Musik-Streaming SoundCloud verteilt Geld für Künstler künftig anders

Bei Spotify, Deezer oder Apple profitieren vor allem bekannte Stars von den Einnahmen der Plattformen. SoundCloud will Kreative nun vor allem abhängig von ihrer Fangemeinde bezahlen.
»Gerechter und transparenter«: SoundCloud

»Gerechter und transparenter«: SoundCloud

Foto: Lionel Bonaventure / AFP

Der Musik-Streamingdienst SoundCloud will die Künstlerinnen und Künstler auf seiner Plattform künftig in erster Linie abhängig von der Anzahl ihrer Follower bezahlen. 90 Prozent der ausgeschütteten Lizenzgebühren würden dann nach dem Geschmack von 90 Prozent der Nutzer verteilt – und nicht wie bislang von 40 Prozent der Nutzer.

Durch die Umstellung könne eine Musikerin mit 124.000 SoundCloud-Followern ihre Gebühreneinnahmen pro Monat von 120 Dollar auf 600 Dollar (also etwa 500 Euro) steigern, teilte das Unternehmen mit. Solch ein Gebührenmodell sei »gerechter und transparenter« für aufsteigende und unabhängige Künstler. Die neue Abrechnungsmethode soll am 1. April starten.

Die meisten Streamingdienste wie Spotify, Deezer oder Apple bezahlen die Künstler aus einem großen Topf, in den Abogebühren und Werbeeinnahmen fließen. Megastars bekommen einen großen Teil des Geldes, für unbekannte Künstler bleiben nur Brosamen. Umgekehrt können sich auch die Fans nicht aussuchen, welche Musik sie finanziell unterstützen. Einer Studie des französischen Musikzentrums zufolge gehen zehn Prozent der Einnahmen von Spotify und Deezer an die zehn meistgehörten Künstler.

30 Millionen Kreative sind bei SoundCloud

Der Chef von SoundCloud, Michael Weissman, erklärte, die nun angekündigte Umstellung sei das, was viele im Musikgeschäft sich »seit Jahren« wünschten. SoundCloud könne unabhängige Künstler so besser unterstützen. Eine Folge der Umstellung sei auch eine größere Diversität der Musik.

SoundCloud war 2007 in Berlin gegründet worden. Auf der Plattform sind mehr als 250 Millionen Stücke von rund 30 Millionen Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt zu hören. 2019 hatte die Plattform rund 175 Millionen Nutzerinnen und Nutzer.

Sie steht nach eigenen Angaben »für das Teilen von Musik in sozialen Netzwerken, für den direkten Kontakt zu Künstlern, für die Entdeckung neuer Tracks, Demos, Podcasts und mehr«. Musik- und Audioersteller nutzten die Plattform sowohl, um ihre Inhalte einer internationalen Hörerschaft vorzustellen und damit Geld zu verdienen, als auch, um detaillierte Statistiken und Feedback aus der SoundCloud-Community zu erhalten.

pbe/AFP
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