Snakecity.de Webshop schaltet Internet-Pranger ab

Auf dem Portal snakecity gab's für Online-Shops wenig zu lachen: Sie wurden als "Betrüger" an den Pranger gestellt. Einem besonders heftig kritisierten Internetladen wurde die Sache zu bunt, er besorgte sich über einen Anwalt die Domain. Ergebnis: Das Forum ist offline.

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Snakecity.de: "Wir beißen zurück"

Snakecity.de: "Wir beißen zurück"

Im E-Commerce kann eine Menge schief gehen. Da werden Pakete falsch gepackt, an die falsche Adresse geschickt oder gehen beim Versand verloren. Immer wieder berichten geprellte Käufer von Tricksereien und Betrügereien - nicht nur auf der Auktionsplattform eBay passieren solche Dinge. Auch unter den klassischen Online-Versendern von Computerzubehör, CDs oder Heimelektronik gibt es schwarze Schafe.

Auf der Website snakecity.de haben Kunden bis vor wenigen Tagen ihre (schlechten) Erfahrungen über diese und jene Firma zusammengetragen. Der Frust mancher Forumsteilnehmer saß tief. In langen Beiträgen schilderten sie die Odyssee eines bestellten Prozessors und ihres Geldes. Wer wen wann angerufen und angemailt hat, wird genauestens aufgedröselt. Und natürlich, warum dies oder das laut BGB verboten ist und warum die Firma xy verboten gehört.

Snakecity glich einem virtuellen Pranger - und das war von den Machern des Portals auch so gewollt. "Vorsicht, wir beißen zurück", stand unter dem Logo der Seite, "Betrug? Onlinekauf? Vorkasse keine Ware?" in der Kopfzeile des Browsers.

"Ware nicht im Karton!!!"

Auf einer schwarzen Liste hatten mehr als 2500 Geschädigte die Schadenssumme von 948.039 Euro zusammengetragen. Zu den am meisten kritisierten Firmen gehören DieKamera.com, bytepro.de und die norwegische Firma Norsk-IT. Norsk-IT hat in der Branche nicht den besten Ruf - unter anderem, weil die Firma Kunden Auslandsbankgebühren berechnete, wenn diese ihr zweiwöchiges Rückgaberecht wahrnahmen.

Insgesamt 500 Beiträge haben sich über die norwegische Firma angesammelt. "Vorkassebetrug von Norsk-II", "Per Nachnahme bestellt: Ware nicht im Karton!!!" oder "Norsk-IT für sein Gebaren abstrafen" lauten die Forumseinträge.

Bei Norsk-IT fühlte man sich zu unrecht angeschwärzt. Immer wieder diskutierte auch ein Herr M. Meyer von der Norsk-IT-Vertriebsleitung im Forum mit: "Warum haben wir viele sehr zufriedene Kunden, die 20-mal und mehr problemlos bestellt haben, und warum heulen sich widerrufende Kunden die Augen aus?", fragte er einen Firmenkritiker.

Norsk-IT-Chef Christian Böhme sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE, falsche Behauptungen über seine Firma seien trotz Intervention bei snakecity.de nicht entfernt worden. "Snakecity hat uns gesagt, dass sie keine Gegendarstellungen veröffentlichen."

Domain gekapert?

Das Hauptproblem der Seite sei, dass ihre Betreiber postalisch nicht erreichbar seien. Die bei dem deutschen Domainverwalter Denic hinterlegte Adresse habe sich als falsch herausgestellt. "Wie wollen Sie jemand verklagen, der ein Phantom ist?", fragte Böhme.

Um die Seite endlich vom Netz zu bekommen, intervenierte der von Norsk-IT beauftragte Anwalt Andreas Opitz beim Provider von snakecity und bei der Denic. Weil Klagen gegen snakecity nicht zugestellt werden konnten, reichte der Provider die Domain schließlich zurück an die Denic, und diese gab sie frei. Anwalt Opitz registrierte snakecity.de daraufhin sofort auf seinen Namen - seitdem ist das Verbraucherforum offline.

Die Betreiber reagierten jedoch sehr schnell und leiteten ihre Inhalte auf die Domain snakecirty.de um. "Heute am 16.08.2004 sind wir unserer Domain beraubt worden", heißt es auf der Ersatzseite. Es bestehe der "dringende Tatverdacht des Betruges", schreibt ein Nutzer namens SnakeCity-Admin. "Hier werden mit Sicherheit noch sehr viele Köpfe rollen."

Snakecirty.de wurde laut Denic-Datenbank von der Berliner Firma Seralux GmbH registriert. Ob es diese GmbH tatsächlich gibt, ist unklar. In Telefonbüchern taucht sie nirgends auf. Nach Informationen von heise.de existiert beim zuständigen Amtsgericht Charlottenburg kein Handelsregistereintrag für diese Firma.

"Mehrere Unternehmen ruiniert"

Norsk-IT verteidigte sein Vorgehen: "Das Internet ist kein rechtsfreier Raum." Unternehmen mit Rufmord zu bedrohen, ohne das diese sich mit rechtsstaatlichen Mitteln dagegen wehren könnten, sei nicht hinnehmbar. "Einen 'Internet-Pranger' mit mutmaßlich unrichtigen Denic-Einträgen zu realisieren, ist keine dauerhafte Lösung." Böhme erklärte, falsche Behauptungen auf snakecity.de hätten "mehrere Unternehmen ruiniert".

Verbraucherportale haben sich in den vergangenen Jahren als ausgezeichnete Möglichkeit etabliert, Informationen über unseriöse Firmenpraktiken zügig zu verbreiten. Schon mancher Großkonzern wurde von der Macht eines scheinbar unbedeutenden Forums überrascht.

Allerdings sind derartige Foren alles andere als unumstritten. "Die Grundidee ist gut", sagte Björn Bartsch vom IT-Versender Alternate im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Leider werden Verbraucherportale aber auch von Wettbewerbern missbraucht." Bartsch weiß von Fällen, in denen Konkurrenzfirmen gezielt schlechte Bewertungen über sein Unternehmen verfassen ließen.

Volkssport Anschwärzen

Und offenbar lobt sich manches Unternehmen auch gern selbst, wenn die Kritik überhand nimmt. Beim Mobilfunker Mobilcom tauchen neben harscher Kritik an der Kundenbetreuung auch immer wieder Texte auf, die ein PR-Texter nicht besser hätte schreiben können. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Bartsch sieht das Problem auch bei den Forumsteilnehmern selbst: "Einzelne Verbraucher suchen den Fehler niemals bei sich." Was dann geschrieben werde, reiche nah an den Tatbestand der Rufschädigung heran. "Wir haben uns aber entschlossen, nicht darauf zu reagieren", erklärte der Alternate-Sprecher.

Norsk-IT wählte den Klageweg. Seine Aktion versteht Firmenchef Böhme nicht als generellen Kreuzzug gegen Verbraucherportale. "Wir haben nichts gegen ein Forum, auf dem Kunden aufgeklärt werden. Auch halten wir generell ein Forum für sinnvoll, in dem über unseriöse Unternehmen diskutiert werden kann, die Vorauskassen unterschlagen und keine Ware ausliefern oder sonstige Straftaten begehen."

Allerdings dürften keine falschen Tatsachenbehauptungen oder beleidigenden Inhalte veröffentlicht werden. "Bei Portalen wie Ciao.de und Dooyoo.de habe ich ein Impressum, um mich zu beschweren. Falls eine Klärung auf diesem Weg nichts bringt, dann ergreife ich Rechtsmittel."

Anlass für Kritik am Geschäftsgebaren von Norsk-IT sieht Böhme keine: "Die Auslandsgebühr beim Rückabwickeln von Bestellungen erheben wir nicht mehr."



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