Start im Sommer Telekom setzt auf Triple Play

Fußball ist das wichtigste und beste Verkaufsargument, das die Telekom für ihr Triple-Play-Angebot in petto hat: Per Web lässt sich bei der Bundesliga das Pay-TV von Arena umgehen. Schon im Sommer will die Telekom in zehn Großstädten beginnen zu "funken".


Die Deutsche Telekom will ihr umstrittenes neues Hochgeschwindigkeitsnetz wie geplant ab Sommer mit Leben füllen und dann die ersten Kombiprodukte mit Fernsehen und Telefon per Internet anbieten. Das "Triple Play" soll publikumswirksam zwei bis vier Wochen vor dem Start der Fußballbundesliga Mitte August auf den Markt kommen. Doch noch liegt die Telekom mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) im Streit über das Ausmaß ihrer Übertragungsrechte. Bis zum Wochenende soll eine Lösung auf den Tisch. Offen ist auch, ob die Bonner ihre Konkurrenten wie angestrebt von dem teuren Supernetz fernhalten können.

Bundesliga-Topspiel HSV-Bayern: Ab Sommer 2006 live per Arenas Pay-TV - oder eben per Internet
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Bundesliga-Topspiel HSV-Bayern: Ab Sommer 2006 live per Arenas Pay-TV - oder eben per Internet

In zunächst zehn Großstädten zieht der Konzern die VDSL-Infrastruktur hoch - eine Verlängerung seiner Glasfaserleitungen, die extremes Tempo bringt. Mit bis zu 50 Megabit pro Sekunde - das ist acht Mal mehr als das momentan schnellste DSL - sollen die Daten übertragen werden und so innovative Multimediadienste ermöglichen. Der Ausbau verlaufe erfolgreich, ab Mitte Mai werde es die ersten Feldversuche mit Kunden geben, gab die Telekom jetzt bekannt. Die Auserwählten sollen bereits übers Internet Fernsehen können - neben den Liveprogrammen der ProSiebenSat.1-Gruppe, mit der die Konzerntochter T-Online im März einen Vertrag geschlossen hat, wird es auch eine digitale Videothek geben.

Zum Marktstart will T-Online dann rund 100 Sender im Angebot haben. Dazu verhandelt das größte deutsche Internetunternehmen nach eigenen Angaben mit den öffentlich-rechtlichen Sendern und mit RTL.

Ob mit dem Start auch König Fußball Einzug halten wird auf der Datenautobahn, ist indes noch unklar. Hier hat die Telekom andere Vorstellungen als die DFL, die im vergangenen Dezember die Rechte für die Übertragung der Partien via Internet an T-Online vergeben hat.

Die Bonner leiten nun aus den Ausschreibungsbedingungen ab, das IP-Signal nicht nur über das VDSL-Netz, sondern auch über Satellit ausstrahlen zu dürfen.

Bundesliga durch die Hintertür?

Das wäre auch zum Vorteil des Pay-TV-Senders Premiere, der bei der Lizenzvergabe leer ausgegangen war und mit dem die Telekom ins Geschäft kommen will. Denn anders als etwa bei Sendungen mit der ProSiebenSat.1-Gruppe braucht sie für die Bundesliga-Übertragung eine Sendelizenz, die Premiere zu bieten hat. Doch die DFL sieht die Satellitenpläne kritisch. Sie befürchtet Ärger mit Arena: Die Tochter des Kabelnetzbetreibers Unity Media hat weitaus mehr Geld für die Rechte für die Pay-TV-Ausstrahlung ausgegeben, als die Telekom hingeblättert hat, und reklamiert die Bundesliga per Kabel und Satellit allein für sich.

Doch wie immer die Kontroverse ausgeht - das VDSL-Netz wird bei der Telekom neben Voice over IP und superschnellem Surfen vorerst allein mit TV bestückt sein. Alle anderen digitalen Anwendungen etwa im Gesundheitsbereich, im Bildungswesen oder in der öffentlichen Verwaltung, die das Unternehmen in Aussicht gestellt hat und die aus seiner Sicht sehr innovativ wären, stehen im Hintergrund.

Wann derartige Angebote aufs Netz kommen könnten, ist nach Auskunft der Telekom offen. Doch ist es für den Konzern sehr wichtig, möglichst rasch diverse neuartige Produkte auf der Glasfaserinfrastruktur vorweisen zu können. Denn davon hängt es ab, ob er die zumindest für eine Zeit lang geforderte Regulierungsfreiheit erhält. Hier geht es um die Frage, ob die Telekom die Leitungen auch für Wettbewerber zu Bedingungen öffnen muss, die ihr die Bundesnetzagentur vorschreiben könnte, oder ob sie schalten und walten kann wie sie will. Der Hintergrund: Das Netz ist extrem teuer, und der Ex-Monopolist will erst einmal die Möglichkeit haben, ungestört Gewinne einzufahren.

Hinzu kommt, dass Ärger aus Brüssel droht. Denn die Bundesregierung will der Telekom mit einer Änderung des Branchengesetzes Rückenwind geben. Die EU-Kommission ist dagegen: Sollte es zu einer Gesetzesänderung im Sinne der Telekom kommen, will sie vor den Kadi ziehen und die Bundesrepublik verklagen.

Stefan Paul Mechnig und Archibald Preuschat, ddp/djn



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