Spotify testet Blockier-Funktion Nie mehr Musik von Bands, die Sie nicht leiden können

Genervt von Wham! oder einem ganz bestimmten Mallorca-Star? In der jüngsten Version der iOS-App von Spotify ist Nutzern eine Funktion aufgefallen, die in solchen Fällen weiterhilft.

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Fast jeder Musikhörer hat Künstler, deren Songs er nicht mag: Mancher liebt deutschsprachige Musik, verachtet aber Schlagerstars. Jemand anderem dreht sich bei "Last Christmas" von Wham! der Magen um, eine dritte Person muss bei Songs von Lana Del Rey immer an eine verflossene Liebe denken. Und wieder andere wollen aus Prinzip keine Werke von Künstlern hören, gegen die es Missbrauchsvorwürfe gibt, oder deren Texte frauenverachtend sind.

Spotify scheint für Nutzer mit solchen Geschmäckern, Problemen oder Prinzipien eine passende Funktion auf den Weg zu bringen. Auf gleich zwei iOS-Geräten mit der Spotify-App-Version 8.4.88.280 steht uns in der Redaktion mindestens seit Montag die Option "Diesen Künstler nicht mehr spielen" zur Verfügung.

Sie erscheint, wenn man auf eine Künstler-Seite geht und oben rechts auf die drei Punkte klickt:

Funktion auf Künstler-Seite
Spotify

Funktion auf Künstler-Seite

Im Netz berichten weitere iOS-Nutzer davon, dass die Blockier-Option bei ihnen freigeschaltet ist. Manche schreiben sogar, bei ihnen gebe es die Funktion schon länger - möglicherweise waren sie Teil einer kleinen Testgruppe. Auf einem Android-Gerät aus der Redaktion stand uns die Funktion bislang nicht zur Verfügung.

Früher noch dagegen positioniert

2017 hatte Spotify noch angegeben, sich nach "eingehenden Überlegungen" entschieden zu haben, Nutzern keine Möglichkeit anzubieten, Künstler zu blockieren, zu verstecken oder auf eine Art Sperrliste zu setzen. Im Frühjahr 2018 hatte das Unternehmen jedoch neue Regeln vorgestellt, mit denen es gegen hasserfüllte Musikinhalte und Künstler vorgehen wollte, die mindestens im Verdacht stehen, selbst gewalttätig zu sein. So wurden etwa Titel von R. Kelly Nutzern nicht mehr zum Anhören vorgeschlagen.

Ein Aktivieren der neuen Option "Diesen Künstler nicht mehr spielen" führt unserem Testeindruck zufolge nun dazu, dass Songs abgewählter Künstler fortan gar nicht mehr abgespielt werden, auch wenn sie beispielsweise in vom Nutzer aufgerufenen Drittplaylists oder bei Spotify-internen Radiosendern auftauchen.

Wählen Nutzer die Option "Diesen Künstler nicht mehr spielen" können sie die Lieder dieses Künstlers unserem Test zufolge nicht mal mehr händisch starten - bis sie die Blockier-Option wieder deaktivieren.

Eine Haken scheint es aber zu geben, der das vollständige Ausblenden mancher Künstler recht kompliziert macht: Featuring-Songs, bei denen ein Musiker einen anderen Künstler nur unterstützt, werden von "Diesen Künstler nicht mehr spielen" nicht automatisch erfasst. Als wir beispielsweise testweise den Berliner Rapper Capital Bra blockierten, bekamen wir trotzdem noch Songs ausgespielt, bei denen Capital Bra an der Seite von Bushido performt.

Auf eine SPIEGEL-Nachfrage zur Blockier-Funktion hat sich Spotify bislang nicht geäußert.

mbö



insgesamt 19 Beiträge
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schauerstoff 22.01.2019
1. Schon seit Monaten
.. die Funktion gibt es schon seit Monaten.. man kann auch einzelne Lieder blockieren, nicht nur den kompletten Künstler. Nutze ich sehr häufig..
july1969 22.01.2019
2.
Schön wäre, wenn man bestimmte Sprachen sperren bzw. filtern könnte. Ich hab nichts gegegen Schwedisch, Norwegisch, Kroatisch, Serbisch, Dänisch, Niederländisch etc. etc. Nur verstehe ich nicht ein Wort davon und von daher nervt es, wenn Lieder in diesen Sprachen immer wieder im Mix der Woche, Release Radar etc., in letzter Zeit sogar vermehrt, auftauchen.
timo0105 22.01.2019
3. Filterblase
Damit schafft man sich also auch für Musik die eigene Filterblase. Ähnlich wie beim online einkaufen, den sozialen Medien, usw. bekommt man nur noch das geboten, was (vermeintlich) interessiert. Andere Inhalte oder Meinungen bekommt man nicht mehr zu Gesicht. Meiner Meinung nach keine gute Entwicklung - Qualityland lässt grüßen...
Hoeni Saubermann Uleß 22.01.2019
4. Warum?
Denken Menschen sie müssten eine Dienst im mobilen Internet(eh von magerer Qualität, im Neuland) mieten, um ihre gewünschte Musik hören zu können? Schonmal etwas von Speicherkarten gehört? Da zieht man sich dann halt nur die Musik drauf die man auch hören möchte, da muss dann nichts und niemand gesperrt werden. Läuft auch bei den nicht seltenen Funklöchern im Neuland sowie ohne zusätzliche Mietgebühr störungsfrei. Oder ist es mittlerweile einfach nur noch hip, weil es jeder macht soll es halt auch jeder andere machen, für Schwachsinn Geld zu bezahlen? Und brauchen bestimmte Menschen deshalb Spotify und Co?
Bell412 22.01.2019
5. Und wenn man kein Problem hat, schafft man sich selbst eines?
Zitat von timo0105Damit schafft man sich also auch für Musik die eigene Filterblase. Ähnlich wie beim online einkaufen, den sozialen Medien, usw. bekommt man nur noch das geboten, was (vermeintlich) interessiert. Andere Inhalte oder Meinungen bekommt man nicht mehr zu Gesicht. Meiner Meinung nach keine gute Entwicklung - Qualityland lässt grüßen...
Ist doch Unsinn. Selbst mit klassischen (für manche antiquierten) Medien wie Radio suche ich ja auch den Sender, der meine Libelingsgenre bevorzugt. Und wenn ich auf Rockmusik stehe, werde ich auch eher ab- oder umschalten, wenn der gewählte Sender auf einmal Volksmusik spielt.
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