Sprachportale Gratis-Web-Portale trainieren Urlaubssprachen

Ein paar Sätze in der Landessprache kommen im Ausland immer gut an. Im Web kann man interaktiv Sprachen lernen - ein paar Brocken lassen sich recht komfortabel und kostenlos antrainieren.
Von Helmut Merschmann

Der Vorteil von Sprachschulen im Netz ist ja, zu jeder Zeit und an jedem Ort lernen zu können, anstatt einmal pro Woche beim Unterricht in der Sprachschule zu erscheinen. Mobilinga  nimmt diese Vision wörtlich und hat Software fürs Handy entwickelt. Das Angebot richtet sich an Urlauber und Anfänger.

Auf der Website gibt es einige Testsoftware gratis. Für die Vollversion sind fünf Euro fällig, die Premium Edition kostet zehn Euro. Bei letzterer liegen die Audiodateien im MP3-Format vor und müssen nicht, wie bei der Vollversion, per Streaming einzeln heruntergeladen werden. Im Angebot von Mobilinga sind Business-Englisch, Reise-Spanisch und ein Polnischkurs – alle "von Muttersprachlern vertont".

Bei diesen Mobilkursen wird man kaum erwarten dürfen, mit geschliffenen Sprachkenntnissen aus dem Unterricht hervorzugehen. Um am Urlaubsort jedoch mit einigen Redewendungen zu glänzen, reicht es allemal. Ein Angebot für Anfänger, die im Restaurant nicht herumstottern wollen.

Grammatik-Kurse, Vokabeltrainer, Tandem-Netzwerke zum Austausch mit Muttersprachlern - SPIEGEL ONLINE stellt Sprachportale im Netz vor.

Babbel - Vokabeltrainer für Kenner

Das Gebrabbel von Säuglingen ist wohl nicht gemeint, auch wenn der Name Babbel diese Assoziation erlaubt. Als das Sprachportal aus Berlin im Januar online ging, waren sämtliche Adresskombinationen von "Babel" längst vergeben. Gut, dann babbel n wir eben ein bisschen.

Vier Sprachen kann man hier bislang trainieren – neben Englisch und Französisch sind das Italienisch und Spanisch. Nach der Anmeldung geht es gleich los. Man muss sich für eines der 64 Vokabelpakete entscheiden und bekommt zunächst Wörter und Sätze vorgelesen, die man im nächsten Schritt Bildern zuordnet und später selber eintippt.

Diese Sprachen spricht das Web

Rang Sprache Anteil an allen Web-Nutzer Web-Nutzer absolut
1 Englisch 28,7 % 451 Millionen
2 Chinesisch (Mandarin) 20,4 % 321 Millionen
3 Spanisch 7,7 % 121,9 Millionen
4 Japanisch 6 % 94 Millionen
5 Französisch 4,6 % 72 Millionen
6 Portugiesisch 4,6 % 72 Millionen
7 Deutsch 4,1 % 59,8 Millionen
8 Arabisch 4 % 58 Millionen
9 Russisch 2,4 % 38 Millionen
10 Koreanisch 2,3 % 36 Millionen

Zuverlässig erinnert das Portal daran, frühere Lektionen zu wiederholen, um den Wortschatz aufzufrischen. Über das Schwarze Brett und die Community kann man im Tandems mit Muttersprachlern lernen. Derzeit arbeiten die Betreiber an Tutorials für den Einstieg in die Grundlagen und die Grammatik einer Sprache. Denn wie bei fast allen Sprachportalen gilt: Vorkenntnisse vorausgesetzt.

Palabea - mit Muttersprachlern austauschen

"Die sprechende Welt" nennt sich Palabea.com  und profiliert sich als reine Sprach-Community. Hier gilt es, Freundschaften mit Leuten auf der ganzen Welt zu schließen und sich gegenseitig beim Lernen unter die Arme zu greifen. Ich biete deutsch, du portugiesisch - gemeinsam wurschteln wir uns durch.

Das Motto: "Teile dein Wissen". Man kann sich bei Palabea auch Podcasts anhören und Video-Lektionen anschauen. Dort präsentieren eifrige Nutzer die Feinheiten ihrer Muttersprache. Wie Marcio Santos, der die unterschiedlichen Aussprachen des portugiesischen Vokals A in neun Minuten erklärt. Leicht auszurechnen, wann man das Ende des Alphabets erreicht.

Im virtuellen Klassenzimmer bieten professionelle Online-Lehrer (teils kostenpflichtige) Kurse an. Vor allem Grammatik und Schriftsprache stehen auf dem Lehrplan. Sonderlich strukturiert erscheint das Angebot von Palabea nicht, eher wie ein großes Palaver. Für Anfänger mit guten Vorkenntnissen und Fortgeschrittene.

Lingorilla und Babelyou - im Tandem lernen

Ähnlich verwirrend wie die Vielzahl von Sprachen im alten Babylon, erscheint die Zahl der Sprachportale, die auf Communitys basieren und nicht viel mehr bieten als ein bisschen Technik. So beispielsweise Lingorilla  und Babelyou . Fremdsprachen lernen zu wollen, werden sich die Betreiber gedacht haben, ist eine gute Motivation, um Leute ans eigene Portal zu binden.

Außer einer Plattform, auf der man Gleichgesinnten begegnen kann, wird jedoch nicht viel geboten. Selbstorganisation ist gefragt: Profile anschauen, Freundschaften schließen und in Erfahrung bringen, was der andere überhaupt lernen will.

Bei Lingorilla gibt es wenigstens Videos von Nutzern, die einzelne Sprachaspekte erläutern, wie etwa eine 25-minütige Einführung in die Phonetik des Französischen. Bei Babelyou fällt dagegen schon die Anmeldeprozedur, in deren Verlauf man sich mit dem Zusenden von E-Mails und personalisierter Werbung einverstanden erklären muss, unangenehm auf. So etwas muss nicht sein.

Babelland.de - unübersichtlich, aber umfassend

Die Online-Kurse von Babelland  gehören, wie das Web-Design schon verrät, zu den älteren Angeboten im Netz. Seit 2005 ist die Website mit akustischen Sprachführern in Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch und Spanisch dabei. Umsäumt von Google-Anzeigen, wodurch das Angebot komplett kostenlos wird, lassen sich in jeder Sprache mehrere Kurse mit vielen einzelnen Lektionen belegen. Nach jedem Kurs ist ein Examen fällig.

Bei Babelland erfährt man Grundlegendes zur Aussprache und zur Grammatik einer Sprache. Vorgesprochene Übungen und entsprechende Erklärungen wechseln sich in jeder Lektion ab und sind mit Bilder und Illustrationen unterlegt.

Ein Wörterbuch hilft beim Nachschlagen. Leider setzt Babelland einen Sprachcomputer ein, wodurch die Aussprache manchmal etwas scheppert.

Fazit: Babelland ist etwas unübersichtlich, zählt aber den profundesten Online-Sprachkursen im Web.

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