Speed-Dating im Netz Zwei Minuten Fleischbeschau

Partnerbörsen im Netz boomen. Vom "Unikuscheln" bis zum "Elite Partner" soll hier jeder Herzenswunsch erfüllt werden. Und das immer schneller. Beim Speed-Dating hat man nur wenige Minuten Zeit, um das per Zufall ermittelte Herzblatt im Videochat kennenzulernen.
Von Cornelia Lütkemeier

Nein, die Idee kommt ausnahmsweise nicht aus den USA. Beteuern zumindest die Erfinder der deutschen Plattformen. Zwar startete bereits Ende vergangenen Oktobers die amerikanische Plattform " Woome " mit einem ähnlichem Konzept, hierzulande sei man aber schon im Sommer 2007 selbst auf den Einfall gekommen. Gleich zweimal.

"Wir haben den Film ' Shoppen ' gesehen und uns überlegt, das Ganze aufs Internet zu übertragen, so Peter Hoffmann, einer der drei Hamburger Gründer von meetya.com . Für Benett Springer, Miterfinder der Plattform kissnofrog.com  und ebenfalls aus Hamburg, spielte persönliche Erfahrung eine Rolle: "Wir waren gerade selbst Singles. Also haben wir uns auf Partner-Portalen angemeldet, um jemanden kennen zu lernen. Leider war das Ganze sehr kompliziert. Man wartet Wochen und bekommt selten eine Antwort von den Frauen. Live Kontakt hatten wir nie."

Frauen filtern ist nicht drin

Beide Portale bringen mit Speed-Dating ein neues Konzept online, bei dem lange Anmeldezeiten entfallen. Statt die Nutzer nach passenden Profilen suchen zu lassen, setzen die beiden Börsen auf den Überraschungsfaktor. Nach Geschlecht, Alter und Wohnort kann man bei Kissnofrog Leute suchen, bei Meetya bleibt alles außer dem Alter dem Zufall überlassen.

"Einigen wird das vielleicht nicht so gefallen", erklärt Peter Hoffmann, "uns hat zum Beispiel ein Mann geschrieben, dass er nur 1,63 m groß sei. Der wollte gern nach kleinen Frauen filtern." Er wolle dennoch bei seinem Konzept bleiben: "Partnerbörsen, auf denen man katalogartig auswählen kann, gibt es schließlich genug."

Während man bei Meetya für sieben Minuten mit einer zufällig ausgewählten Person schriftlich chattet, trifft man sich bei Kissnofrog live zur zweiminütigen Videokonferenz - die Macher wollen es vermeiden, dass man nach dem ersten Treffen enttäuscht den Kontakt abbricht, nachdem man lange immer nur gemailt hat. Auch Meetya plant einen Videochat.

Blind Date mit digitalem Anstands-Wauwau

Ohne dass eine Software installiert werden muss, laufen die Videosessions bei Kissnofrog per Flash über einen zentralen Server - und werden dort auch mitgeschnitten. Dieses Verfahren soll als Vorsichtsmaßnahme dienen, falls sich jemand über einen Nutzer beschweren sollte. "Für kommerzielle Zwecke werden die Aufzeichnungen auf keinen Fall verwendet", so Springer.

Theoretisch dürfen die Betreiber wie viele andere Plattformen jedoch die Profilbilder der Nutzer samt Nicknames ungefragt für Werbung verwenden - etwa für Banner im Internet. "Bisher haben wir aber immer um Erlaubnis gebeten", so Springer. Anonymisierte Aussagen können an Medien weitergegeben werden.

Noch gibt es nur einen Chat pro Tag bei Meetya, abends, etwa eine Stunde lang. Über die Zahl der Nutzer wollen die Betreiber nichts sagen, sie bewege sich "im einstelligen Tausenderbereich". Immerhin könne man bereits einen ersten Vermittlungserfolg vorweisen: "Zwei User waren wieder ausgetreten, mit der Begründung es hätte gefunkt und man bräuchte unsere Plattform nun nicht mehr", so Hoffmann. "Schlecht für uns, aber für die beiden freuen wir uns natürlich."

Das hat noch gefehlt: die Kontakt-Flatrate

Bei Kissnofrog sind nach Angaben Springers inzwischen 12.000 Leute registriert. Irgendwann sollen hier den ganzen Tag Sessions laufen - die Kernzeit liegt aber noch zwischen 18 und 22 Uhr. "Wir denken, dass die Seite ab 50.000 Nutzern so richtig läuft", so Bennet Springer.

Beide Plattformen wollen User von 20 bis 35 Jahren ansprechen. Das durchschnittliche Alter der Kissnofrog-Nutzer liegt bei ca. 26 Jahren, bei Meetya sind die Teilnehmer etwas älter.

Um neue Kunden zu gewinnen, bleiben beide Angebote zunächst kostenlos, Kissnofrog voraussichtlich bis Herbst 2008. Wie danach abgerechnet werden soll, steht noch nicht fest. Das amerikanische Woome erhebt eine Gebühr pro vermitteltem Kontakt.

Meetya spielt dagegen mit dem Gedanken, eine monatliche Kontakte-Flatrate einzuführen oder einen Festpreis für 100 Kontakte zu erheben. "Wir wollen preislich auf jeden Fall im unteren Segment bleiben, ähnlich wie Xing oder Friendscout", so Hoffmann. Kissnofrog setzt zudem immer stärker auf Werbung - unter anderem im StudiVZ. Kein Wunder- denn seit Februar ist die Verlagsgruppe Holtzbrinck, der das Portal gehört, auch an der Speed-Dating-Börse beteiligt.

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