Spielcomputer Tamagotchi Reloaded

Sieben Jahre nach dem Boom der pflegebedürftigen Kleincomputer kommt nun eine zweite Generation der Siliziumküken auf den Markt. Die neuen Gotchis können sich paaren und Nachkommen zeugen - das Interesse an ihnen ist jedoch nur mäßig.

Vor sieben Jahren erblickten die ersten Computerknuddel das Licht der Welt - und diese stand daraufhin Kopf. Der Kümmerinstinkt, den das kleiner Computer-Ei geschickt weckte, erwies sich als geniales Erfolgskonzept - Millionen der Gotchis wurden weltweit verkauft.

"Der Gedanke, dass mein Gotchi in gar nicht allzu langer Zeit sterben wird, macht mich völlig fertig", bekannte Schauspielerin Heike Makatsch damals. Wer seinen Kleincomputer nämlich nicht regelmäßig hegte und pflegte, musste bald seinen elektronischen Tod konstatieren. Doch so schnell wie der Boom kam, so schnell war die Begeisterung für die Cyberknuddel auch wieder vorbei.

Nun sollen die Gotchis ihr Comeback feiern - als technisch aufgerüstete neue Generation. Die seit Anfang Juni erhältlichen Exemplare verstehen zwar nichts von UMTS oder GPRS, funken aber immerhin schon mal mit Infrarot. Auf diese Weise finden sie Freunde und dürfen sich sogar verlieben.

Und wie im wahren Leben bleibt das Techtelmechtel auch unter Tamagotchis nicht ohne Folgen. Zuerst wird das Display schwarz und anschließend hüpft ein Tamagotchi-Baby durch das Bild. Ist es erst einmal auf der Welt, dann müssen seine Eltern nach zwei Tagen sterben. "Es ist zwar traurig, dass eine Generation eingeht, aber in Computerspielen wird viel mehr gestorben", meint Doreen Hanschk von der Nürnberger Bandai-Niederlassung, die die Tamagotchis vertreibt.

Vor sieben Jahren gingen rund zwei Millionen Tamagotchis über deutsche Ladentheken. Dies dürfte sich bei der neuen Generation kaum wiederholen lassen - auch wenn diese technisch einiges mehr zu bieten hat. Der Verkauf begann jedenfalls wenig turbulent. Gerade einmal tausend Stück setzte die Kaufhauskette Karstadt in den ersten Tagen bundesweit ab.

"Der absolute Renner bei den Kindern sind momentan die Scoubidou-Bänder", erläutert Karstadt-Sprecher Michael Scheibe den schlechten Tamagotchi-Start. Aus den farbenfrohen Plastikschnüren lassen sich Schlüsselanhänger knüpfen und knoten. Kleine piepsende Plastikeier umsorgen - das scheint ein erfolgloses Konzept aus alten Tagen zu sein.