Private Daten von Politikern Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen "0rbit"-Leak

Ein junger Mann soll private Mails, Fotos und Dokumente von Politikern gestohlen und unter dem Hacker-Namen "0rbit" ins Netz gestellt haben. Nach anderthalb Jahren könnte der Fall bald vor Gericht landen.
Website des Bundestags: das Leak betraf Politiker, Parteien und Prominente

Website des Bundestags: das Leak betraf Politiker, Parteien und Prominente

Foto: Jens Büttner/ dpa

Dieser Fall machte Anfang 2019 deutschlandweit Schlagzeilen: Unter dem Pseudonym "0rbit" hatte ein Unbekannter große Mengen privater Daten zu Politikerinnen und Politikern im Netz veröffentlicht. Verantwortlich für das Leak soll der damals 20-jährige Johannes S. gewesen sein. Um die privaten Informationen zusammenzutragen, soll S. keine besonderen IT-Fähigkeiten benötigt haben, sondern höchstens einfache Hacker-Tricks und viel Fleißarbeit.

Nun hat die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main ihre Anklageschrift beim zuständigen Amtsgericht eingereicht. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linkenpolitikerin Martina Renner hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. Zuerst hatte die "taz" darüber berichtet .

Hinter "0rbit" - genau wie hinter dem Pseudonym "G0d", das ebenfalls zur Veröffentlichung privater Daten genutzt worden sein soll - verbirgt sich aus Sicht der Ermittler lediglich eine Person und keine weitere Organisation oder Mittäter. Das Bundeskriminalamt jedenfalls, das in dem Fall die Ermittlungen geführt hatte, hat offenbar nur gegen einen einzelnen Beschuldigten ermittelt. So steht es in der Antwort des Innenministeriums auf die Kleine Anfrage.

Im Januar vergangenen Jahres war Johannes S. aus der mittelhessischen Kleinstadt Homberg (Ohm) kurzzeitig festgenommen worden. Er gestand, massenhaft Daten ausgespäht und im Internet verbreitet zu haben. Betroffen waren rund tausend Menschen, darunter neben Hunderten Politikern wie Robert Habeck auch Journalisten und Prominente wie der YouTuber Simon Unge. Meist ging es um Adressen und Telefonnummern, in 50 bis 60 schwereren Fällen aber etwa auch um private Chatverläufe.

Der junge Verdächtige aus Mittelhessen, der damals noch bei seinen Eltern wohnte, gab in Vernehmungen an, aus Ärger über Äußerungen der Betroffenen gehandelt zu haben. Zur Veröffentlichung der Daten inszenierte er im Dezember 2018 einen täglichen "Adventskalender".

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wirft dem Angeschuldigten die versuchte Erpressung von sechs Bundestagsabgeordneten vor. Er habe gedroht Daten zu veröffentlichen, wenn die Abgeordneten ihm nicht Bitcoins im Wert von etwa 900 Euro überweisen würden. An die privaten Daten seiner Opfer soll 0rbit laut Staatsanwaltschaft gekommen sein, in dem er die Zugangsdaten zu Accounts auf einer inzwischen abgeschalteten Hacker-Website gekauft habe. Außerdem soll er in einigen Fällen die Funktion genutzt haben, mit der sich Passwörter von E-Mail-Anbietern zurücksetzen lassen.

Der nächste Schritt in dem Verfahren liegt beim zuständigen Amtsgericht Alsfeld, das die Anklage noch zulassen muss und ein Hauptverfahren eröffnen kann.

afp/hpp