Wikileaks-Alternative DDoS Staatsanwaltschaft Zwickau stellt Server von Aktivisten sicher

Die Aktivisten der Gruppe Distributed Denial of Secrets (DDoS) bekommen für die Veröffentlichung interner US-Polizeidaten Ärger mit den amerikanischen Behörden. Die haben in Deutschland jetzt um Amtshilfe gebeten.
Polizeiwagen in Manhattan Beach, Kalifornien

Polizeiwagen in Manhattan Beach, Kalifornien

Foto: ROBYN BECK/ AFP

Die Staatsanwaltschaft Zwickau hat einen Server von Aktivisten der Gruppe DDoS sichergestellt, die sich mit der Veröffentlichung von vertraulichen Daten zu einer Wikileaks-Alternative entwickelt. Die sächsische Behörde bestätigte am Mittwoch den Vorgang.

"Aufgrund eines US-amerikanischen Vorabsicherungsersuchen im Rahmen der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen hat die Staatsanwaltschaft Zwickau am 3. Juli 2020 einen Server in einem Rechenzentrum in Falkenstein (Vogtland) sichergestellt, bei dem davon auszugehen ist, dass er von Personen, die im Internet unter dem Namen 'Distributed Denial of Secrets (DDosecrets)' auftreten, genutzt wurde", hieß es im Statement der Staatsanwaltschaft.

Die größtenteils aus den USA und Kanada geführte Gruppe hatte im Juni unter dem Projektnamen BlueLeaks 269 Gigabyte Daten von sogenannten Fusion Centers veröffentlicht. Diese US-Einrichtungen dienen dem Austausch von polizeilichen und nachrichtendienstlichen Informationen.

Rund fünf Terabyte an vertraulichen Unterlagen

Am Dienstagabend twitterte Emma Best , mitverantwortlich für Gründung und Führung von DDoS, der wichtigste Downloadserver des Kollektivs sei beschlagnahmt worden. Er beinhaltete die Suchbibliothek "Hunter", in der rund fünf Terabyte an vertraulichen Unterlagen öffentlich durchsuchbar waren.

Offenbar hatte der Provider den Aktivisten am Dienstag mitgeteilt, dass der Server konfisziert wurde und dass es der Firma bisher "nicht erlaubt gewesen" sei, DDoS über die Ermittlungen zu informieren. Dem SPIEGEL erklärten die DDoS-Aktivisten, sie hätten Kopien von den beschlagnahmten Daten, der öffentliche Zugang sei nur vorübergehend unterbrochen. "Es ist ein besorgniserregender Trend, dass die Polizei versucht, Journalisten zum Schweigen zu bringen", sagte Lorax Horne von DDoS. "Die Veröffentlichung von Informationen darf keine Straftat sein."

DDoS hat neben Daten zu Steueroasen auch Chats von Neonazi-Gruppierungen und E-Mails des chilenischen Militärs offengelegt. Der SPIEGEL hatte das von DDoS geleakte Unternehmensregister der Bahamas vorab erhalten und im Mai darüber berichtet sowie die Arbeit der Aktivisten porträtiert. Auch mit dem Recherchenetzwerk OCCRP hat die DDoS-Gruppierung, die teilweise aus ehemaligen Wikileaks-Mitstreitern besteht, bereits zusammengearbeitet.

Der BlueLeaks-Datensatz aus den Fusion Centers zeigt laut DDoS unter anderem, wie die Polizei Aktivisten überwacht. Er enthält Informationen zu Ermittlungsmethoden, aber auch personenbezogene Daten von US-Polizisten und entstammt offenbar einem Hack. Die Aktivisten von DDoS erklären, dass sie selbst nicht hacken, um an Daten zu gelangen, sondern als Vermittler für Informanten agieren.

Twitter hat den DDoS-Account gelöscht

Nach der Veröffentlichung der BlueLeaks hatte Twitter den DDoS-Account suspendiert und Links auf die Website der Aktivisten mit einem Warnhinweis versehen. Offenbar begründet das Unternehmen sein Vorgehen gegen die Verbreitung der Dokumente damit, dass sie persönliche Informationen und schädliche Inhalte beinhalten. DDoS spricht von Zensur. Das FBI hatte Ermittlungen zu Herkunft und Veröffentlichung der BlueLeaks aufgenommen . Deren Folge ist nun die Sicherstellung des Servers.

Die Zwickauer Staatsanwaltschaft wollte "zum Inhalt des US-amerikanischen Verfahrens" zwar "keine Auskünfte" erteilen. Sie stellte aber klar, dass es sich bei der Sicherstellung "um eine vorläufige Maßnahme im Rahmen der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen" handele. Erst nach Eingang des offiziellen Rechtshilfeersuchens werde "eine Prüfung erfolgen, ob und in welchem Umfang eine gerichtliche Beschlagnahme von Daten mit dem Zweck der Herausgabe als Beweismittel an die US-Behörden in Betracht kommt". Diese Entscheidung müsse dann das Bundesamt für Justiz fällen.

Lorax Horne von DDoS gibt sich kämpferisch: Die Sicherstellung des Servers werde sie von ihrer "Mission, wichtige Daten zu archivieren und veröffentlichen" nicht abbringen: "Wir werden damit weitermachen, Informationen der Öffentlichkeit zugänglich machen."

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