Sicherheitsrisiko im Kinderzimmer US-Bürgerrechtler warnen vor Spähsoftware für Eltern
ComputerCop: Schnüffelsoftware im Kinderzimmer
Mit der Software ComputerCop sollen Eltern im Blick behalten, was ihre Kinder im Internet so alles anstellen. So lautet zumindest das Versprechen vieler Staatsanwälte und Polizeichefs in den USA.
Das Problem: Das zum Schutz der Kinder Programm ist den Datenschützern der Electronic Frontier Foundation (EFF) zufolge eine gefährliche Spähsoftware, die Tastatureingaben im Klartext auf der Festplatte speichert und unverschlüsselt ins Netz überträgt. Nach Schätzungen der EFF haben die Strafverfolgungsbehörden in den vergangenen Jahren hunderttausende bis hin zu mehr als einer Million Kopien der Software kostenlos an Familien verteilt.
Die EFF warnt Eltern ausdrücklich davor, die Software auf dem heimischen Rechner zu installieren. ComputerCop könne "die persönlichen Informationen einer Familie einem extrem hohen Risiko aussetzen, indem es die Eingaben über die Server von Drittanbietern unverschlüsselt überträgt", schreibt EFF-Mitarbeiter Dave Maass .
Mit der Software sollen Eltern eigentlich überprüfen können, welche Seiten ihre Kinder im Netz besuchen und welche Dateien sie herunterladen. Dafür speichert ComputerCop unter anderem die Tastatureingaben. Damit wird der Rechner aber zum Risiko für alle, die ihn benutzen. Denn mit der Software können nicht nur Kinder, sondern natürlich auch Ehegatten oder Bürokollegen ausgespäht werden.
Problematisch wird es vor allem, wenn man einen Laptop, auf dem ComputerCop installiert ist, mit einem öffentlichen W-Lan verbindet. Dann lassen sich die Tastatureingaben der EFF zufolge mit einer frei verfügbaren Spähsoftware ganz einfach abhören.
Staatsanwalt rät zum Abschalten
In einer E-Mail an die EFF weist Stephen DelGiorno, Chef der ComputerCop-Entwicklerfirma die Vorwürfe zurück: "Unsere Software ermöglicht Sexualstraftätern oder Identitätsdieben keinen leichteren Zugang zu den Rechnern der Kinder, da unser Keylogger mit den bereits bestehenden Mail- und Internetzugangsdiensten arbeitet, die der Computernutzer bereits aktiviert hat." Man wolle jedoch den Lizenzvertrag der Software um einen Passus erweitern, der klarstellt, dass keine persönlichen Daten von ComputerCop erhoben oder gespeichert werden.
Die EFF appelliert trotzdem an die Behörden, die Verbreitung der Software umgehend zu stoppen und Eltern davon abzuraten, ComputerCop zu benutzen. Ein US-Staat hat bereits reagiert. Der Bundesstaatsanwalt von San Diego ruft die Bürger dazu auf , die Keylogging-Funktion zu deaktivieren und den so genannten "Key Alert" zu deinstallieren.