Strategiewechsel Facebook wird googlebar

Facebook öffnet sich für Google und andere Suchmaschinen. Die Betreiber des Angebotes kündigten an, die Namen und Teile der Profile registrierter Nutzer im Netz öffentlich zu machen. Experten sehen in der Kehrtwende den Versuch, offensiv neue Nutzer zu rekrutieren.


Wie in einem Facebook-Blogpost verlautbart, sollen Informationen aus Nutzerprofilen zunächst nur über die Suchfunktion der Plattform selbst aufzufinden sein. In wenigen Wochen wolle man die Daten dann aber auch den großen Suchmaschinen wie Google, Yahoo und MSN Live zugänglich machen, schreibt Facebook-Entwickler Philip Fung. Bislang waren Informationen innerhalb des Netzwerkes nicht für Suchmaschinen zugänglich.

Reflektion des Facebook-Logos auf der Iris eines Auges: Signifikante Wende in der Unternehmenspolitik
Getty Images

Reflektion des Facebook-Logos auf der Iris eines Auges: Signifikante Wende in der Unternehmenspolitik

Bedenken, die neue Regelung sei ein Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer, versuchte er zu zerstreuen. "Auch die öffentlichen Suchergebnisse geben nach wie vor weniger Informationen preis, als man bekommt, wenn man sich registriert", schreibt Fung. Welche Informationen genau in den Suchmaschinen auftauchen sollen und welche nicht, ist nicht bekannt.

Nutzer, die nicht gegoogelt werden wollen, könnten durch eine einfache Änderung im Menüpunkt "Search Privacy" verhindern, dass ihre Facebook-Profile im Netz veröffentlicht werden, so Fung weiter. Suchmaschinen haben demnach nur Zugriff auf Nutzerdaten, wenn diese Einstellung auf "Everyone" gesetzt sei. Blogger monieren jedoch, "Everyone" sei die Standardeinstellung, was dazu führen dürfte, dass zahlreiche Gelegenheitsnutzer unwissentlich ihre Daten veröffentlichen.

Laut "The Register" stellt Facebooks neuer Umgang mit den Nutzerdaten eine signifikante Wende in der Unternehmenspolitik dar: Im Gegensatz zu anderen sozialen Netzwerken wie "MySpace" verwehrte Facebook den großen Suchmaschinen bislang den Zugriff auf die Nutzerprofile.

Tech-Blogger Om Malik, interpretiert die Kehrtwende von Facebook als Vermarktungstrategie. "Jedes Mal, wenn ein Nicht-Facebook-Nutzer im Netz einen Facebook-Nutzer findet, könnte er sich gezwungen sehen, sich auch anzumelden, um an mehr Informationen zu gelangen", schreibt er. Die Herausgabe der Profildaten ziele darauf, möglichst viele Nutzer zu rekrutieren.

Nach Meinung des Medienbloggers Scott Karp ("Publishing 2.0") hat die Weitergabe von Facebook-Informationen an Suchmaschinen einen weiteren Nachteil: Vor allem für Geschäftskunden und Nutzer, die das soziale Netzwerk zu Werbezwecken nutzen und ihr Profil daher bewusst für die Öffentlichkeit zugänglich machen, sei es wenig hilfreich, dass die meisten Informationen über sie nach wie vor nur für registrierte Nutzer sichtbar sind.

Facebook ist eine kostenlose Internetplattform zur Bildung von sozialen Netzwerken. Sie wurde von Mark Zuckerberg an der Harvard University entwickelt. Der Name leitet sich von den gleichnamigen "facebooks" mit Porträtbildern ab, die in US-Collges an Neulinge verteilt werden, damit die einander schneller kennenlernen. Nach Unternehmensangaben hat die Plattform 39 Millionen aktive Mitglieder.

ssu



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.