Spider-Man 2 Spiel mit Schwung

Millionen Deutsche bestaunen momentan Spider-Man, wie er über die Kinoleinwand krabbelt und Manhattan vor Doc Ock rettet. Jetzt kann man selbst eingreifen: Das Game zum Film punktet mit Action und Atmosphäre. Aber es zeigt auch die Grenzen moderner Videospiel-Systeme.
Von Richard Löwenstein

Peter Parker ist ein unauffälliger junger Student, mit ausgewaschenen Klamotten am Leib, Brille vor den Augen und unschuldigem Ausdruck im Gesicht. Im Alltag gibt Peter Parker die graue Maus. Aber sobald Not am Mann ist, springt Parker in sein rotblaues Superhelden-Kostüm und rettet Menschen aus großer Not.

Klingt toll, aber so ein Leben hat auch Tücken: Der Film "Spider-Man 2" zeichnet das Portrait eines zerrissenen Menschen, der zwischen dem Dasein als Superheld und einer unglücklichen Romanze zu seiner Jugendliebe Mary Jane zu verzweifeln droht. Erst die Auseinandersetzung mit dem machtbesessenen Wissenschaftler Doc Ock hilft Spider-Man, die Balance zu finden.

Der Hollywood-Produktion gelingt eine überraschend sensible Zeichnung der Figuren. Genau an dieser Aufgabe scheitert das Spiel: Obwohl die Actionetappen durch kinoähnliche Kamerafahrten und Dialogszenen verknüpft sind, fehlt dem Helden ein markantes Profil - Peter Parker alias Spider-Man wirkt austauschbar gegen beinahe jede andere Videospielfigur, die mit tollen Kunststücken die Welt rettet.

Warum? Weil das Game Peter Parker fast nur als Superheld und nur einige wenige Minuten lang als normalen Menschen zeigt. Gestik und Mimik wirken flach, künstlich, leblos. Dass sich beim Spielen trotzdem ein angenehmes Kinoflair breit macht, liegt vor allem an der mitreißenden Filmmusik und den prima eingedeutschten Dialogen.

Action pur: Überzeugender Konsolen-Auftritt

Als Actiongame ohne cineastische Ambitionen betrachtet, macht "Spider-Man 2" nämlich eine prima Figur. Der Ablauf orientiert sich an dem roten Faden, den die Filmvorlage auslegt. Belesene "Spider-Man"-Liebhaber stellen erfreut fest, dass das Spiel zusätzlich einige Vorkommnisse aus den Comicvorlagen übernimmt. Beispielsweise stellen sich Electro und viele weitere Superschurken als Gegner zur Verfügung. Diese explosiven Auseinandersetzungen bieten einen Höhepunkt nach dem anderen. Den Raum dazwischen füllt eine temporeiche Mischung aus Nahkämpfen, Verfolgungsjagden und Geschicklichkeitstests.

Am meisten fasziniert die Bewegungsfreiheit. Wer der Handlung nicht folgen mag, kann frei Schnauze an Wolkenkratzern empor klettern, durch die Betonschluchten von New York City schwingen, serienweise Bonus-Aufgaben lösen und Extras frei spielen. Manhattan und die nähere Umgebung sind so lebensnah gezeichnet, wie das der aktuellen Spiele-Hardware möglich ist. Oben auf dem Empire State Building scheint Spider-Man förmlich im Wind zu frösteln, so hoch und kalt ist das hier! Beim Blick hinunter in die Straßenschluchten kann einem schwindlig werden.

PC-Version: Spinne auf Sparflamme

Allerdings sind nur die Versionen für Playstation 2, Gamecube und Xbox geprägt durch dieses großartige Gefühl der Handlungsfreiheit. Auf dem PC ist das anders, denn diese Version ist in vieler Hinsicht einfacher gestrickt. Will Spider-Man zum Beispiel per Tarzan-Schwung durch die Schluchten von Manhattan eilen, kann er mit seinen Spinnenfäden nicht mehr an beliebigen Häuserfassaden andocken, sondern nur an markierten Ankerpunkten. Das schränkt den Aktionsradius stark ein. Außerdem sind die Kämpfe anspruchslos ausgeführt und die Kulissen simpel gezeichnet.

Laut Hersteller Activision ist das so, weil die PC-Fassung für eine jüngere Zielgruppe gedacht sei. Ja klar: Als ob 12-jährige reizvolle Bilder nicht zu schätzen wüssten und sich gerne von einer schlecht funktionierenden Hardware-Erkennung ärgern lassen. Sie bewirkt, dass das Spiel die Leistungsfähigkeit des PC manchmal falsch einstuft.

Auf Systemen mit wenig bis mittlerer Power hat das stark ruckende Bilder zur Folge, solange man nicht eigenhändig Detailgrad und Sichtweite herunter regelt. Einziger Pluspunkt der PC-Fassung: Die Bedienung mit Maus und Tastatur geht von der ersten Minute an locker von der Hand. Konsolen-Besitzer brauchen etwas Training, bevor ihnen die Steuerung in Fleisch und Blut übergeht.

"Spider-Man 2" (Activision) ist ab sofort für Windows-PC, Playstation 2, Gamecube, Xbox und Game Boy Advance erhältlich und von der USK ab 12 Jahren frei gegeben. Der Preis liegt bei etwa 40 bis 60 Euro, je nach Version. Die PC-Fassung setzt laut Hersteller 128 MB RAM, einen Prozessor mit 600 Mhz und eine 3D-Grafikkarte voraus. Dann muss man allerdings ruckende und detailarme Bilder in Kauf nehmen. Wer ahnsehnliche Grafik genießen will, braucht mindestens 1,5 Ghz und 256 MB RAM.

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