Stellenausschreibungen KI-Kenntnisse bei Dax-Konzernen kaum gefragt

Die erwartete Umwälzung im Arbeitsmarkt zieht sich: Wenn die wichtigsten deutschen Konzerne neue Stellen ausschreiben, verlangen sie bisher nur selten, dass sich die Bewerber mit IT-Trendthemen auskennen.

Programmierer (Symbolbild): Vorreiter bei IT-Trendthemen
Ross and Helen/ iStockphoto/ Getty Images

Programmierer (Symbolbild): Vorreiter bei IT-Trendthemen


Bei der Personalsuche der Dax-Konzerne spielen digitale Kompetenzen der Bewerber keine große Rolle. Insbesondere Kenntnisse in innovativen Technologien wie dem maschinellen Lernen beziehungsweise der künstlichen Intelligenz (KI) werden kaum nachgefragt. Dies legt eine Auswertung von knapp 6000 Stellenanzeigen von Dax-Konzernen nahe, die Wissenschaftler der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin vorgenommen haben.

So waren nur in 17 Prozent der ausgewerteten Anzeigen der wichtigsten börsennotierten deutschen Konzerne Kenntnisse in Programmiersprachen gefragt. Kompetenzen bei IT-Trendthemen wie Cloud Computing (7 Prozent), dem Internet der Dinge (IoT, 1,4 Prozent) und KI (3,3 Prozent) spielen eine noch geringere Rolle.

Ludger Bollen/ DER SPIEGEL

Naheliegenderweise führen technologie- und wissensintensive Branchen mit Unternehmen wie der Münchener Rückversicherung, SAP oder Telekom die Liste der Arbeitgeber an, die von Bewerbern Fachkenntnisse in neuen Technologien und beim Programmieren einfordern - mit bis zu 74 Prozent der ausgewerteten Annoncen.

Überraschender sind die hohen Tech-Anforderungen beim ursprünglich auf Kosmetik spezialisierten Beiersdorf-Konzern, der in 51 Prozent seiner Stellenanzeigen technisches Knowhow fordert. Schlusslichter waren den Berlinern Wissenschaftlern zufolge Linde und HeidelbergCement. Vergleichsweise stark nachgefragt waren dabei insgesamt Kenntnisse in gängigen Anwenderprogrammen von Microsoft Office oder SAP.

hil/rom

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marc.koch 07.10.2019
1. Mißverständnis
KI braucht Sachverhalte, die sich auch für KI eignen. Wozu soll ein/e Sachbearbeiter/in programmieren können? Abgesehen davon sind entsprechende IT-Infrastrukturen und vor allem Prozesse erforderlich, die den KI-Einsatz auch ermöglichen. Das ist längst nicht Standard, obwohl es seit Jahren rauf und runter gehypt wird. Und die Weisse-Kittel- Mentalität der KI-Adepten hilft hier auch nicht weiter. Der Kunde muß das auch verständlich erklärt bekommen. Da Konzerne und Mittelstand kaum in Fortbildung investieren, woher soll da die Menge an KI-Experten kommen? Und wir sind ja noch nicht soweit alle unsere Bürger im öffentlichen Raum abzuscannen und zu verarbeiten, so wie China. Es ist mit den KI- Artikeln so wie mit den "Digitalisierungs"- Artikeln. Wir machen das seit den 1980er Jahren längst, aber keiner beherrscht es. Siehe 3D-Technik und dergleichen.
gumbofroehn 07.10.2019
2. Die Zahlen sind höher als sie scheinen.
Wenn in 17 % der erfassten Stellenausschreibungen von DAX-Konzernen Programmierkenntnisse gefordert sind, ist das aus meiner Sicht ein ziemlich hoher Wert - gemessen an den vergleichsweise geringen Anzahl von Informatik-Absolventen gegenüber einem Meer aus BWLern. Ebenso sind 3,3 % mit KI-Verfahren ziemlich viel, die Hochschulen beginnen hier erst seit wenigen Jahren, verstärkt mit passendem Domänenbezug (Business Analytics) auszubilden. Entsprechend sind noch wenige Absolventen am Markt (die zudem auch teuer sind). Wie der Vorredner richtig feststellt, müssen die Probleme (und die Datenverfügbarkeit) auch zu den Machine-Learning-Verfahren passen, oft sind hier klassische modellgetriebene Ansätze aus Statistik und Operations Research effizienter.
static_noise 07.10.2019
3.
Siehe Kommentar (1) Zusatz: Es scheitert weniger am mangelnden Bedarf der DAX Konzerne, als vielmehr an der Inkompetenz und den verknöcherten Strukturen der Konzerne sowas zu steuern, ihre Prozesse zu definieren (damit man das in eine KI trainieren kann) klare Ziele zu benennen um sowas zum Erfolg zu führen.
Newspeak 07.10.2019
4. ...
Kann man dieselbe Statistik mal mit dem Hinweis versehen sehen, was denn genau als digitale Kompetenz verstanden wurde? So ist sie voellig aussagelos. Es ist doch ein erheblicher Unterschied, ob die Bedienung eines Texteditors erwartet wird, oder die eines neuronalen Netzes.
jigger1 07.10.2019
5. Kein Wunder!
Wenn ich mir zum Beispiel anschaue, wie sich die deutsche Auto- und Energieindustrie sowie die Politik benehmen, dann wundert es mich nicht, dass KI-Kenntnisse nicht gefragt sind. Offensichtlich mangelt es ja schon an HI: Humaner Intelligenz.
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