Geleakte E-Mails Sony bekam vor dem Hackerangriff einen Erpresserbrief

Kurz vor dem großen Sony-Hack ging bei dem Unternehmen offenbar ein Erpresserbrief per E-Mail ein. Unbekannte forderten Geld und drohten mit "Bombardement".

Zentrale von Sony Pictures Entertainment in Culver City: E-Mails von Spitzenmanagern veröffentlicht
AP/dpa

Zentrale von Sony Pictures Entertainment in Culver City: E-Mails von Spitzenmanagern veröffentlicht


San Francisco - Die Hacker, die gigantische Datenbestände beim Hollywood-Studio Sony Pictures kopiert haben, wollten laut einem Medienbericht zunächst Geld erpressen. Das gehe aus im Internet veröffentlichten E-Mails von Sony hervor, berichtet der Branchendienst "Computerworld".

Demnach kontaktierten Unbekannte bereits drei Tage vor dem Angriff die Firma: Sie hätten einen "großen Schaden" durch die Firma erlitten, den das Unternehmen finanziell wieder gutmachen soll, erklärten sie. "Sonst wird Sony Pictures als Ganzes bombardiert". Eine konkrete Summe wird in dem Schreiben nicht genannt.

Die Nachrichten stammen aus den Mailboxen zweiter Sony-Spitzenmanager. Der Inhalt der Postfächer ist am Montag im Netz veröffentlicht worden. Unter Tausenden anderen Nachrichten findet sich laut "Computerworld" auch die erpresserische Botschaft.

Erpresserbrief kam von einem Gmail-Konto

Sie ist datiert auf den 21. November und trägt die Betreffzeile "Notice to Sony Pictures Entertainment", laut dem Bericht kam sie von einem Konto beim Google-Dienst Gmail. "Sie kennen uns. Wir warten nie lange. Sie verhalten sich besser vernünftig", hieß es dort zu einer nicht näher bezifferten Geldforderung.

Die Hacker hatten bei dem Angriff vor knapp zwei Wochen gewaltige Datenmengen kopiert und anschließend in mehreren Tranchen veröffentlicht. Darunter waren mehrere bislang unveröffentlichte Filme sowie interne Unterlagen. Unter den veröffentlichen Datensätzen fanden sich auch private E-Mail-Wechsel.

In den vergangenen Tagen war spekuliert worden, Nordkorea könnte hinter dem Angriff stehen. Als möglicher Auslöser gilt die Komödie "The Interview", in der zwei US-Journalisten beauftragt werden, den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zu töten.

Im Namen der Hackergruppe "Guardians of Peace", die die Verantwortung für den Angriff übernahm, wurde inzwischen auch gefordert, den Film zu stoppen, wie die Tech-Nachrichtenseite "Ars Technica" berichtet. Nordkorea bestritt offiziell eine Beteiligung an der Attacke. Tatsächlich wäre es auch kurios, wenn jemand, der einen Film bekämpfen will, ihn für jedermann zugänglich und kostenlos ins Netz stellte.

juh/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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mhicheal 09.12.2014
1. Kurios?
"Nordkorea bestritt offiziell eine Beteiligung an der Attacke. Tatsächlich wäre es auch kurios, wenn jemand, der einen Film bekämpfen will, ihn für jedermann zugänglich und kostenlos ins Netz stellte." Das wäre in der Tat kurios. Da aber der mutmaßlich zu bekämpfende Film eben nicht zu jenen gehört, die im Nachgang des Sony-Hacks ins Netz gestellt wurden, macht dieser Satz herzlich wenig Sinn.
Blauer Storch 09.12.2014
2. Streisand Effekt
Falls es wirklich die Nordkoreaner waren (und die ganze Aktion ist derart kopflos, dass ich es für wahrscheinlich halte), dann werden sie jetzt Bekanntschaft mit dem "Streisand-Effekt" machen. Der Film, für den sich bislang kaum jemand interessierte, wird jetzt erst richtig bekannt.
mic123 09.12.2014
3.
Diese ganzen Diskussionen, in allen Fällen, von wo ein Angriff kommt, ist doch Blödsinn, wenn man es technisch betrachtet. Gibt doch keine zuverlässige Aussage, ob genau dieser Rechner nicht auch gekapert wurde bzw. der Traffic über ganze Ketten von Zombies läuft. Wäre schön, wenn in Artikeln auf diesen Umstand hingewiesen werden könnte. So werden die Leser nur in die Irre geführt, aus welcher Motivation auch immer.
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