Spiegelwelten bei Instagram Die schönsten Pfützen der Welt

Ein Spiegelbild kann verzaubern - oder verwirren. Im Internet zeigen Künstler, welche Effekte sich erzielen lassen. Hier sind einige der gelungensten Bilder.

guigurui/ Instagram

Beim Blick in den Spiegel sieht der Betrachter buchstäblich doppelt: nämlich Vertrautes und durch die Spiegelung zugleich Unbekanntes. Mit diesem Effekt spielen Künstler auch im Digitalzeitalter gern, um den Betrachter mit ungewöhnlichen Perspektiven zu verwirren - oder einfach nur zu unterhalten.

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Ein von Guido Gutierrez Ruiz (@guigurui) gepostetes Foto am

Der kalifornische Fotograf Michael Shainblum beschäftigt sich seit Jahren mit gespiegelten Motiven. Ein sehenswertes Ergebnis seiner Arbeit ist ein vierminütiger, 2013 erschienener Kurzfilm namens "Mirror City".

Shainblum vermischt darin Zeitraffer- und Spiegeltechnik, um herkömmliche Stadtansichten durch einen höheren Grad der Abstraktion zu verfremden. Er schickte die Aufnahmen von fünf US-Großstädten - Chicago, San Francisco, San Diego, Las Vegas und Los Angeles - durch einen Kaleidoskop-Filter. So wurden die Motive mehrfach gespiegelt und neu angeordnet. Durch Zeitraffereffekte versuchte der Fotograf, den künstlerischen Aspekt noch zu verstärken.

An der Umsetzung seines Konzeptes arbeitete Shainblum insgesamt vier Monate. Durchschnittsansichten, die jeder Bewohner oder Besucher dieser Städte tagtäglich zu Gesicht bekommt, sollten auf eine Weise präsentiert werden, wie sie noch niemand zuvor gesehen hat.

Skateboarder und Spiegelungen

Ohne Kaleidoskop, aber trotzdem mit Spiegelungen arbeitet Joe Pease. Auf den ersten Blick geht es um beliebige Szenerien, die als Kulisse für mehr oder weniger artistische Kunststückchen von zwei Skateboardfahrern dienen. Bei näherem Hinsehen wird klar, dass die Landschaften gespiegelt werden, mal waagerecht, mal senkrecht.

Doch Pease hat nicht einfach einige Clips durch Spiegelung verdoppelt und aneinandergefügt. Dieser simple Effekt war schon zu Stummfilmzeiten altbekannt. Wer genau hinguckt, erkennt, dass der Künstler gleichzeitig Symmetrie und Asymmetrie miteinander kombiniert. Grade mal zwei Minuten dauert sein Filmchen, aber jede Szenerie hat es in sich und überrascht den Betrachter mit ungewöhnlichen und zum Teil auch witzigen Brüchen des eigentlich Erwarteten.

Viel ruhiger kommt das Werk eines spanischen Fotografen daher, der unter dem Künstlernamen Guigurui arbeitet. Er sucht für seine Motive vor allem architektonisch interessante Gebäude aus. Bei seinen Spiegeleffekten kommt er ganz ohne jede digitalen Tricks und Kniffe aus. Er fotografiert jede Szene so, dass sie sich zugleich in einer Pfütze spiegelt. Zwölf seiner Motive zeigt unsere Fotostrecke.

Prosperity • Prosperidad

Ein von Guido Gutierrez Ruiz (@guigurui) gepostetes Foto am

Je länger der Betrachter auf einem Bild verweilt, desto schwerer erscheint die Antwort auf die Frage, welche der beiden Welten eigentlich die vermeintlich reale ist.

Wer glaubt, für solche Fotos sei neben dem geübten Auge des Fotokünstlers noch eine teure Kameraausrüstung nötig, irrt sich übrigens. Guigurui schreibt: "Ich will zeigen, dass niemand eine Profi-Kamera braucht, um gute Fotos zu machen. Ein Smartphone reicht aus, um ein wunderschönes Bild zu machen, das seine eigene Geschichte erzählt."

Viele Menschen mögen keinen Regen, dabei schaffe er mit Pfützen immer wieder magische Welten, so Guigurui. Jedes Mal, wenn er eine Pfütze sieht, zücke er sein Smartphone und versuche, so nah wie möglich an die Wasseroberfläche zu kommen, um die dort verborgene Parallelwelt einzufangen.

Welcome! • ¡Bienvenido!

Ein von Guido Gutierrez Ruiz (@guigurui) gepostetes Foto am

Seine Aufnahmen macht Guigurui an den unterschiedlichsten Orten und in diversen Städten. Zu sehen sind die Bilder auf seinem Instagram-Account. Leider macht Guigurui es den Betrachtern seiner Werke nicht ganz leicht, denn nicht immer verrät er den Entstehungsort seiner Bilder. Anderseits: Vielleicht macht auch gerade das manche Aufnahmen so geheimnisvoll.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Tadeuz2 11.09.2015
1. Toll
Spiegelungen sind ja ein beliebtes Motiv. Sie konsequent mit Pfützen umzusetzen, ist faszinierend.
sirraucheinviel 11.09.2015
2. Foto Nr. 3 ...
... ist ja sowas von eine Fotomontage .....
tuttibratscher 11.09.2015
3. night and day
Manchmal entstehen bei solchen Pfützenfotos interessante Effekte, wie bei dem folgenden Foto, welches ich mit dem Handy auf der obersten Ebene eines Rostocker Parkhauses gemacht habe: https://instagram.com/p/rxUh2NS6GG/
ka117 11.09.2015
4.
Zitat von tuttibratscherManchmal entstehen bei solchen Pfützenfotos interessante Effekte, wie bei dem folgenden Foto, welches ich mit dem Handy auf der obersten Ebene eines Rostocker Parkhauses gemacht habe: https://instagram.com/p/rxUh2NS6GG/
Super Foto! Könnte ohne Probleme mit den Fotos in dem Artikel mithalten. Schöne Idee und gelungene Umsetzung.
Swisspatriot 11.09.2015
5. Wow!
Diese Idee ist simpel genial. Da liegt die Kunst wirklich am Boden in der Pfütze. Das werde ich auch versuchen hinzukriegen. Vielleicht nach einem Platzregen, wenn sich die Wolken auf tun und die Sonne schon ein bisschen zum Vorschein kommt.
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