Spitzel-Vorwürfe Lotto Bayern bestreitet Verstrickung in illegale Aktion

Die staatliche bayerische Lottogesellschaft bestreitet, eine Detektei mit einer illegalen Überwachung beauftragt zu haben. Wenn es zu illegalen Aktionen gekommen sei, wären diese vom Auftrag der Lotterieverwaltung "in keiner Weise gedeckt". Lotto Bayern habe Anzeige erstattet.


München - Lotto Bayern wehrt sich gegen Spitzelvorwürfe: Die Staatliche Lotterieverwaltung habe keine rechtswidrigen Aktionen in Auftrag gegeben, erklärte die Behörde am Sonntag in München.

Lotto: Deutschlands Glücksspiel Nummer eins liegt in staatlicher Hand
DDP

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Aus einer eidesstattlichen Erklärung eines Detektivs, die am Wochenende mehreren Medien vorlag, war hervorgegangen, dass die Lotto-Gesellschaft eine Detektei auf zwei Geschäftspartner angesetzt hatte. Dabei sei auch der private E-Mail-Verkehr von einem der beiden Betroffenen ausgespäht worden.

Die dem bayerischen Finanzministerium unterstellte Lotterieverwaltung teilte mit, sie habe zwar eine Detektei beauftragt, diese aber ausdrücklich darauf hingewiesen, bei ihren Ermittlungen Recht und Gesetz einzuhalten. "Sollte der in der eidesstattlichen Erklärung geschilderte Sachverhalt zutreffen, ist das Verhalten der Detektei völlig inakzeptabel", erklärte Lotto-Bayern-Präsident Erwin Horak. "Es ist in keiner Weise vom Auftrag der Lotterieverwaltung gedeckt."

Man habe deshalb inzwischen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Im übrigen habe die Detektei mittlerweile versichert, keine rechtswidrigen Aktionen veranlasst zu haben. Unter Berufung auf die eidesstattliche Erklärung des Detektivs hatte die Zeitung "Die Welt" berichtet, dieser habe im November 2006 einen Auftrag von der Münchner Detektei Condor GmbH erhalten, den Betreiber einer staatlichen Lotto-Annahmestelle auszuspionieren. Der Detektiv sollte nach eigenen Angaben beweisen, dass der Bespitzelte mit gewerblichen Spielvermittlern zusammenarbeitet.

Über das Ziel hinausgeschossen?

Ebenfalls überwacht worden sei eine zweite Person, die verdächtigt wurde, bei Kontakten mit den Spielevermittlern zu helfen. Der Detektiv sollte nach eigenen Angaben in den Computern der Bespitzelten einen speziellen Virus installieren, der die Überwachung des gesamten E-Mail-Verkehrs ermöglichen würde. Der Angriff auf eine der beiden Personen sei erfolgreich gewesen, hieß es weiter.

Die Lotterieverwaltung erklärte, mit dem Betreiber einer Lotto-Annahmestelle in Schwabach gebe es seit längerem einen Rechtsstreit. Sie werfe diesem vor, vertragswidrig mit gewerblichen Spielevermittlern zusammenzuarbeiten und unberechtigt erhöhte Provisionen abzurechnen. In diesem Zusammenhang sei im Juli 2006 die Detektei Condor mit Recherchetätigkeiten beauftragt worden.

Dabei sei es um gerichtsverwertbare Informationen zu einer Reihe von Fragen gegangen, zum Beispiel die Vermögensverhältnisse des Annahmestellen-Betreibers. Die Lotto-Gesellschaft verwies außerdem darauf, dass ihr die eidesstattliche Erklärung des Detektivs, der ihr weder bekannt noch von ihr beauftragt worden sei, bei einem Prozesstermin am 5. Juni 2008 übergeben worden sei. In dem Schriftstück sei im Übrigen mit keinem Wort die Rede davon, dass die Staatliche Lotterieverwaltung den Auftrag erteilt habe, Computer auszuspionieren.

pat/AP



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