Archiv in der Arktis GitHub legt Softwarecode für tausend Jahre auf Eis

Der Onlinedienst GitHub will den Code wichtiger Programme archivieren, für "zukünftige Historiker". Im norwegischen Spitzbergen hat die Firma dafür eine alte Kohlemine ausgewählt.

Github eröffnet ein "Arctic Code Vault" auf Spitzbergen
archiveprogram.github.com

Github eröffnet ein "Arctic Code Vault" auf Spitzbergen


Die Software-Austausch-Plattform GitHub will am 2.2.2020 beginnen, alle aktiv betreuten öffentlichen Code-Bestände seiner Plattform zu verewigen. Die Microsoft-Tochter ist die weltgrößte Plattform für Software-Entwickler und will sicherstellen, dass "zukünftige Historiker von unseren Open-Source-Projekten und Metadaten lernen können", wie es auf der Projekt-Website heißt.

Dazu wird der Code auf mit Silber-Halogeniden beschichteten Polyester-Filmen gespeichert. Entwickelt hat diese Technik die norwegische Firma Piql, die zusammen mit dem staatlichen Bergbauunternehmen SNSK ein Daten-Archiv in "Grube 3" auf Spitzbergen angelegt hat - in einer stillgelegten Kohlemine im Permafrost. Dort sollen die Filme mindestens tausend Jahre überdauern können, in einem mit Stahl ummantelten Container, der wiederum in einer versiegelten Kammer steht. GitHub wird dann der größte Kunde der Norweger sein, bisher liegen in "Grube 3" schon Dokumente aus dem Vatikan und, so schreibt "Bloomberg Businessweek", "das Rezept für die Spezialsoße einer gewissen Burgerkette".

Keine Probleme "in der absehbaren Zukunft"

Zu den Partnern von GitHub gehört die bereits 1996 gegründete Digital-Bibliothek Internet Archive sowie Microsofts Projekt Silica. Dessen Wissenschaftler haben kürzlich den Film "Superman" von 1978 mit einem speziellen Laser auf eine Quarzglas-Scheibe gebrannt, die sich auch in 10.000 Jahren noch auslesen lassen soll.

Die Gegend sei "vom Klimawandel betroffen", räumt GitHub ein, aber "es ist wahrscheinlich, dass dies in der absehbaren Zukunft nur auf die äußeren paar Meter des Permafrostbodens zutrifft". Man erwarte nicht, dass die Erwärmung die Stabilität der Mine beeinträchtigt. Dass nur eine Meile entfernt der berühmte Saatgut-Tresor Global Seed Vault liegt, "verstärkt den Status" der Gegend als "stabilen Langzeit-Standort für das kollektive Wissen der Menschheit".

Doch genau die zeigt, wie wackelig die Sache mit der "absehbaren Zukunft" ist. Wegen unerwartet hoher Temperaturen ist dort nämlich schon mehrfach Wasser zumindest in den Zugangstunnel eingedrungen, sodass die Betreiber nachbessern mussten. Auf Spitzbergen wird deutlich, wie schnell Prognosen zum Klimawandel veralten - weil alles noch viel schneller geht als erwartet.

pbe

insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
elmarwa 14.11.2019
1.
Wären solche Archive in Wüstengegenden nicht besser aufgehoben? Der Klimawandel wird ja wohl kaum dort all zu viel verändern ...
goerch67 14.11.2019
2. Wozu?
Erscheint mir relativ sinnlos. Entweder die Menscheit besteht weiter, dann wird sie wohl kaum Programme aus dem Jahr 2020 brauchen. Oder sie stirbt aus. Dann wird es aber wohl etwas länger als 1000 Jahre dauern, bis irgendwas Neues nachgekommen ist.
Heinrich Peter Maria Radojewski Schäfer von Leverkusen 14.11.2019
3. Speichern – lagern – zugreifen - lesen
Was ist denn als Zugriffsmaßnahme auf die Datenbestände vorgesehen? Da nur zu überdauern ist nur die halbe Miete. Wie und wer kann diese Daten denn wann und mit welcher Technik lesen? Wer darüber Bescheid weiß sollte einen Artikel schreiben.
Sissy.Voss 14.11.2019
4. Irgendwie
Zitat von goerch67Erscheint mir relativ sinnlos. Entweder die Menscheit besteht weiter, dann wird sie wohl kaum Programme aus dem Jahr 2020 brauchen. Oder sie stirbt aus. Dann wird es aber wohl etwas länger als 1000 Jahre dauern, bis irgendwas Neues nachgekommen ist.
Irgendwie scheint Ihnen der Beruf eines Historikers nicht wirklich etwas zu sagen. Historiker versuchen nicht, die Umstände des Mittelalters in die Gegenwart zu übertragen und zu nutzen, sowenig wie Archäologen Steinwerkzeuge studieren, um Messer für heute herzustellen.
Newspeak 14.11.2019
5. ....
Code für 10.000 Jahre speichern zu wollen ist sinnlos, wenn man heute schon kaum noch 20 Jahre alte Floppy discs lesen kann. Das ideale Speichermedium, historisch betrachtet, sind menschenlesbare Tontafeln. Menschenlesbare Bücher schlagen sich auch ganz gut. Alles, was ein Gerät zum Lesen braucht, wird in absehbarer Zeit unlesbar sein, vor allem, wenn der Fall eintritt, für den man plant, nämlich eine grosse Katastrophe.
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