Software-Lösung Puzzle-Scanner für die Stasi-Schnipsel

Die Stasi-Unterlagenbehörde sitzt auf 16.000 Sack Papierschnipseln. Die wieder zu Akten zurecht zu kleben, würde geschätzte 400 Jahre dauern. Per Software und Scanmaschine ginge das auch in fünf Jahren, behauptet das Fraunhofer-Institut. Aber kann und will der Bund das bezahlen?


Technologische Lösung: Eingescannte Schnipselformen werden am Bildschirm montiert
DPA

Technologische Lösung: Eingescannte Schnipselformen werden am Bildschirm montiert

In Zeiten mauer Kassen ist das Thema Geld stets ein sensibles. Zurzeit bekäme gern die Stasi-Unterlagenbehörde eine Investment-Spritze "deutlich unter 60 Millionen Euro", wie Behördensprecher Christian Booß erklärte. Die würde die Behörde gern in eine vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik und der Lufthansa Systems Group gemeinsam entwickelte Puzzle-Technologie stecken.

Denn die hat es in sich, so wie das Puzzle, um das es geht: zerrissene Stasi-Akten, abgefüllt in rund 16.000 Säcke. Derzeit puzzeln die Mitarbeiter per Hand, ein Job, der noch auf viele Generationen gesichert wäre: Gute 400 Jahre würde es dauern, alles wieder zu lesbaren Dokumenten zu montieren.

Dagegen würde das automatisierte Verfahren, bei dem Scanner Form und Farbe der Schnipsel registrierten und auf dem Bildschirm zu fertigen Dokumenten montierten, mit der Fetzenflut wohl binnen fünf Jahren fertig. Einer der Vorteile: Strafrelevante Inhalte könnten noch zu Lebzeiten der Täter erkannt und verfolgt werden. Zusätzliches Personal brauche man dafür nicht, versichert die Behörde. Jetzt steht die Entscheidung aus: Unklar ist, ob und wann der Bundestag

...und zu lesbaren, eventuell beweiskräftigen Dokumenten rekonstruiert
DPA

...und zu lesbaren, eventuell beweiskräftigen Dokumenten rekonstruiert

das Projekt bewilligt.

Der Stasi war es in den Tagen des Zusammenbruchs des SED-Regimes nicht gelungen, die Schnipselberge noch beiseite zu schaffen. 15 Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde setzen die Teile aufwendig per Hand zusammen. Den Inhalt von 250 der 16.000 Säcke haben sie schon geschafft.

Möglich machten das nicht zuletzt die ordnungsliebenden Beamten von der Stasi. Sie stopften die Fetzen ihrer Dokumente fein säuberlich in bereitstehende Säcke und sorgten so dafür, dass sich die Schnipsel eines Dokumentes in aller Regel auch in ein und demselben Sack befinden.



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