt; im Sommer soll der Rest der Vereinigten Staaten folgen. Dabei kann der Nutzer nicht nur mit dem Handy bezahlen, sondern sich auch Punkte auf seiner digitalen Rabattkarte gutschreiben lassen. Mittelfristig will Google mit dem Handy das Portemonnaie mehr und mehr überflüssig machen und dort auch Flug- oder Theatertickets hinterlegen.

Kleine Testgruppe, große Aussichten

Vorerst kommt aber nur eine kleine Gruppe von Menschen in den Genuss des neuen Dienstes: die Besitzer einer Mastercard-Kreditkarte der Citibank und eines Google-Smartphones Nexus S im Netz des drittgrößten US-Mobilfunkanbieters Sprint. Google-Managerin Tilenius rechnet jedoch damit, dass das Bezahlen per Handy rasch populär wird und 2014 bereits die Hälfte aller Smartphones die nötige Technik besitzt.

Google setzt auf die Funktechnik NFC (Near Field Communication), mit der Geräte miteinander auf kurze Entfernung kommunizieren können. "Es ist viel sicherer als Ihre Kreditkarte, die Sie in der Tasche haben", versicherte Tilenius. Passwörter sowie die Verschlüsselung der Daten sollen verhindern, dass Unbefugte mit dem Handy zahlen.

Tilenius versprach, dass Google Wallet ein offenes System sei. Nach Angaben des Unternehmens müssen Partner keinerlei Gebühren für die Nutzung zahlen. Es werde auch keine Bevorzugung Einzelner geben. "Jeder Partner kann mitmachen." Zu den ersten beteiligten Händlern zählen die US-Kaufhauskette Macy's, die amerikanischen Fastfood-Läden von Subway und die Wallgreens-Drogeriemärkte.

Der Vorstoß von Google könnte Signalwirkung haben. Seit Jahren wird über mobile Bezahlsysteme gesprochen, aber getan hat sich nicht viel. Noch immer dominieren Bargeld oder die Bank- und Kreditkarten. Da Googles Android inzwischen das Smartphone-Betriebssystem mit dem größten Nutzeranteil ist, wird dem Internetkonzern eine starke Position in dem entstehenden Markt vorhergesagt.

ore/dapd/dpa

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
hjka 27.05.2011
1. was soll denn das für ein Geheimnis sein?
Zitat von sysopGoogle prescht vor: Mit seinem Handy-Bezahlsystem Wallet will der Konzern den Geldbeutel überflüssig machen. Die Vorstellung wird überschattet von einer Klage des Wettbewerbers Paypal - der Geheimnisklau wittert. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,765180,00.html
so fortschrittlich ist das nun auch nicht. Die Kenianer benutzen dies schon seit zwei Jahren, andere afrikanische Staaten noch viel länger. Aus dem einfachen Grund weils dort keine Bankautomaten gibt und die Banken sehr selten sind.
blob123y 27.05.2011
2. Dieses Paypal Intermezzo wuerde ich eher als Unsinn antun
die Idee das Google einen online Bezahldienst macht ist schon so alt wie Paypal selbst, die haben die noetigen Resourcen seit Jahren, der Schmidt hat das bloss verschlafen wie anderes auch. So einen Bezahldienst zu implementieren ist doch nichts besonderes, das kann ein jeder mit dem noetigen "Gewicht". Ich kann z.B. seit wenigstens 3 Jahren in jeden 7-11 Shop in Thailand mit diesen "Wallet" zahlen, ist eher ein "alter Hut", so what, das Problem ist es durchzusetzen, dazu braucht man viel Geld, na und Google hat das.
micha-mille 27.05.2011
3. Ich könnte mir...
...vorstellen es zu benutzen. Aber nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Alerdings möchte ich erstmal wissen, wie da die Sicherungsmaßnahmen sind. Wenn ich meine Geldbörse verliere ist "nur" der Bargeldbetrag weg. Bin da etwas konservativ. ;-)
thomasqin 27.05.2011
4. Support
die Idee das Google einen online Bezahldienst macht ist schon so alt wie Paypal selbst, die haben die noetigen Resourcen seit Jahren, der Schmidt hat das bloss verschlafen wie anderes auch.
Lutz Richter 27.05.2011
5. solange Google ...
seine Lücken im Android nicht schließt spielt sich bei mir nix ab.
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