Neues Magazin über YouTube-Stars Lieber knallbunt als kritisch

Die "Bravo" steckt in der Krise? Andere Magazinmacher scheint diese Nachricht kaum zu beeindrucken: Mit "StarsTube" ist gerade ein Heft gestartet, das sich ausschließlich YouTube-Stars widmet. Kritische Berichte sind nicht zu erwarten.

StarsTube-Cover: 32 Seiten Buntes für 1,50 Euro

StarsTube-Cover: 32 Seiten Buntes für 1,50 Euro

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Will man die inhaltliche Tiefe des Magazins "StarsTube" erfassen, reicht ein Blick auf die Interviewfragen: "Würdest du eher dein Facebook- oder Instagram-Profil löschen?", "Möchtest du weitere Tattoos?", "In welche Soße dippst du Chicken Nuggets?". Alltägliche Dinge wie diese sind hier das eigentlich Spannende: In der Erstausgabe erfährt man, dass Lionts Lieblingsfarbe Rot ist, und dass Dagi nicht einparken kann.

Liont und Dagi sind YouTube-Stars, ihre Kanäle LiontTV und Dagi Bee haben jeweils über eine Million Abonnenten. Beide sind Stars, die von Kindern angehimmelt, von Eltern aber nicht mal erkannt werden. Stars, die nicht durchs Fernsehen bekannt wurden, die aber in Shows eingeladen werden, weil sie online unglaublich populär sind.

"StarsTube", seit Mittwoch mit 50.000 Exemplaren im Handel, ist das erste deutsche Magazin, das sich ausschließlich YouTube-Stars widmet. Für 1,50 Euro bekommt man 32 knallbunte Seiten inklusive Dagi-Bee-Poster. Im Zeitschriftenregal dürfte das Monatsheft, hinter dem ein kleiner Wiener Verlag steckt, zwischen den Kinderzeitschriften und bunten Blättern wie der "Bravo" stehen.

Gerade wechselt die "Bravo" ihre Strategie

Letzteres Traditionsheft hatte erst am Dienstag einen Strategiewechsel bekannt gegeben: Das Jugendmagazin, dessen verkaufte Auflage zuletzt auf rund 145.000 Hefte geschrumpft war, erscheint künftig 14-tägig statt jede Woche. Man wolle "Bravo" als Multimediamarke zum "Social Magazine" machen, hieß es dazu aus der Bauer Media Group.

Während die "Bravo" Print und Online stärker verknüpft, gibt sich "StarsTube" von Anfang an als Zeitschrift, die weiß, dass das eigentlich Interessante im Netz passiert - eben auf YouTube. "Internet im Offlinemodus" lautet passend der Heftuntertitel.

Auch Verweise ins Netz scheut das neue Heft nicht:

  • QR-Codes führen direkt zu den YouTube-Kanälen der interviewten Gesprächspartner.
  • Das Heft wird mit einem eigenen YouTube-Channel beworben, außerdem werden online gesammelte Fankommentare oder Fragen an Stars abgedruckt.
  • Bei einem Gewinnspiel werden die Leser aufgefordert, Selfies mit dem Magazin zu machen und diese mit dem Hashtag #StarsTube in die sozialen Netzwerke zu stellen.

Ein typisches Fanmagazin

Im Kern ist "StarsTube" trotz dieser Spielereien ein typisches Fanmagazin. Während andere Hefte mehr oder weniger interessante Neuigkeiten über Musikstars wie One Direction und Justin Bieber liefern, erfährt man hier Triviales über Videomacher und kann beispielsweise eine getragenen Cap von Marc von BradeTV gewinnen. Mit Dagi Bee und LiontTV tauchen durchaus große Kanäle im Heft auf, die bekanntesten YouTuber wie Y-Titty, LeFloid oder DieAussenseiter kommen in der Erstausgabe aber nicht vor.

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Fotostrecke: So sehen die Stars aus dem Internet aus
Inhaltlich wirkt "StarsTube" kurzatmig, das Magazin besteht fast nur aus kleinen Rubriken und kurzen Interviews. Eine Fortsetzungsgeschichte hat gerade mal 21 Zeilen, die Dagi-Bee-Titelgeschichte besteht aus gerade mal einer Textseite.

Im Artikel selbst setzt sich Dagi Bee mit einigen Online-Anfeindungen auseinander, darunter der Vorwurf, ihre Aufmerksamkeit sei käuflich. Die Videomacherin sagt dazu: "Wenn jemand versucht, mich mit Geldangeboten zu bestechen, damit ich ihn/sie pushe, gehe ich da überhaupt nicht drauf ein - bei mir geht alles auf persönlicher, freundschaftlicher Ebene."

Eher nette Hasskommentare

T-Zon, ein Musiker und Entertainer mit immerhin Hunderttausend Kanalabonnenten erklärt in einem anderen Interview, wie sich "das Wesen der Deutschen" von dem der Namibier unterscheidet: "In Namibia sind die Menschen sehr viel lässiger drauf. Es gibt wenige Luxusgüter wie Plasma-TVs oder super Smartphones, deshalb ist der Neid nicht so groß und trotzdem sind die Menschen dort glücklich, weil sie den Luxus nicht kennen und auch kein Bedürfnis danach haben."

Stilistisch und von der Aufmachung her richtet sich "StarsTube" an junge Leser: So werden etwa Hass-Kommentare abgedruckt, die vergleichsweise harmlos daherkommen, wie "Dagi? Krieg ich ein Bild von dir? Wir haben nämlich gerade in Erdkunde Naturkatastrophen". Rechtschreibfehler aus Online-Kommentaren übernimmt das Heft unverändert ("ich weis wieso du so viele Fans hasst weil sie deine heslichkeit bewundern"), was gut dazu passt, dass auch die "StarsTube"-Artikel nachlässig redigiert wirken.

Schon nach dem ersten Heft ist absehbar, dass "StarsTube" das Phänomen YouTube-Stars eher unkritisch angeht. "Wird das ein Klatsch-Magazin mit Gerüchten über YouTuber? Alles andere als das", heißt es zwar auf der StarsTube-Website, was zunächst positiv klingt. Doch die folgenden Sätze ernüchtern: "Wir arbeiten eng mit den YouTubern selbst bzw. mit deren Management zusammen", schreibt die Redaktion. Jeder einzelne Bericht müsse vor Publizierung vom jeweiligen YouTuber freigegeben werden. Auf diese Weise könne der YouTuber selbst entscheiden, "mit welchem Inhalt er im Magazin erscheinen möchte".

Nur eine weitere Promo-Plattform?

Diese Grundhaltung ist ungewöhnlich, statt einem vielschichtigen Magazin dürfte "StarsTube" so eher eine neue Promo-Plattform für YouTuber werden, die größtenteils bereits eigene Manager und Marketingleute haben. Für Fans der porträtierten Stars mag so ein Heft spannend genug sein, Leser ohne rosarote Brille dürfte eine von den Protagonisten abgenickte Berichterstattung wohl eher ermüden.

Die spannendste Frage bleibt aber, wie "StarsTube" die YouTube-Nutzer überhaupt in den Kiosk locken will. Mit ihren Videos, Facebook- und Twitter-Einträgen wirken viele Stars schon jetzt nahbar, manches, was im Heft steht, dürften sie bereits in ihren Clips thematisiert haben. Außerdem gibt es auf YouTube selbst eine Art Meta-Berichterstattung, etwa in der Form der Nachrichtensendung "WuzzUp!?" von MrTrashpack. Braucht man da wirklich noch ein Printmagazin?

Im "StarsTube"-Editorial heißt es, das Heft werde in den kommenden Ausgaben "viel Wert auf begehrte Gadgets" legen, wie Poster, Autogrammkarten oder Sticker - Dinge, die es nicht auf dem Bildschirm gibt. Eine Strategie, die aufgehen könnte, die aber nur bedingt originell ist: Ein Y-Titty-Poster gab es auch schon in der "Bravo".



insgesamt 4 Beiträge
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fatherted98 09.10.2014
1. Ist zwar schon...
...ne Zeit lang her das ich die letzte Bravo gelesen habe...aber war in einer Bravo jemals ein kritischer Bericht?...also warum das den Newcomern vorwerfen?
mcmarv 09.10.2014
2. keine qualität
diese oberflächlichen leute finden beachtung aber leute die ernsthaften content mit produktionsaufwand betreiben nich?! scheint normal zu sein .
Atomfurz 14.10.2014
3.
"Musikstars wie One Direction und Justin Bieber" WTF? dieser schallwellenübertragene sadomasochismus?! hiermit wurden die 6 schwulsten personen auf dem erdkreis in einem satz als "musikstars" bezeichnet deren erzeugnis am genozid an der gesamten erdbevölkerung gleicht! die stellen alleine den gesamten Christopher street day in schatten und LGBT-acceptance-gruppen wirken neben ihnen wie heterosexualitätsverfechter! Entfernt diesen für die musikgeschichte demütigenden artikel ihr eierfressenden schwanzlutscher!
shareac0kewith 24.08.2015
4.
@atomfurz 1. sehr cooler name :P 2. was genau ist daran schlimm, schwul zu sein? 3. Leider sind Justin Bieber und One Direction tatsächlich Musikstars. Allerdings haben Sie mein vollstes Verständnis dafür, dass Sie sich darüber wundern.
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