Spider-Man Eine Spinne macht Karriere

Spider-Man und kein Ende: Marvels altgedienter Comic-Held macht auf seine alten Tage richtig Dampf, erobert nach den Kinoleinwänden jetzt auch die Welt der Videospiele. Die Überraschung ist (fast) perfekt: Zur Abwechslung taugt das Spiel zum Film mal etwas.
Von Richard Löwenstein

Videospielen wird häufig nachgesagt, sie würden Kinofilmen immer ähnlicher - jetzt, wo die Hardware Erzählungen in lebendigen Bildern zulässt. Bisher jedoch haben Spiele-Umsetzungen des Cinemascope-Formats einen schlechten Ruf. Die Mitmach-Fassungen trödeln oft Monate nach den Kino-Erfolgen an und interessieren bei Erscheinen niemand mehr. Oder sie sind rechtzeitig da, aber als Schnellschüsse aus der Hüfte der Hersteller: mit simplen Inhalten meilenweit am Geschmack der Daddler vorbei gezielt.

Spiel im Cinemascope-Format

Da ist "Spider-Man" eine Überraschung: Der US-Hersteller Activision kam pünktlich zum Kino-Termin in die Pantoffeln, und das mit einem alles in allem erlebenswerten Projekt. Das Action-Abenteuer "Spider-Man - The Movie" folgt inhaltlich der Filmvorlage: Der unauffällige Student Peter Parker lässt sich von einer genmanipulierten Spinne beißen und entwickelt daraufhin geheimnisvolle Kräfte. Seine Fähigkeiten setzt Parker zunächst als Wrestler ein, doch schon bald erstarkt in ihm ein Superheld: Spider-Man ist geboren, und New Yorks Kriminelle haben ein schweres Leben, allen voran der schurkische Green Goblin.

Spielablauf und Position der Kamera hinter dem Rücken des Helden erinnern an das populäre Actionabenteuer "Tomb Raider". Spider-Man rennt, hüpft, klettert und kämpft ähnlich wie dessen Heldin Lara Croft. Er bevorzugt aber Spinnen-Fäden als Fortbewegungsmittel: Diese Fäden schießen Spider-Man aus den Fingern und dienen ihm als Lianen der Lüfte - ein Tarzan der Großstadt. Die einfache Steuerung schafft es, dass Spider-Man sozusagen durch die Schluchten New Yorks fliegt. Dazu hüpft er von Dach zu Dach, klettert die Wände rauf und runter, an Decken entlang und öfter mal in Gebäude hinein. Diese Bewegungsfreiheit hat ihren Reiz: Es macht Spaß, New York innen und außen zu erkunden, selbst ohne den gestellten Aufgaben ernsthaft nach zu gehen.

Die Folgen des 11. September

Nahkämpfe gegen Banditen-Scharen und einzelne Super-Gegner wie den Green Goblin würzen die Stadtrundreise mit viel Action. Der hohe Schwierigkeitsgrad mag einen manchmal allerdings zur Verzweiflung bringen. Filmschnipsel hier und da ziehen die Handlung vorwärts. Dumm nur, dass nicht den prachtvollen Kino-Szenen diese Aufgabe zufällt, sondern blutleeren Computer-Animationen. Laut Hersteller blieb nicht genügend Zeit für den Einbau originaler Film-Teile.

Seltsam, wo doch das Spiel ursprünglich bereits Ende September vergangenen Jahres erscheinen sollte. Nach den Anschlägen vom 11. September verschob Hersteller Activision den Termin, um die nahezu authentisch wieder gegebene Skyline New Yorks zu überarbeiten. Kinobesucher werden es störend finden, dass die Figuren andere Stimmen haben als im Film, zudem recht gelangweilte.

Steuerung mit Tücken

Noch ein Störfaktor: Wie von der Tarantel gebissen, schwenkt und zoomt die Kamera gerade in engen Korridoren hinter dem Helden hin und her. Das erschwert dessen Positionierung und Steuerung innerhalb der 3D-Welt. Man kann sich daran gewöhnen. Den Helden exakt von A nach B zu lenken, ist nach einigen Trainings-Minuten nur noch selten ein Problem. Dann entfalten die raffinierten Kampftechniken ihren Reiz. Spider-Man nutzt zu Beginn nur einen Bruchteil seiner Fähigkeiten. Erst im Lauf der Zeit lernt er Banditen mit Doppel-Hieben, Dreifach-Tritten und Fallrück-Kicks zu traktieren und sie im Wurfnetz zu fangen.

Wie ein Superheld eben.

Datensalat

Das Playstation-2-Spiel kostet rund 60 Euro. Hersteller Activision bietet weitgehend identische Fassungen für Gamecube (60 Euro) und Xbox (70 Euro) an. Die Fassung für Windows-PCs (50 Euro) benötigt zumindest 128 MB RAM, 500 Mhz und eine aktuelle 3D-Grafikkarte. Die Fassung für Game Boy Advance (40 Euro) trägt denselben Namen, verzichtet aber auf aufwendige 3D-Grafik.

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