Hackerangriff auf Sony Interne E-Mails offenbaren Snapchats große Ambitionen

Snapchat hat offenbar noch viel vor: Durch den Sony-Hack sind Interna ans Licht gekommen. Demnach hat das Unternehmen eine Videobrillen-Firma übernommen und plant ein eigenes Musikangebot.
Snapchat-App auf einem Smartphone: Milliarden-Offerte abgelehnt

Snapchat-App auf einem Smartphone: Milliarden-Offerte abgelehnt

Foto: Jens Büttner/ dpa

Seit Tagen veröffentlichen unbekannte Kriminelle gigabyteweise Material aus einem Dateneinbruch bei Sony. Darunter sind auch Gehaltslisten und Informationen über künftige Filmprojekte. Angeblich haben die Hacker insgesamt 100 Terabyte Daten aus dem Netzwerk des japanischen Konzerns kopiert. Nun sind durch den Hackerangriff  auch interne Details über den Foto-Chat-Dienst Snapchat bekannt geworden.

Snapchat ist eine kostenlose App, mit der sich Fotos und Videos mit Verfallsdatum verschicken lassen. Nach ein paar Sekunden verschwinden Partyaufnahmen und Spaß-Clips wieder - nicht so wie bei Facebook, wo den Nutzern einige geteilte Partyerinnerungen später peinlich sind. Obwohl die Firma so gut wie keine Umsätze macht, soll sie angeblich bis zu zehn Milliarden Dollar wert sein.

Aus nun veröffentlichten E-Mails geht unter anderem hervor, dass Facebook für eine Übernahme von Snapchat bereit gewesen wäre, mehr als die damals geschätzten drei Milliarden Dollar zu zahlen. Wie das Blog "Valleywag " schreibt, hat der Chef von Sony Entertainment, der Investor bei Snapchat ist, das in einer E-Mail an den Autor Malcom Gladwell bestätigt.

Milliarden-Offerte abgelehnt

Gladwell hatte gefragt, ob Snapchat wirklich so verrückt sei, drei Milliarden Dollar abzulehnen. Sony-Manager Michael Lynton antwortete daraufhin, dass die tatsächliche Summe sogar noch höher gewesen sei. Der Investor Om Malik  hatte im vergangenen Jahr behauptet, erst habe Facebook drei Milliarden, dann Google vier Milliarden für die App geboten. Doch die Gründer lehnten schließlich ab.

Aus E-Mails geht außerdem hervor, dass Snapchat die Firma Vergence Labs für elf Millionen Dollar und vier Millionen Dollar in Aktien übernommen hat. Das Unternehmen hat eine Brille entwickelt, die mit einer im Gestell versteckten Kamera Videos aufnehmen kann - die sogenannte Epiphany Eyewear. Das berichtet "Business Insider ". Bekannt ist nun auch der Kaufpreis für AddLive, eine ebenfalls von Snapchat übernommene Firma für Echtzeit-Videochat. Offenbar zehn Millionen Dollar und 20 Millionen Dollar in Aktien sollen gezahlt worden sein.

Auch über einen Musikdienst denkt Snapchat offenbar nach. In der Vergangenheit hat die Firma Musik in Werbevideos beworben und den Nutzern zum Teil Links angeboten, die auf entsprechende Angebote in einen Online-Shop verwiesen. Aus E-Mails geht hervor, dass sich Snapchat-Chef Evan Spiegel mit Sony-Managern deswegen getroffen hat. Die Idee: Snapchat könnte seinen Nutzern neue Musik vorstellen. Auch mit dem Musikvideodienst Veto gab es offenbar Gespräche, berichtet "TechCrunch ".

Traumpaarung aus Snapchat und Twitter?

Streng geheim "wie immer" soll auch die Übernahme der Firma Scan.me abgelaufen sein, geht aus E-Mails eines Snapchat-Managers an den Investor Lynton hervor. Die Firma ist auf QR-Codes und iBeacons spezialisiert. 14 Millionen Dollar und 36 Millionen in Aktien war Snapchat die Übernahme offenbar wert. Die von den Kriminellen kopierten E-Mails zeigen, wie Snapchat versucht, von einer einfachen App zu einer Plattform zu werden - und dazu Firmen, Ideen und fähige Entwickler an sich bindet.

Auch einen Hinweis auf eine mögliche Kooperation mit Twitter gibt es: Snapchat-Chef Spiegel traf sich offenbar Anfang dieses Jahres mit Twitter-Chef Dick Costolo. Neben technischer Hilfe für Snapchat sollen auch Ideen für eine Zusammenarbeit diskutiert worden sein. Bisher ist davon aber nichts bekannt geworden. "TechCrunch" merkt an, dass sich die Firmen gut ergänzen würden: Twitter speichert meist öffentliche Nachrichten für immer, Snapchat meist private Nachrichten wenige Sekunden.

ore