Start-up Kosmetik für das eigene Web-Image

Immer mehr Menschen verraten online zu viel über sich und merken das zu spät. Der "Reputationsdienst" myON-ID will dafür sorgen, dass recherchierende Arbeitgeber im Web nicht nur Saufbilder und abseitige MySpace-Seiten finden: Der Dienst will das Online-Image gezielt frisieren.


Sich selbst zu googeln, ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Schließlich will die persönliche Eitelkeit ebenso befriedigt sein wie das Interesse, ob das auch alles stimmt. Arbeitgeber geben bei Google den Namen von Bewerbern ein, und auch bei privaten Kontakten kommt es mitunter zur Internet-Abfrage. Leider hat man kaum einen Einfluss bei der Gestaltung der Trefferliste. Dies will jetzt die "Personensuchmaschine" myON-ID ändern, deren Name so viel bedeutet wie "meine Online-Identität".

myONID: Die clevere Business-Idee setzt auf die wachsende Paranoia vor Rufschädigungen per Web und Google

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Das neue Portal biete eine Suchmaschinen-Optimierung für Privatpersonen, erklärt Mitbegründer Mario Grobholz. Nach der kostenlosen Anmeldung kann man gleich damit anfangen, die im Internet gefundenen Adressen zur eigenen Person auszuwählen, zu kommentieren und mit Schlagwörtern (Tags) zu versehen. "Wir geben den Nutzern so ein Werkzeug in die Hand, um positive Dinge nach vorn zu bringen und die negativen nach hinten", sagt Grobholz.

Natürlich werde Google immer größer sein als myON-ID, räumt der 35-jährige Münchner ein - für Frühjahr 2008 wird zunächst die Schwelle von mehr als 10.000 Nutzern angestrebt. Aber die bei myON-ID gestaltete Online-Identität soll nach Angaben von Grobholz nach zwei bis drei Tagen auch bei Google erscheinen und dort die Trefferliste beeinflussen. Außerdem will das Portal bis Ende des Jahres die Google-Werbung für den eigenen Personennamen anbieten: Der Link zum Profil erscheint dann bei der Google-Suche nach dem Namen in der Spalte der "Sponsored Links".

Auch dieses Angebot werde trotz der damit verbundenen Kosten zumindest vorerst kostenlos bleiben, sagt Grobholz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Möglich wurde dies durch eine 25-prozentige Beteiligung des Kölner Unternehmens Nexum, nachdem der Start von myON-ID zunächst allein mit Investitionen der vier Gründer finanziert worden war. Zurzeit sei noch nicht entschieden, ob sich myON-ID längerfristig mit Werbung oder über kostenpflichtige Extradienste finanzieren werde, sagt Grobholz, fügt aber hinzu, dass er die Nutzung lieber kostenlos halten wolle.

Neben beliebigen Internet-Adressen zur eigenen Person lassen sich in dem Portal auch die Profile integrieren, die man in einer "Social Community" wie StudiVZ, Facebook oder Xing angelegt hat. Als typisches Web-2.0-Portal möchte natürlich auch myON-ID seine Nutzer miteinander vernetzen. Dazu werden andere in das persönliche Netzwerk eingeladen, die dann die eigene Person bewerten können - anhand von vier Fragen mit Bewertungen von 1 bis 5. Auf diese Weise wird ein "Reputationsindex" auf einer Skala von 0 bis 500 berechnet. Je höher das Ansehen einer Person, von der man bewertet wird, desto mehr Punkte bekommt man für den eigenen Index.

Ein Bildsymbol mit dem eigenen Reputationsindex lässt sich in andere Communities oder auch ins private Blog einfügen. Mario Grobholz liegt zurzeit bei einem Wert von 332. Der myON-ID-Gründer versichert aber: "Man kann auch mit 0 leben."

Peter Zschunke, AP



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